Schmerzmittel im Sport – bei Missbrauch wird’s gefährlich | PM Oktober 2020
Immer häufiger greifen Sportler zu schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten. Ob Muskeln oder Gelenke – NSAR (z.B. Ibuprofen) sind dabei die am häufigsten eingesetzte Wirkstoffgruppe. Profi- und Freizeitsportler erhoffen sich davon, Beschwerden oder Schmerzen zu lindern oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Doch gerade der „prophylaktische“ Gebrauch ist gefährlich, seine Verbreitung unter Nachwuchsathleten inzwischen besorgniserregend, warnt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin. Während Erwachsene und Senioren oft wegen Beschwerden des muskuloskelettalen Apparates NSAR einnehmen, ist die Motivation im Nachwuchssport die verbreitete Annahme, mit Schmerzmitteln einen unspezifischen „Belastungsschmerz“ in Wettkampfsituationen lindern bzw. vorbeugen zu können. In einer aktuellen, sportartenübergreifenden Studie unter Einbezug von 313 Nachwuchsathleten (NCAA College; Alter ca. 18-20 Jahre) gab jede vierte weibliche Athletin und jeder fünfte männliche Athlet an, zum Stichtag der Umfrage NSAR einzunehmen. Bei Umfragen auf Marathon-Veranstaltungen gab sogar die Hälfte der Freizeitsportler an, Schmerzmittel einzunehmen. Problematisch ist, dass viele Präparate zum Teil rezeptfrei im Handel erhältlich sind und durch die Einnahme mehrerer Tabletten eine rezeptpflichtige und damit wesentlich höhere Dosis erreicht werden kann. Durch falsche Vorbildfunktion, fehlende Aufklärung und Gewohnheit kann eine gefährliche Selbstmedikation entstehen – und das in Unkenntnis über das erhebliche Nebenwirkungspotential! Die erwünschten Wirkungen der NSAR beruhen auf der verminderten Synthese von Prostaglandinen. Je nach Stoffgruppe und Dosis werden den NSAR somit analgetische (schmerzhemmende), antipyretische (fiebersenkende) und antiphlogistische (entzündungshemmende) Eigenschaften zugesprochen. NSAR greifen aufgrund der vielfältigen Funktionen der Prostaglandine in relevante Stoffwechsel-Prozesse des gesamten Organismus ein. Unter sportlicher Belastung (erhöhte Herz-Kreislaufbelastung, Umverteilung des Blutvolumens zugunsten der Skelettmuskulatur) können die Auswirkungen sogar noch verstärkt werden. Bei intensiver körperlicher Belastung (z.B. Flüssigkeitsverlust mit Dehydrierung, Elektrolytverschiebungen) drohen bei NSAR-Gebrauch erhebliche gesundheitliche Risiken. Zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden bis hin zur Ulkus-Entstehung mit gastro-intestinaler Blutung, Erhöhung des Risikos arterieller thrombotischer Ereignisse (z.B. akuter Myokardinfarkt), Minderung der Nierenperfusion, Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen. Weiterhinkönnen mit der Einnahme eine negative Beeinflussung des Knochenstoffwechsels mit der Gefahr von Stressfrakturen, oder eine schlechtere Sehnen- und Knochenheilung nach Überlastungen einhergehen. Aufklärung unzureichend Eine wichtige Rolle für die Aufklärungsarbeit spielt das direkte Betreuungsumfeld der Sportler. Die begleitende Aufklärung des Trainerteams zu Schmerzmitteln/NSAR ist absolut wichtig. In der Praxis des Leistungssports hat es sich bewährt, vor der Einnahme jeglicher pharmakologischen Substanzen, Rücksprache mit dem betreuenden Sportarzt zu halten. Im Breitensport fehlen solche Ansprechpartner häufig ganz. Fest steht: „Beschwerden und Schmerzen während des Sports müssen professionell von medizinischer Seite abgeklärt und keinesfalls mit Medikamenten in Eigenregie therapiert werden. NSAR-Präparate weisen ein erhebliches Nebenwirkungs- und Gefahrenpotential auf“, warnt PD Dr. Thilo Hotfiel, Orthopäde, Unfallchirurg und Vorstandsmitglied der GOTS. Grundsätzlich bekämpft der Einsatz von Schmerzmitteln nicht die Ursachen der akuten oder überlastungsbedingten Beschwerden im Sport. Insbesondere die, je nach Sportart und Anforderungsprofil, überlastungsbedingten Verletzungen entstehen oftmals durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und der individuellen Belastungsfähigkeit. Die Anpassung und Steuerung der Trainingsbelastung und die individuelle Erfassung von Risikofaktoren sind die wichtigsten Eckpfeiler in der Prävention und Therapie. Sind Medikamente während des Sports medizinisch notwendig, so sollten sie unter strenger Indikationsstellung, Abklärung des individuellen Risikoprofils und möglichst nur kurzfristig eingesetzt werden!
