Wenn der Muskel „zumacht“ oder reißt: Muskelverletzungen im Profi-Sport | PM Juni 2021
Eine Therapie von Muskelverletzungen bei Sportlern kann meist konservativ erfolgen. Voraussetzung dafür ist jedoch die richtige Erstbehandlung. „Die Therapie beginnt in der ersten Minute beim Arzt am Spielfeldrand“, sagt Prof. Dr. Anja Hirschmüller, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie am Altius Swiss Sportmed Center Rheinfelden. Extrem wichtig ist eine sofortige Kompression für 20 Minuten, und eine Eiswasser-Kühlung, um Einblutungen und Ödem-Bildung zu vermeiden. So kann die Rekonvaleszenz gekürzt und schneller in den Sport zurückgekehrt werden. Zu diesem und vielen anderen spannenden Themen treffen sich am 1. und 2. Juli Hunderte Ärzte aus Europa auf dem 36. GOTS-Kongress. Muskelverletzungen werden in verschiedene Arten und Schweregrade eingeteilt, wovon die Therapie und vor allem die Ausfalldauer im Wesentlichen abhängt. Zum einen gibt es „direkte“ Verletzungen, zum Beispiel durch gegnerischen Anprall, die zwar oft Einblutungen verursachen aber aufgrund der intakten Muskelfasern besser heilen als die „indirekten“ Verletzungen. Diese entstehen ohne Gegnereinwirkung z.B. aus dem Sprint heraus. Sie werden wiederum in strukturelle und ultrastrukturelle Verletzungen unterteilt. Erstere ohne Faser-Ruptur, im Sinne einer neurogenen Muskelverhärtung oder einer „Zerrung“. Die Athleten sprechen häufig davon, dass „der Muskel zugemacht“ hat. Die Strukturellen Verletzungen unterteilen sich in Faserriss, Bündelriss und Komplettruptur. Natürlich ist die Ausfallzeit eines Spielers länger, je schwerer die Verletzung ist. Mit einem Ertasten von Lücken in der Muskulatur und einem Ultraschallgerät kann der Arzt sich sofort ein Bild der Lage machen. Zusätzlich kann der Unfallhergang oft noch einmal im Video geschaut werden und wichtige Hinweise auf das Ausmaß der Verletzung liefern. Bei der Untersuchung ist es auch wichtig auf Dehnungs- oder Anspannungsschmerz zu achten. Ist ein Dehnen eher angenehm, weist dies auf leichtere Verletzungen hin. Ist der Spieler mit messerstichartigem Schmerz direkt zu Boden gegangen und hat einen Anspannungsschmerz, ist von einer größeren Verletzung auszugehen. Bei Fußballern sind häufig Oberschenkelrückseite und Wade betroffen. Im Kraftsport wiederum Bizeps und Trizeps-Muskel. „Operative Therapien sind zum Glück sehr selten nötig, nur bei Komplett-Abriss oder sehnigen Ausrissen an der Ansatzstelle“, sagt Prof. Hirschmüller, die auch leitende Ärztin des Deutschen Behindertensportverbandes und Chief medical Officer des Team Deutschland bei den Paralympics ist. Da ein Muskel gut durchblutet ist, heilt er auch gut. Hier hat die konservative Therapie eine sehr gute Prognose. Selbst Faserrisse und Bündelrisse heilen in aller Regel in 6-8 Wochen aus. Währenddessen kann der Sportler bereits mit einem aeroben Training anfangen, zum Beispiel auf dem Fahrradergometer oder dem Laufband. Kompressionsstrümpfe und moderne Kompressionsbandagen werden bei kleineren Verletzungen während der ersten zwei Wochen empfohlen, bei größeren auch länger. Und hinterher zum Schutz beim Wiedereinstieg in den Sport. Pflanzliche entzündungshemmenden Medikamente werden ebenfalls empfohlen wohingegen entzündungshemmende Schmerzmittel nur kurzzeitig zum Einsatz kommen sollten. Im professionellen Sport werden häufig auch Spritzen eingesetzt, um die Spannung aus dem verhärteten Muskel zu nehmen (Betäubungsmittel und pflanzliche Präparate) und die Heilung zu beschleunigen. „Das Einspritzen von Blutplasma ist jedoch noch umstritten“, so Hirschmüller. Hier sei die Datenlage noch nicht abschließend geklärt.
