Arthroskopische Eingriffe gehören zu den häufigsten operativen Verfahren in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Allein in Deutschland werden jährlich mehr als 400.000 arthroskopische Operationen durchgeführt. Trotz dieser enormen Zahl existierten lange Zeit nur begrenzte Daten zur tatsächlichen Versorgungsrealität, zu patientenrelevanten Outcomes und zur langfristigen Effektivität der verschiedenen Verfahren. Genau hier setzt das deutschsprachige Arthroskopieregister (DART) an. DART ist ein klinisches Register, das reale Versorgungsdaten nach arthroskopischen, aber auch nach offenen gelenkchirurgischen Eingriffen systematisch erfasst und auswertet. Ziel ist es, die Qualität der Behandlungen zu verbessern, wissenschaftliche Analysen zu ermöglichen und langfristig evidenzbasierte Therapieentscheidungen zu unterstützen.

Entstehung und Hintergrund des DART-Registers
Das Deutschsprachige Arthroskopieregister wurde durch mehrere Fachgesellschaften initiiert, darunter die Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA), die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) sowie der Berufsverband für Arthroskopie (BVASK).
Die Idee hinter DART ist vergleichbar mit anderen erfolgreichen orthopädischen Registern wie dem Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) oder bereits etablierten sportorthopädischer und arthroskopischer nationaler Register in anderen Ländern (u.a. Norwegen): Durch die Sammlung großer Datenmengen aus der klinischen Routine lassen sich Behandlungsstrategien im „real-life setting“ untersuchen und verbessern.
Das Register startete offiziell im Jahr 2017 und verfolgt das Ziel, Daten orthopädischer Eingriffe an mehreren Gelenken zu erfassen. Zu den aktuell dokumentierten Gelenken gehören das Kniegelenk, das Schultergelenk, das Sprunggelenk und das Hüftgelenk. Damit deckt das Register einen großen Teil der arthroskopischen Eingriffe im muskuloskelettalen System ab.
Funktionsweise des Registers
Das DART-Register basiert auf einer webbasierten Datenerfassung. Dabei werden sowohl ärztliche Daten zur Diagnose und Therapie als auch patientenberichtete Outcomes (PROMs) systematisch dokumentiert. Je nach Gelenk und Erkrankung werden hierbei spezifische standardisierte Abfragen durchgeführt.
- Erfassung präoperativer Patientendaten
Vor dem Eingriff werden klinische Daten, Diagnosen sowie patientenberichtete Gesundheitszustände dokumentiert.
- Dokumentation der Operation
Der Operateur erfasst intraoperative Befunde, Operationsverfahren sowie relevante perioperative Parameter.
- Langfristige Nachverfolgung (Follow-up)
Patienten erhalten automatisiert elektronische Fragebögen zu definierten Zeitpunkten nach der Operation – typischerweise nach 6, 12, 24, 36, 60 und z.T. 120 Monaten
Diese Follow-ups ermöglichen eine langfristige Beurteilung der Therapieergebnisse.

Dabei werden neben allgemeinen Lebensqualitätsscores (z.B. EQ-5D) auch etablierte klinische gelenk- und erkrankungsspezifische Scores verwendet, beispielsweise: KOOS (Knee injury and Osteoarthritis Outcome Score), iHOT-12 (Hip Outcome Tool), ASES-Score (Shoulder Score), FAAM (Foot and Ankle Ability Measure). Die Kombination aus klinischen Daten und patientenberichteten Ergebnissen ermöglicht im Anschluss eine umfassende Bewertung der Behandlung.
DART als Instrument der Versorgungsforschung
Ein entscheidender Vorteil des Registers liegt in seiner Rolle für die Versorgungsforschung. Während randomisierte Studien oft stark selektierte Patientenkollektive untersuchen, bildet ein Register wie DART die tatsächliche klinische Realität ab.
Damit lassen sich wichtige Fragen beantworten, zum Beispiel:
- Welche Operationsverfahren werden in der Praxis am häufigsten angewendet?
- Wie unterscheiden sich Ergebnisse zwischen verschiedenen Altersgruppen oder Geschlechtern?
- Welche Faktoren beeinflussen den Therapieerfolg?
- Wie entwickeln sich patientenberichtete Outcomes über mehrere Jahre?
Solche Analysen liefern wertvolle Erkenntnisse für Ärzte, Physiotherapeuten, Wissenschaftler und Gesundheitssysteme.
Das Register ist modular aufgebaut und erlaubt die Erfassung unterschiedlicher Gelenke sowie spezifischer Pathologien. Durch diese modulare Struktur kann das Register flexibel erweitert und an neue wissenschaftliche Fragestellungen angepasst werden.
Einschränkung der Lebensqualität mit Vorliegen einer sportorthopädischen Verletzung
In einer zuletzt durchgeführten Analyse aus dem Jahr 2025 konnten inzwischen über 9.000 Eingriffe ausgewertet werden. Ein besonderer Aspekt der Registeranalyse war die Veränderung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität im Zusammenhang mit sportorthopädischen Verletzungen.