Vorbeugen ist besser als heilen: Neues Buch „Primärprävention von Sportverletzungen“ erschienen | PM September 2020
Aus dem 6. Expertenmeeting der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) ist ein hochwertiges Buch hervorgegangen, welches Ärzten, Trainern, Therapeuten und Sportlern wertvolle Tipps und Hintergrundwissen zur Vermeidung von Sportverletzungen gibt. 30 Experten haben in dem Werk „Primärprävention von Sportverletzungen“ den derzeitigen Wissensstand in kompakter Form dargestellt. Sport ist wichtig für die Gesundheit. Allerdings birgt Sport auch Gefahren, denn seit Jahren steigt in allen Alters- und Leistungsklassen die Zahl der Sportverletzungen. Diese führen oft zu langen Ausfallzeiten, Sekundärverletzungen, Karriereende, eingeschränkter Lebensqualität, negativen Auswirkungen auf die Psyche und hohen Kosten. Rund 40 Prozent des gesundheitlichen Nutzens gehen dadurch wieder verloren. Dennoch werden Sportverletzungen in ihrer Gesamtheit kaum systematisch erfasst und zu wenig als Problem erkannt. Das Buch widmet sich deshalb Sportverletzungen und -schäden aller großen Gelenke des menschlichen Körpers vom Entstehungsmechanismus über die Prävention, Therapie, Rehabilitation bis hin zur Wiederaufnahme der sportlichen Aktivität und dem Ausmaß von Langzeitfolgen inklusive ökonomischer Konsequenzen. Nach aktuellen Untersuchungen könnten etwa 50 Prozent aller Sportverletzungen durch präventive Maßnahmen und adäquates Training vermieden werden. Dazu zählen unter anderem richtiges Aufwärmen, Muskelaufbautraining, sensomotorisches Training, stabilisierende Maßnahmen, Regenerationsmaßnahmen und Ruhephasen, Vorsorgeuntersuchungen sowie eine sportartspezifische Ernährung. Zum Einsatz neuer Technologien in der Verletzungsprävention müssen dringend mehr Studien durchgeführt werden. Beim Einsatz dieser Technologien (Sensoren, Wearables, Smartphone, App, Social Media, Künstliche Intelligenz) ist die Erarbeitung von sinnvollen Messparametern wichtig. Das Buch bietet ausgezeichnete Übersichten erfahrener Wissenschaftler und Therapeuten und ist wertvoller Leitfaden für konservativ und operativ tätige Orthopäden, Unfallchirurgen und Traumatologen, Sport- und Rehabilitationsmediziner, Trainer und Physiotherapeuten, die sich über den aktuellen Stand der Primärprävention von Sportverletzungen informieren wollen. Herausgeber: Romain Seil, Prof. Dr. med., Service de Chirurgie Orthopedique, Centre Hospitalier Luxembourg und Luxembourg Institute of Research in Orthopedics, Sports Medicine and Science (LIROMS). Thomas Tischer, Prof. Dr. med. Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Universitätsmedizin Rostock. Primärprävention von Sportverletzungen Vopelius Verlag, Jena 2020, 155 Seiten, kartoniert, 30,00 Euro ISBN: 978-3-947303-22-9
Überlastung der Sehnen im Sport – was ist zu tun? | PM August 2020