Fußball, Volleyball, Handball, Unihockey – bei Schmerzen im Fußgelenk die Innenbänder untersuchen | 36. GOTS-Kongress | PM Juni 2021
In schnellen Kontaktsportarten mit vielen Richtungswechseln und Stopps kommt es bei jungen Sportlern häufig zu Problemen am Sprunggelenk. Bei Schmerzen wird zuerst an Außenband-Verletzungen gedacht, doch oft sind die Innenbänder betroffen. Dies wird jedoch häufig nicht gleich erkannt. Deshalb sind Bänder auf der Innenseite des Sprunggelenkes ein Top-Thema auf dem 36. Jahreskongress der GOTS, auf dem sich Hunderte Ärzte, Sportmediziner und Therapeuten aus Europa zu neuesten Entwicklungen austauschen. Prof. Beat Hintermann, Chefarzt und Leiter der Fußchirurgie am Kantonsspital Basel-Land erklärt: „An der Innenseite des Sprunggelenkes befinden sich das sogenannte Delta- und das Spring-Band. Sie werden in Sportarten wie Fußball, Handball, Volleyball oder Unihockey schnell überlastet. Wenn der Fuß nach außen gedreht und dabei nach innen gekippt wird, wenn ein Spieler aus Versehen auf den Fuß des Gegners tritt und abkippt, aber auch wenn man ganz banal einen Fehltritt auf einer Treppe ins Leere ausführt, kann es zu einer Innenrotation mit schmerzhafter Folge kommen. Gerade bei Fußballern, die viel mit dem Innenrist schießen, leiern die Innenbänder schnell aus oder reißen.“ Werden die Verletzungen bagatellisiert, die Schmerzen etwa nur mit Cortison behandelt, kann eine chronische Instabilität zurückbleiben und sich später eine schmerzhafte Arthrose des Sprunggelenks bilden. Kritisch für die Innenbänder ist, dass diese, im Gegensatz zu den Außenbändern, im Stehen belastet werden. Verletzungen der Innenbänder können deshalb spontan schlecht ausheilen. Zwar kann eine kompensatorische Überaktivität des Tibilais posterior-Muskels (hinterer Schienbeinmuskel / tiefer Beuger am Unterschenkel) den Stabilitätsverlust auf der Innenseite eine Zeitlang „verheimlichen“. Die unter der Sportbelastung zunehmenden Schmerzen führen den Sportler aber später doch zum Arzt – häufig erst nach 1 bis 2 Jahren. Die Diagnose einer Innenbandverletzung des Sprunggelenks erfolgt in erster Linie klinisch. Der Fuß knickt typischerweise im Stehen nach innen, wenn die Aktivität des hinteren Schienbeinmuskels nachlässt und der Patient entspannt. Eine Schmerzauslösung bei Palpation des anteromedialen Ecks (Abtasten vorn-mittig) des Sprunggelenks sichert die Diagnose. Für die Behandlung steht die Rekonstruktion der geschädigten Bänder im Vordergrund. Gelegentlich ist eine knöcherne Korrektur (Osteotomie) zum Ausgleich der entstandenen Fehlstellung notwendig. Ein laxes oder chronisch instabiles Sprunggelenk erlaubt in der Supinationsstellung (Hebung des inneren Fußrandes) ein übermäßiges Heranziehen des Fußes. Dadurch wird der Bandapparat des Chopart-Gelenkes besonders beansprucht. Verletzungen der Bänder dieses Gelenkes verlangen dann eine konsequente Ruhigstellung im Gips für 8 Wochen, so Hintermann. Nur dann könne es eine gute Prognose für einen Return in den Sport geben.
Wenn die Sehne überlastet ist oder der Wirbel ermüdet: Verletzungen im Nachwuchs-Tennis | 36. GOTS-Kongress | PM Juni 2021
Nachwuchs-Tennisspieler leiden häufig an einer Tendinopathie der Extensor Carpi Ulnaris-Sehne oder an einer Spondylolyse (Ermüdungsbruch eines Wirbelkörpers). Besonders häufig betroffen sind Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren. Die Symptome müssen schnell erkannt und behandelt werden, um eine zuverlässige Rückkehr in den Sport zu ermöglichen. Überlastungen und Verletzungen im Tennis-Sport sind eines der Hauptthemen auf dem 36. Jahreskongress der GOTS am 1. und 2. Juli, hybrid: online und live aus Basel. Dr. Stefan Michalski, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am ZFOS München: „Am ellenseitigen Handgelenk gibt es zwei Hauptfaktoren für eine Überlastung: die beidhändige Rückhand, sowie den Vorhand-Topspin. Nach einiger Zeit kommt es zu einer Reizung, zu einer Instabilität oder sogar zum Riss der Sehne. In allen Fällen muss das Handgelenk mit einer Schiene ruhiggestellt werden, bei einer Instabilität oder einer Ruptur ist auch manchmal ein operativer Eingriff notwendig. Der Sportler muss in den meisten Fällen rund zwei Monate pausieren.“ Die ursächlichen Probleme für die Überlastung am Handgelenk liegen, neben einer Technikänderung zu Topspin-Schlägen und einem schnelleren Spiel, gelegentlich auch woanders: an Knien, Hüfte oder Schulter. Die Belastung der Extensor Carpi Ulnars-Sehne entsteht dann dadurch, dass der Sportler die Probleme instinktiv ausgleicht und das Handgelenk anders führt. Hier ist eine tiefere Ursachenforschung unerlässlich. Hinterher muss an der Ganzkörper-Stabilität gearbeitet werden. Die Spondylolyse wiederum ist ein Stress- oder Ermüdungsbruch im hinteren Anteil der Wirbelkörper. Durch Aufschlag und Vorhandschlag kommt es im Tennis häufig zu einer Überstreckung bei gleichzeitigen Seitneigung und Rotation der unteren Wirbelsäule. Häufig ist dann der 5. Lendenwirbelkörper betroffen. Auch hier muss der Sportler sofort pausieren – oft 4 bis 6 Monate lang. Physiotherapie mit Stabilisationsübungen und gegebenenfalls eine Rückenorthese bringen über 90 Prozent der Betroffenen zurück in den Sport. Auch mit einer (selteneren) OP durch eine direkte Stabilisierung des Bruches mittels Schrauben oder einer Zuggurtung haben viele Sportler die Chance auf ein Comeback. Wichtig sei, so Michalski, dass in einem Risikosport für eine Spondylolyse, wie zum Beispiel Tennis, Sportler mit Rückenschmerzen, die länger als zwei Wochen andauern, einen Arzt aufsuchen und dort ein MRT veranlasst wird. Damit kann frühzeitig die richtige Diagnose gestellt und eine schnellere und sichere Rückkehr zum Sport gewährleistet werden.