Flowchart der eingeschlossenen Patienten
Die präoperative Lebensqualität (EQ-5D) war bei Schultererkrankungen am höchsten und bei Sprunggelenkpathologien am niedrigsten.
Signifikante Unterschiede zwischen den Gelenkgruppen konnten hierbei gezeigt werden. In der Subgruppenanalyse zeigten Meniskusläsionen mit geplanter Resektion und VKB-Re-Rupturen die höchsten Lebensqualitätswerte, während Patellainstabilitäten und HKB-Rupturen mit der stärksten Einschränkung der Lebensqualität verbunden waren.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass sportorthopädische Verletzungen bereits präoperativ mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität einhergehen.
Die vollständige Analyse und weitere Details werden am 41. GOTS-Kongress in Osnabrück vorgestellt.
Vorteile eines klinischen Registers
Register wie DART bieten eine Reihe wichtiger Vorteile für Forschung und klinische Praxis:
- Real-World-Evidence: Die Daten stammen aus der täglichen klinischen Praxis und spiegeln damit die tatsächliche Versorgungssituation wider.
- Große Patientenkollektive: Durch die Beteiligung vieler Kliniken und Praxen können große Fallzahlen generiert werden.
- Langzeit-Follow-up: Automatisierte Patientenbefragungen ermöglichen langfristige Outcome-Analysen.
- Qualitätskontrolle: Registerdaten können zur Qualitätssicherung chirurgischer Verfahren beitragen.
- Grundlage für wissenschaftliche Studien: Das Register dient als Plattform für weitere klinische und epidemiologische Untersuchungen.
Zukunftsperspektiven
Mit zunehmender Beteiligung von Kliniken und Praxen wächst auch die wissenschaftliche Bedeutung des Registers. Zukünftige Entwicklungen könnten unter anderem die Erweiterung weiterer Gelenkmodule und die Integration neuer patientenberichteter Outcome-Scores beinhalten. Ebenfalls könnten die Registerdaten für gesundheitsökonomische Analysen genutzt werden.
Langfristig kann das DART-Register dazu beitragen, evidenzbasierte Standards in der arthroskopischen Chirurgie weiterzuentwickeln und die Versorgung von Patienten nachhaltig zu verbessern.
Das deutschsprachige Arthroskopieregister (DART) stellt somit einen wichtigen Meilenstein für die Versorgungsforschung in der Orthopädie und Sporttraumatologie dar. Durch die systematische Erfassung von klinischen Daten und patientenberichteten Outcomes ermöglicht es eine umfassende Analyse arthroskopischer Behandlungen im klinischen Alltag.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass arthroskopische Eingriffe in vielen Fällen mit einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität verbunden sind, aber auch, dass allein das Vorliegen einer sportorthopädischen Erkrankung zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führt. Gleichzeitig eröffnet das Register neue Möglichkeiten, Behandlungsergebnisse langfristig zu evaluieren und Therapiestrategien evidenzbasiert weiterzuentwickeln.
Quellen:
https://gots.org/dart-deutschsprachiges-arthroskopieregister
https://drks.de/search/de/trial/DRKS00012994
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36153780
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41252607/
https://www.arthroskopieregister.de
DER AUTOR
PD Dr. med. Dominik Szymski ist Weiterbildungsassistent für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikum Regensburg und medizinsicher Koordinator des FIFA Medical Centers of Excellence Regensburg. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in der Sportorthopädie und Sporttraumatologie, insbesondere in der Epidemiologie von Verletzungen, Registerforschung und Outcome-Analysen bei Knieverletzungen und arthroskopischen Eingriffen. Er ist Studienkoordinator des Bundesligaregisters für ausfall-relevante Verletzungen und Erkrankungen, sowie Mitglied des Register Komitees der GOTS. Er ist in mehreren nationalen und internationalen Forschungsprojekten und Registern aktiv und engagiert sich in der Weiterentwicklung evidenzbasierter Therapiekonzepte im Sport.