Überlastungsbedingte Verletzungen von Sehnen sind typische Beschwerden von Sportlern jeden Alters und Leistungsanspruchs. Gerade die lasttragenden unteren Extremitäten, besonders die Achilles- und die Patellarsehne, sind bei vielen Aktivitäten und Sportarten für Tendinopathien anfällig. Doch was tun, wenn die Sehne durch Überlastung verletzt ist? Von Tendinopathien spricht man, wenn eine schmerzhafte und in ihrer Funktion eingeschränkte Sehnenstruktur vorliegt. Sportler haben dabei erhebliche Einbußen ihrer Leistungsfähigkeit mit der potenziellen Gefahr eines Sehnenrisses. Gründe für Tendinopathien können eine eingeschränkte Stoffwechselaktivität des Sehnengewebes mit veränderter Kollagenzusammensetzung mit feinsten Rissen auf mikrostruktureller Ebene sein. Oder auch Entzündungsprozesse, die mit der Synthese und Interaktion proinflammatorischer Substanzen einhergehen. Detaillierte Kenntnisse über die den Sehnenstoffwechsel beeinflussende Belastungsformen sind für Ärzte, Therapeuten und den Sportler deshalb unerlässlich. Bekannte Trainingsparameter für Sportler sind die Intensität (Höhe und Richtung der mechanischen Belastungen), Umfang (Dauer der mechanischen Belastungen), Frequenz (Häufigkeit der mechanischen Belastung je Zeiteinheit), Regenerationszeiten sowie die Geschwindigkeit des mechanischen Kraftanstieges (Kraftanstiegsrate und Kraftimpuls). Aus biomechanischer Sicht hat die Richtung der Krafteinwirkungen entscheidende Bedeutung. Axiale Traktionsbelastungen (Zugbelastung) sind physiologischer mechanischer Natur für kraftübertragende Sehnen und daher ideal, um optimale, der Zugrichtung entsprechende Umbau- und Anpassungsprozesse auszulösen. Verschiedene Therapien möglich Die jeweilige Therapie muss immer individuell auf den Patienten zugeschnitten sein. Eckpfeiler sind die Aufklärung des Patienten und die realistische Einschätzung der individuellen zeitlichen Ressourcen. Ein Trainingstagebuch mit der Vorgabe und Dokumentation von Therapie- und Trainingsmaßnahmen sowie der Veränderungen des Schmerzempfindens (z. B. visuelle Analogscala) ist sinnvoll. Priv.-Doz. Dr. med. Thilo Hotfiel, Orthopäde, Unfallchirurg und Vorstand in der GOTS erklärt: „Das ´exzentrische Training´ hat sich in einer Vielzahl hochqualitativer Studien als therapeutischer Goldstandard in der konservativen Behandlung der Achilles und Patellarsehnen-Tendinopathie etabliert. Für Anpassungen des Sehnengewebes ist allerdings die Höhe der einwirkenden Kräfte, die Geschwindigkeit und Qualität der Bewegungsausführung sowie deren Dauer bedeutsamer als die Kontraktionsform der mechanischen Spannung erzeugenden Muskulatur. Neben dem exzentrischen Krafttraining zeigen deshalb ebenso das isometrische, konzentrische und (Heavy) Slow Resistance Training gute klinische Ergebnisse.“ Die verschiedenen Trainingsformen sind in Abhängigkeit des Stadiums, der Lokalisation, der Belastungsfähigkeit und des Schmerzniveaus durchzuführen. Mit abnehmenden Beschwerden gilt es nach einer ersten Phase langsamer und besonders kontrollierten Übungen die Belastungen zu steigern und sowohl verstärkt schnellkräftige als auch sportspezifische Bewegungsmuster in das Trainingsprogramm zu integrieren. Auch die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESTW) zeigt bei einigen Tendinopathien positive Effekte. Bei Mid-Portion-Tendinopathien ist häufig eine Kombination von ESTW und exzentrischem Krafttraining wirksam. Auf die peri- und peritendinöse Injektion von Glucocorticoiden (Cortisonpräparate) sollte bei Tendinopathien verzichtet werden.