Alarmzeichen Rückenschmerz: Worauf man bei Kindern, die intensiv Sport treiben, achten muss | 36. GOTS-Kongress | PM Juni 2021
Bei Kindern und Jugendlichen, die intensiv Sport treiben, sollte man auf Alarmzeichen wie Kreuz- und Rückenschmerzen unbedingt achten. Bei der noch wachsenden Wirbelsäule kann es – im Unterschied zum Erwachsenen – zu echten strukturellen Problemen kommen. Wenn man diese nicht erkennt und therapiert, sind Schäden im Erwachsenen-Alter vorprogrammiert. Die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) beleuchtet dieses Thema intensiv auf ihrem 36. Jahreskongress am 1. und 2. Juli. In Live-Streams und „on demand-Sitzungen“ tauschen sich Hunderte Ärzte, Physiotherapeuten und Wissenschaftler zu Neuigkeiten in der Sportmedizin aus. Besonders Beschwerden im Bereich der vorderen Wirbelsäule mit ihren Wirbelkörpern und Bandscheiben korrelieren in einem Alter zwischen 10 und 15 Jahren eng mit Problemen im Bereich der Wachstumszonen, so Prof. Carol-C. Hasler, Leiter der Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie am Kinder-Hospital der Universität Basel. „Dort befinden sich die knorpligen Endplatten. Diese werden rund um die Pubertät wegen der Hormonumstellungen aufgeweicht. Dadurch wird die Struktur empfindlich“, erklärt der GOTS-Experte. In diesem jugendlichen Alter kann daher vor allem bei leistungsorientierten Athleten ein Konflikt zwischen Belastbarkeit und Belastung entstehen: die Biologie zeigt ihre Grenzen auf, aber das Training nimmt zu. Kinder und Jugendliche klagen in diesem Alter dann über Kreuz- oder Rückenschmerzen. Wenn diese Symptome nach 3 Wochen mit Physiotherapie nicht zurück gehen, sollte man die Schmerzen ernst nehmen und frühzeitig mit Bildgebung abklären. Dazu eignet sich nicht unbedingt ein liegendes MRT, sondern vielmehr ein Röntgenbild in aufrechter Haltung. Um mit möglichst geringer Strahlung zu arbeiten stehen dafür sogenannte EOS-Systeme zur Verfügung, die mit w 5 Prozent der üblichen Strahlendosis arbeiten. Aus Erfahrungen wissen die Sportärzte, dass bis zur Hälfte der intensiv trainierenden Kinder bei Schmerzen auch einen radiologischen Befund aufweisen. Hasler: „Als Faustregel gilt: Je jünger das Kind, desto eher ist morphologisch etwas zu sehen. Und: je jünger das Kind, desto mehr korreliert dies auch mit den Symptomen.“ Ob Jugendliche betroffen sind, kommt sehr auf die Biomechanik der Sportart an. Besonders im alpinen Ski-Rennsport mit extrem vorgebeugter Haltung sehen die Ärzte Veränderungen an der vorderen Wirbelsäule. Aber auch im Kunstturnen oder im Down Hill Mountainbiking, wo eine große axiale Kraftübertragung auf die Wirbelsäule stattfindet. Diese jungen Sportler neigen zu einer Kyphose. Im Gegensatz dazu steht die Spondylose bei Sportlern, die viel ins Hohlkreuz gehen, wie zum Beispiel Tennisspieler. „Wenn die rechtzeitige Diagnose und Therapie verpasst werden, verfestigen sich diese Deformitäten mit zunehmendem Alter und können später zu ernsten Erkrankungen, sowie dauerhaften Schmerzen werden“, sagt Hasler, der auch Präsident der Schweizer Wirbelsäulengesellschaft ist. Deshalb ist ein Dialog zwischen Arzt, Sportler und Trainer wichtig. Aber auch Eltern und Funktionäre müssen sensibilisiert werden, um erste Anzeichen und Aussagen der Kinder und Jugendlichen wahrzunehmen.