GOTS und eurocom mit neuer Publikation zu orthopädischen Hilfsmitteln als Alternative und Ergänzung zu Operationen | PM Juli 2020
„Konservative Therapie – Was hilft?“ – ist der Titel eines neuen Booklets, welches die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) mit Unterstützung der Europäischen Herstellervereinigung für Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel (eurocom) veröffentlicht hat. Renommierte Orthopäden und Unfallchirurgen stellen darin den aktuellen Wissensstand in der konservativen Behandlung ausgewählter Erkrankungen und den effektiven Einsatz orthopädischer Hilfsmittel dar, etwa bei der schmerzhaften Gonarthrose sowie bei Bandverletzungen und -rupturen. Thomas Tischer, Mitherausgeber und Incoming President der GOTS: „Überall lesen wir von zu vielen Operationen. Dabei ist die Konservative Therapie ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Bestandteil in der Schmerzbehandlung unserer Patienten bei Beschwerden und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Deshalb müssen Inhalte der Konservativen Therapie in der theoretisch-praktischen Ausbildung und in der wissenschaftlichen Publizistik stärker verankert werden. Dies ist uns ein besonderes Anliegen, das in der vorliegenden Publikation Ausdruck findet.“ Etwa 33 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Erkrankungen oder Verletzungen des Bewegungsapparates. Dabei entstandene Schmerzen schränken zum Teil erheblich die Lebensqualität der Betroffenen ein. Die konservative und postoperative Behandlung mit orthopädischen Hilfsmitteln, beispielsweise mit Bandagen und Orthesen, kann dabei helfen, Schmerzen zu lindern und Patienten wieder zu mobilisieren. Oda Hagemeier, Geschäftsführerin eurocom, erklärt: „Wir setzen uns dafür ein, den medizinischen Nutzen und die Wirksamkeit orthopädischer Hilfsmittel zu vermitteln. Daher freuen wir uns, mit den vorliegenden medizinischen Fachbeiträgen, die die neuesten Erkenntnisse erfahrener Spezialisten widerspiegeln, ein Projekt unterstützen zu dürfen, das das Wissen um die Möglichkeiten der konservativen und postoperativen Behandlungsmöglichkeiten fördert und damit einen Grundstein für gute ärztliche Aufklärung legt.“ Aus dem Inhalt Konservative Therapie bei Verletzungen des medialen Kollateralbandkomplexes (Prof. Dr. med. Wolf Petersen, Martin-Luther-Krankenhaus Berlin) // Konservative Therapie der beginnenden Gonarthrose – Was ist sinnvoll? (Univ.-Prof. Dr. Stefan Nehrer, Donau-Universität Krems) // OSG Distorsionstrauma – Wie verhindere ich Folgeschäden? (PD Dr. Thilo Hotfiel, Klinikum Osnabrück) // Achillessehnenruptur – Konservativ behandeln oder besser gleich operieren? (Dr. med. Lukas Weisskopf, Swiss Sportmed Center Rheinfelden u. a.) // Nachbehandlung bei Schulterinstabilität – Innen- oder Außenrotation oder irgendwie? (Dr. Casper Grim, Klinikum Osnabrück) // Grenzen und Möglichkeiten der Konservativen Therapie von Bandverletzungen am Ellenbogengelenk (PD Dr. med. habil. Frieder Mauch, Sportklinik Stuttgart) Allensbach-Institut zeigt hohe Relevanz orthopädischer Hilfsmittel aus Patientensicht Dass ein „Revival“ der Technischen Orthopädie und eine Stärkung konservativer Behandlungsmethoden ganz im Sinne der Patienten liegen, zeigen die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zu Nutzen und Wirksamkeit orthopädischer Hilfsmittel. Die Quintessenz: Nutzer von Bandagen und Orthesen brauchen nach eigenen Angaben weniger Medikamente, können operative Eingriffe oft vermeiden, sind mobiler und gewinnen dadurch an Lebensqualität.