36. Jahreskongress der GOTS – live aus unserem Studio in Basel | PM Mai 2021
Am 1. und 2. Juli 2021 findet der 36. Jahreskongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) statt. In vielen Live-Streams direkt aus dem Studio in Basel, on demand -Sitzungen und online-Diskussionen tauschen sich Hunderte Ärzte, Physiotherapeuten und Wissenschaftler, hauptsächlich aus Europa, zu Neuigkeiten in der Sportmedizin aus. Im Programm mit hochkarätigen Referenten geht es um den Breitensport genauso wie um den Profi-Sport. Es geht um Verletzungen und Überlastungen, Diagnostik, Therapien, Prä- und Rehabilitation und den besten Weg zurück in den Sport. Wichtige Themenblöcke sind Knie, Hüfte und Becken, Schulter und Ellbogen, Wirbelsäule, Sehnen und Muskeln. Darüber hinaus finden spannende Themen wie moderne funktionelle Diagnostik und Biomechanik, sowie die Früherkennung und Prävention im Kindesalter ihren Platz in den Vorträgen. Schwerpunkt-Sportarten auf dem diesjährigen Kongress sind Fußball, Tennis, alpiner und nordischer Skihochleistungssport. In Diskussionen mit den Leistungssportlern Michelle Gisin, Olympiasiegerin alpine Kombination 2018, Dominique Gisin, Olympiasiegerin Ski alpin Abfahrt 2014 und Slalomfahrer Ramon Zenhäusern (Olympiasieger 2018) werden Beispiele guter ärztlicher Begleitung und Spitzensportmedizin anschaulich dargestellt. Ein Highlight ist die Auszeichnung des GOTS-Sportarztes 2021. Parallel zum hochwertigen Hauptprogramm gibt es ein umfangreiches Physiotherapieprogramm, welches in Zusammenarbeit mit der schweizerischen Arbeitsgruppe für Rehabilitationstraining organisiert wurde. Workshops und Fallbeispiele mit der Unterstützung vom Schweizerischen Verband für Sportphysiotherapie runden das vielseitige Angebot ab.
Sport für Kinder: Warum richtiges Training und die vernünftige Dosis so wichtig sind | PM April 2021
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Knochen, Muskeln, Sehnen, sowie der Stoffwechsel, „ticken“ im Alter des Heranwachsens noch anders. Deshalb sollte beim Sport explizit darauf geachtet werden, kind- und entwicklungsgerechtes Training anzubieten und kein reduziertes Erwachsenen-Training durchzuführen. Unter anderem diesem Thema widmet sich die GOTS als Partner auf dem Sports, Medicine and Health Summit 2021. Die Bewegungsaktivität ist bei Kindern größer als bei Erwachsenen. Das liegt am Überschuss neuronaler Transmitter, an der Dominanz zerebraler Antriebe, der Neugier und daran, dass körperliche Anstrengung von Kindern subjektiv weniger stark empfunden wird. Kinder sollten frühzeitig in ihrem Bewegungsdrang und ihrer „Bewegungsneugier“ gefördert werden, um das Interesse am Sport im frühen Schulkindalter (6-10 Jahre), im späten Schulkindalter (ab 10 Jahre) und später in der Pubertät zu erhalten. Ein sportmotorisches Training im Kindes- und Jugendalter dient nicht nur der der Leistungsoptimierung, der Haltungs- und Verletzungsprophylaxe, sondern auch der gesamt-physischen und psychischen Entwicklung. Während die Skelettmuskulatur morphologisch zwischen Kindern und Erwachsenen sehr ähnlich ist, gibt es bedeutende Unterschiede im Stoffwechsel und damit der Funktion der Muskeln, die es für das kindgerechte Training zu berücksichtigen gilt. Die Energiebereitstellung erfolgt zugunsten eines oxidativen Stoffwechsels. Deshalb ist zum Beispiel ein isoliertes und fokussiertes Krafttraining nicht zielführend. Ein alleiniges Training der anaeroben Kapazität ebenso wenig, wegen eingeschränkter Laktatbildung. Dazu kommt, dass der Testosteronspiegel bei Kindern beider Geschlechter sehr niedrig ist. Daher unterscheidet sich die Muskelkraft nur geringfügig zwischen Jungen und Mädchen. In der Pubertät beginnt – bedingt durch Hormonschübe – die Divergenz zwischen physiologischen Leistungsfaktoren und anthropometrischen Größen bei Jungen und Mädchen. Kurz vor der puberalen Phase kommt es zur Verzehnfachung des Testosteronspiegels bei Jungen. Die Muskelmasse nimmt von 27 auf 40 Prozent zu. Chronischer Bewegungsmangel: zwischen 6 und 8 Jahren steigt die Haltungsschwäche auf bis zu 70 Prozent Doch von der gesellschaftlichen Bewegungsarmut werden auch Kinder und Jugendliche nicht verschont. Ein chronischer Bewegungsmangel führt bei vielen zu Kraft- und Haltungsdefiziten. Ein kritisches Alter ist zwischen 6 und 8 Jahren: hier steigt die Haltungsschwäche bereits auf bis zu 70 Prozent, das Übergewicht auf 20 Prozent. Ein steigender Fettanteil führt zur Reduktion der sportmotorischen Leistungsfähigkeit. Hier wirkt ein kindgemäßes Muskel- und Krafttraining entgegen. Dieses hat positive Auswirkungen auch auf die gesamtmotorischen Fähigkeiten: die Bewegungen werden dynamischer, präziser, fließender. Der Grat zwischen Mangelbelastung und Verletzungsfolgen durch Überlastung muss stets im Blick bleiben. Die Empfindlichkeit des Gewebes von Kindern verhält sich proportional zur Wachstumsgeschwindigkeit. Der kind- bzw. jugendliche Bewegungsapparat ist im Vergleich zum Erwachsenen in größerem Maß der Gefahr von Überlastungsschäden durch unphysiologische Trainingsreize ausgesetzt. Die Belastungsverträglichkeit kann bei kalendarisch und auch biologisch gleichaltrigen Kindern sehr unterschiedlich sein. Der Knochen ist erhöht biegsam (relative Mehreinlagerung von weicherem fibrösem Gewebe), aber vermindert zug- und druckfest. Das Sehnen- und Bandgewebe ist aufgrund schwächerer struktureller Struktur (reduzierte micellare Anordnung) weniger zugfest. Das Knorpelgewebe, bzw. die Wachstumsfuge sind aufgrund wachstumsbedingter Teilungsrate und Differenzierung stärker gegenüber Druck- und Scherkräften gefährdet. Die Wiederherstellungszeit und Adaptation des passiven Bewegungsapparates verläuft langsamer als die subjektive „Erholung“. Überlastungsbedingte Verletzungen sind daher v.a. Wachstumsstörungen der Sehnenansätze (Osteochondrosen und Ossifikationsstörungen der Apophysen). Akute traumatische Verletzungen sind v.a. Apophysenausrisse und Avulsionsverletzungen. Präventiv sind eine muskuläre Beanspruchung und kindgerechtes Krafttraining zur umfassenden Ausbildung der körperlichen Leistungsfähigkeit unersetzlich. Wichtig dabei: eine optimale Ausbildung vielfältiger sportmotorischer Fähigkeiten für die Adaptation und Ausrichtung des Knochengewebes und die Zugfestigkeit des Bindegewebes.
Die verflixte Sportlerleiste | PM März 2021
Leistenschmerz bei Sportlern ist keine Bagatelle. Der plötzliche Ausfall eines professionellen Athleten kann nicht nur für seine eigene berufliche Karriere, sondern auch für seine Mannschaft enorme Folgen haben. Besonders hoch ist die Quote dieser Verletzung im Fußball und Eishockey. Während bei Eishockeyspielern eine Leistenverletzung in zwischen 13 bis 20 Prozent der Fälle bekannt ist, liegt die Inzidenz unter männlichen Fußballspielern für chronischen Leistenschmerz bei bis zu 18 Prozent. Eine zuverlässige Diagnose, was wirklich den Leistenschmerz auslöst, ist aber oft sehr schwierig. Betroffen von Leistenschmerzen sind vor allem Sportler, deren Bewegungsablauf durch schnelle Bewegungen mit abrupten Richtungswechseln gekennzeichnet ist. Gerade bei Fußballspielern, die im Laufschritt tretende und drehende Bewegungen ausführen, kombiniert mit kraftvollem Schießen des Balles, ist der akut einsetzende Leistenschmerz häufig zu beobachten. Auch bei Mannschaftssportarten wie Rugby, Football, Eis- und Feldhockey ist ein vermehrt durch Leistenschmerz bedingter Ausfall der Spieler zu verzeichnen. Aber auch Tennisspieler und Marathonläufer sind nicht selten betroffen. Bereits beim einfachen Joggen konnte eine Belastung des Hüftgelenkes mit dem 8-Fachen des eigenen Körpergewichts nachgewiesen werden. Dr. Andreas Koch Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, Cottbus: „Trotz der Häufigkeit von Leistenschmerzen bei Sportlern gibt es immer noch eine große diagnostische Unsicherheit. Schwierig wird die Diagnosestellung, wenn trotz aller Diagnostik und konservativen Maßnahmen der Schmerz in Ruhe verschwindet, sich aber unter Wiederaufnahme der Belastung zurückmeldet und keine echte Hernie nachweisbar ist. Dabei ist die klare Differenzierung entscheidend, um unnötige Operationen zu vermeiden, dauerhaften Schäden vorzubeugen und eine zielgerichtete Therapie einzuleiten.“ Symptome der Sportlerleiste Bei einer „Sportlerleiste“ geben Patienten meist ziehende, teilweise stechende Schmerzen an. Diese haben fast immer eine Ausstrahlung Richtung Oberschenkelinnenseite (Adduktorenansatz) sowie zur Außenseite des Skrotums. Häufig hat der Schmerz auch einen brennenden, fast elektrisierenden Charakter, was ein eindeutiger Hinweis für eine Nervenkompression ist. Diese Nervenkompression entsteht, wenn die für eine Sportlerleiste typische Protrusion der Leistenkanalhinterwand bei Anspannung der Bauchmuskulatur den Nerven lokal komprimiert. Bei der Sportlerleiste liegt eine umschriebene Schwäche im medialen Anteil der Leistenkanalhinterwand vor. Hierdurch kommt es zu einer lokalisierten Vorwölbung der Transversalisfaszie in den Leistenkanal hinein. Dies führt bei Anspannung der Bauchdeckenmuskulatur und bei abrupten Bewegungen zu einem für die Sportlerleiste typischen Schmerz, welcher durch Kompression des R. genitalis des N. genitofemoralis hervorgerufen wird. Zusätzlich führt diese Schwäche der Leistenkanalhinterwand zu einer Erweiterung des Leistenkanals mit Retraktion des lateralen Anteils des M. rectus abdominis an seinem Ansatz am Os pubis. Therapie der Sportlerleiste Bei der Versorgung von Sportlerleisten gibt es noch kein ideales Therapiekonzept. Es fehlen prospektiv randomisierte Studien, welche die verschiedenen therapeutischen Ansätze und Verfahren vergleichen. Die Therapie richtet sich vor allem nach der „vermuteten“ zugrundeliegenden Ursache. Sie reicht von Schonung und anschließenden konservativen Trainingsprogrammen bis hin zu teils aufwendigen Operationen. Grundsätzlich gilt, je mehr die Beschwerden in Richtung Symphyse/Adduktoren ausstrahlen, desto eher sollte ein konservativer Ansatz gewählt werden und je mehr nach inguino-skrotal, desto eher operativ. Konservative Therapie Vor allem Zerrungen, Risse, Entzündungen und Reizungen sind der konservativen Therapie zugänglich. Hierbei wird durch Schonung der auslösende Reiz vermieden. Zusätzlich können durch antiinflammatorische Medikation und/oder lokale Injektion von Kortikosteroiden, Traumeel und Dextrose die Beschwerden gebessert werden. Intensive physiotherapeutische Programme mit Stretching und Friktionsbehandlungen sowie Massagen haben einen wichtigen Stellenwert im Rahmen der sportlichen Rehabilitation. Zusätzlich werden Koordinations- und Stabilisationsübungen zum Ausgleich muskulärer Dysbalancen sowie osteopathische Maßnahmen durchgeführt. Operative Therapie Prinzipiell werden 3 unterschiedliche operative Verfahren diskutiert. Geht man von einer Nervenkompression aus, so sollte eine lokale Neurolyse oder Neurektomie erfolgen. Für die „Imbalance“ der beteiligten Muskulatur werden neben Refixationen des lateralen Rektusmuskelrandes auch sog. Releasing-Verfahren vorgeschlagen. Außerdem wird die Stabilisierung der umschriebenen Schwäche/Vorwölbung der Leistenkanalhinterwand mit oder ohne Netzverstärkung empfohlen. Bei der Minimal-Repair-Technik nach Muschaweck, wird selektiv der Hinterwanddefekt unter Schonung der intakten Anteile mittels einer Fasziendopplung repariert. Dieses OP-Verfahren, das in Lokalanästhesie im tageschirurgischen Setting durchgeführt werden kann, vermeidet den Einsatz großflächiger, nichtresorbierbarer Kunststoffprothesen und ermöglicht den Erhalt des Muskelgleitlagers. In einer Studie mit 129 Patienten, davon 67 % professionelle Sportler, wurde die Effektivität nachgewiesen. So konnten die operierten Sportler im Durchschnitt nach 7 Tagen das Training wiederaufnehmen. Nach 14 Tagen waren 80 % der Sportler beschwerdefrei und konnten an ihre alte Form anknüpfen. Nachbehandlung Die Rekonvaleszenz umfasst mindestens 2 bis 6 Wochen. Die Nachbehandlung sollte in Zusammenarbeit mit speziell ausgebildeten Physiotherapeuten erfolgen. Eine Schonung und das Vermeiden schweren Hebens sind obsolet. „Do what you feel you can do“ ist heute die Ansage an den Patienten. Die Druckbelastung eines Husten- oder Niesstoßes liegt deutlich höher. Gerade nach offenen Nahtverfahren wie dem Minimal-Repair ist eine schnelle Rückkehr zur normalen Aktivität und Wiederaufnahme des sportlichen Trainings möglich. Bei komplexeren operativen Eingriffen wie dem „Anterior pelvic floor repair“ ist eine Rückkehr zum vollen Training oft erst nach 8 bis 12 Wochen realistisch.
Long COVID und der lange Weg zurück in den Sport – Mit welchen Auswirkungen Sportler in der Pandemie zu tun haben | PM März 2021
Von SARS-COV2 sind auch viele Sportler betroffen. Allein über 500 Kader-Athleten aus Deutschland haben oder hatten mit der Infektion zu kämpfen. Für einige bedeutet das die Aufgabe der Karriere und des Jobs, andere müssen sich auf einem langen Weg wieder mühevoll an die alte Leistung herankämpfen. Hinter den Kulissen forschen Sportwissenschaftler mit Hochdruck an den Schäden, die das Virus hinterlässt. Auch, um später verlässliche Reha- und Trainingspläne für Leistungs- und Breitensportler zu erstellen und einen sicheren Weg „Return to Sport“ aufzuzeigen. Die GOTS gibt demnächst ein Sonder-Magazin der SOT (Sports Orthopaedics and Traumatology) heraus, in welchem Themen rund um COVID und den Sport auf aktuellem Stand dargestellt werden. Derzeit läuft eine große Studie des Bundesinstitutes für Sportwissenschaften mit erkrankten Athleten. Dazu eine Reihe kleinerer Studien. Prof. Dr. Wilhelm Bloch, Leiter des Institutes für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln, erforscht die Mechanismen in der molekularen und zellulären Sportmedizin. Er sagt: „Wir wollen mögliche mittel- und langfristige Effekte erkennen. Momentan sind es jedoch vor allem Berichte und Fallstudien von Athleten, die sich zum Teil nach sieben Monaten immer noch mit den Nebenwirkungen herumschlagen.“ Selbst nach milden Verläufen werden Kurzatmigkeit, Fatigue (krankhafte Müdigkeit), eine verminderte Leistung und neurologische Ausfälle bei Sportlern beobachtet. Es gibt Gedächtnisprobleme, zum Teil Probleme mit dem Herzen und damit, normale Bewegungsabläufe zu koordinieren. Was auffällt: einige wenige Sportler haben sehr große Verluste an Muskelmasse (bis zu 10-15 Kilogramm), auch nach sehr kurzer Zeit. Rund 40 bis 50 Prozent der Covid-19 Erkrankten haben auch noch 3 bis 6 Monate oder länger nach der Erkrankung mit einem oder mehreren Symptomen zu tun – der Begriff für „Long COVID“. Bloch: „Warum zum Teil die Atemmuskulatur betroffen ist, wissen wir allerdings noch nicht.“ In einer eigenen Studie untersuchen Bloch und Kollegen die Effekte des Corona-Virus im Blut: „Wir sehen Veränderungen der roten Blutkörperchen – der Erythrozyten – die kleiner werden. Auch die Membran-Eigenschaften verändern sich.“ Ein „Return to Sport“ ist bei vielen Athleten noch nicht abzusehen. „Einige werden sich nicht so erholen, dass sie wieder ihr altes Leistungsniveau erreichen. Das kann eine Welt sein, die da zusammenbricht“, sagt Bloch. Auch im Olympiajahr werden Athleten den Anschluss nicht schaffen können. Vier Jahre später sind sie vielleicht schon „zu alt“ für ihre Sportart, um bei den Besten mitzumischen. Wichtig sei, dass die Sportler nicht ihren allgemeinen Gesundheitsstatus verlieren, so Prof. Bloch, aber auch das sei nicht bei allen auszuschließen. Die Ergebnisse werden erst in einem oder mehreren Jahren zu sehen sein. Obwohl Sportler ein gut trainiertes Immunsystem haben, kann etwas von der Erkrankung „hängen“ bleiben. Eine Herzbeteiligung sieht man häufig erst nach zwei bis drei Wochen. Deshalb gilt es, jeden Athleten erst langsam wieder an den Sport heranzuführen. Auch lange nach einer Symptomfreiheit ist es im Körper nicht vorbei mit Corona. Nach einem freien Intervall von mehreren Monaten, kommen Covid-19 Patienten mit verschiedenen Symptomatiken wieder zum Arzt – vor allem mit Leistungsminderung, Dyspnoe und Fatigue. Eine Mindestpause für Sportler nach Genesung sind 14 Tage. Danach beginnt ein dosiertes „Zurückführen“ – kein Training von 0 auf 100. Vorher sollte ein Sportler voll durchgecheckt werden, mit Lungenfunktionstest, Belastungs-EKG, in speziellen Fällen eventuell auch Kardio-MRT. Die Reha-Programme bestehen derzeit im Wesentlichen aus einem Atemmuskeltraining und einem spezifischen Atemtraining, welches in das Sport-Training eingebaut ist. Spezielle Reha-Programme werden schrittweise mit Auswertung immer größerer Datenmengen von erkrankten Sportlern erarbeitet. Im Herbst wissen die Forscher dazu schon mehr.
GOTS startet Webinar-Reihe „Ortho SportsMed“ | PM Januar 2021
Die GOTS startet eine dauerhafte Webinar-Reihe zu orthopädischen Themen in der Sportmedizin und über den Tellerrand hinaus. Die online-Veranstaltungen richten sich an Chirurgen, Orthopäden, Sportärzte, Trainer, Wissenschaftler, Physiotherapeuten und Medizinstudenten. Hochkarätige Referenten aus dem europäischen Raum berichten aus ihrem klinischen Alltag, aus Wissenschaft und Forschung, aus der praktischen Tätigkeit. Die Themen reichen von Gelenkverletzungen, über Sehnen, Bänder, Knorpelschädigungen, Muskeln, Gehirnerschütterung bis zur Wirbelsäule. Es geht um Diagnostik, neueste Therapien, Prävention, Sportverletzungen im Kindesalter und vieles mehr. Das erste Webinar gibt’s am Mittwoch, den 17. Februar 2021 von 19-20 Uhr. Thema: DAS KNIE IM LEISTUNGSSPORT – MODERNE BEHANDLUNGSMETHODEN. Moderation: Prof. Romain Seil / Prof. Thomas Tischer. Programm: Meniskusverletzung im Sport – was gibt es Neues? Vordere Kreuzbandruptur – Wie zurück in den Sport? Knorpeltherapie beim Sportler – MF, AMIC, Minced Cartilage oder ACT? Tendinopathien – die unterschätzte Diagnose! Anschließend: Diskussion Die nächsten Themengebiete stehen bereits fest: 14.04.21 Concussion im Sport – Was muss ich wissen? 02.06.21 Sportverletzungen im Kindesalter 01.-03.07.21 Highlights vom GOTS Jahreskongress 22.09.21 Funktionelle Diagnostik – Was gibt es neues? 17.11.21 Regenerative Therapien 19.01.22 Sportlerleiste – wie diagnostizieren, wie behandeln? 16.03.22 Prävention von Schulterverletzungen 18.05.22 Wirbelsäule und Sport 06.22 Highlights vom GOTS Jahreskongress 20.07.22 Update muskuloskelettale Bildgebung / Diagnostik
Verletzungen von Kindern im Sport – der Unterschied zum Erwachsenen | PM November 2020
Kinder müssen sich ausreichend bewegen und Sport treiben. Neben einer Verbesserung von Kraft und Koordination, kommen mehr Beweglichkeit, Schnelligkeit und Ausdauer, sowie eine höhere Leistungsfähigkeit hinzu. Regelmäßiger Sport verbessert Herz und Kreislauf, stärkt das Immunsystem und kann chronischen Erkrankungen vorbeugen. Allerdings passieren jedes Jahr in Deutschland rund 300.000 Unfälle bei Kindern und Jugendlichen im Sport. Bei jedem Achten wird eine stationäre Aufnahme für mindestens 1 Nacht erforderlich. Die GOTS erklärt, welche Probleme dabei im Vordergrund stehen. Grundsätzlich muss zwischen akuten Verletzungen und Überlastungsschäden unterschieden werden. Je nach Sport gibt es unterschiedliche sportartspezifische Verletzungsmuster. Je nach Beanspruchung in der ausgeübten Sportart lässt sich ein höheres oder niedrigeres Verletzungsrisiko abschätzen. Grundsätzlich ist das Verletzungsrisiko in Sportarten mit Gegnerkontakt (die meisten Ballsportarten und Kampfsportarten) erhöht, ebenso in Sportarten, die mit hohem Tempo ausgeübt werden (z.B. alpiner Skilauf). Im Schulsport passieren mehr als 50 Prozent der Verletzungen bei Ballsportarten. Gehäuft finden sich Hand- und Fingerverletzungen beim Basketball, Handball und Volleyball sowie Fuß bzw. Sprunggelenkverletzungen beim Fußball. Der Unterschied zum Erwachsenen Gegenüber Verletzungsstatistiken im Erwachsenenalter ereignen sich bei Kindern deutlich weniger Muskel-, Sehnen- und Bandverletzungen. Bei Kindern kommt es in rund einem Drittel der Fälle zu Frakturen, zwei Drittel betreffen die obere Extremität. Auch, wenn der kindliche Bewegungsapparat – je jünger er ist – ein erhebliches Korrekturpotential aufweist und es nach Frakturen häufig zu Spontankorrekturen kommt, ist darauf zu achten, dass der Körper eine O-Beinstellung besser korrigiert als eine X-Beinstellung. Schwachstelle Wachstumsfuge „Der Bewegungsapparat weist durch die noch offenen Wachstumsfugen, insbesondere im Bereich der Apophysen, eine Schwachstelle auf, die entweder akut oder auch durch chronische Belastung geschädigt werden kann. Auch die gelenknahen Epiphysen sind verletzungsanfällig und können je nach Schädigung zu dauerhaften Problemen führen. Wird eine Wachstumsfuge direkt durch ein Trauma verletzt, kann es zu einem frühzeitigen Verschließen von Teilen der Wachstumsfuge kommen, woraus sich ein Fehlwachstum mit Achsabweichung ergeben kann. Eine engmaschige Kontrolle einer verletzten Wachstumsfuge ist erforderlich, um möglichst frühzeitig ein Fehlwachstum zu diagnostizieren“, erklärt Prof. Dr. Holger Schmitt, Vorsitzender des GOTS- Komitees Kindersportorthopädie. Auch gerade im Leistungssport auftretende immer wiederkehrende gleichförmige Impulse auf Wachstumsfugen durch intensives Training können Einfluss auf deren Wachstumsverhalten haben. Stauchende Belastungen scheinen einen eher hemmenden Einfluss zu haben, exzentrische Belastungen eher einen stimulierenden. So wird bei Turnern eher ein frühzeitiger Verschleiß der körperfernen Wachstumsfuge der Speiche mit Verkürzung des Unterarmes beobachtet, bei Tennisspielern eher eine Stimulierung mit Verlängerung des Schlagarmes. Auch die Wirbelsäule des Kindes kann auf intensive sportliche Belastungen reagieren. Neben isolierten Wirbelkörperaufbaustörungen werden stärkere Kyphosewinkel bei sportlich aktiven beobachtet, auch wenn keine pathologischen Winkel resultieren.