Spitzen-Sport-Medizin: Dr. Gunter Frenzel aus Berlin ist Sportarzt des Jahres 2020 | PM Juni 2020
„Sport ist Emotion und Leidenschaft. Als Sport-Arzt muss man emotional UND kompetent sein, sonst erreicht man den Sportler nicht“, sagt Dr. med. Gunter Frenzel, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin aus Berlin. Er muss es wissen. Von Jens Weißflog über Robert Hartung, Claudia Pechstein, Sabine Lisicki bis Franziska van Almsick – in 30 Jahren hat Frenzel über 50 Athleten zu Olympiasiegen, EM- und WM-Medaillen medizinisch begleitet. Für sein Engagement im Spitzen- und Breitensport, sowie bei der Fort- und Weiterbildung junger Mediziner ist er von der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) jetzt zum „Sportarzt des Jahres 2020“ gekürt worden. Gunter Frenzel ist Vollblutmediziner, profitiert von einem riesigen Erfahrungsschatz, kennt den Sport von beiden Seiten. Er selbst war im Leistungssport bis in höchste Klassen aktiv – in der Nordischen Kombination, im Rudern und später im Triathlon. Sein weitester Sprung der Schanze: 94 Meter! Nachwuchs und etablierte Mediziner können gleichermaßen von seinem Fundus evidenz- und erfahrungsbasierten Wissens profitieren. Noch heute, mit 71 Jahren, betreut Frenzel unter anderem konsiliarisch Sportler in den Olympiastützpunkten Berlin und Frankfurt /Oder. Als Scout für Hochleistungssportler fragt er schon mal die Eltern der 6 bis 10-Jährigen: „Wollen Sie Streicheleinheiten oder die Realität des Leistungssportes hören? Zielorientiert – leidensfähig – welche Sportart passt zu meinem Kind? Als Orthopäde sieht man die Patienten von der Geburt bis zum Ende und mit der Arthroskopie auch den Verlauf des Gelenkverschleißes bzw. von Gelenkverletzungen beim Sport. Hochleistungssport ist physiologischer Grenzbereich.“ Gelebte Sportmedizin ist immer auch Wettkampfbetreuung. Gunter Frenzel wurde von den Internationalen Sportverbänden im Eisschnelllauf, im Bob-Skeleton- und im Rennschlittensport bestellt. Auch war er Impulsgeber für den Berliner Radsport – das berühmte 6 Tage Rennen. Seine größte Leidenschaft bleibt jedoch der Skisport. Deshalb unterstützt Frenzel ehrenamtlich in einem Nachwuchs- Projekt des DSLV das nördlichste Skisprungzentrum in Bad Freienwalde (bei Berlin). Er sagt: „Die Kinder und Jugendlichen liegen mir am Herzen.“ Noch lange denkt Frenzel nicht ans Aufhören. In der Tagesklinik Esplanade in Berlin-Pankow absolvieren Frenzel und seine Kollegen rund 1200 bis 1400 Operationen im Jahr. Knie, Schulter, Sprunggelenk. Daneben Sprechstunden und die Sportlerbetreuung. Frenzels Spezialgebiet: die Kreuzband- und Meniskus-Chirurgie. Zusammenarbeit unter anderem mit der Charité und Europas größtem Unfallklinikum – dem UKB. Das Esplanade Team betreut unter anderem das Eishockey-Profi-Team EHC Berlin seit 25 Jahren. Frenzels Mission: Olympia 2024 für „seine“ Nachwuchssportler in vielen Disziplinen.
Vom Bürostuhl auf die Piste – wann Ski alpin gefährlich wird | PM Februar 2020
Der Winterurlaub in Deutschland, Österreich und der Schweiz fängt für viele im Februar an. Millionen Freizeitsportler wedeln dann bis März/April mit viel Spaß wieder die weißen Pisten hinunter. Die meisten von ihnen – nur eine Woche im Jahr. Grundsätzlich ist der Sport gesund, doch ohne ausreichende Vorbereitung kann es gefährlich werden! Rund 20 Millionen Wintersportler sind allein im Alpenraum pro Saison unterwegs, dabei passieren über 163.000 registrierte Skiunfälle. Viele Untrainierte unterschätzen die Muskelaktivität bei diesem Sport. Aber es gibt noch andere Faktoren: rund jeder Zweite Skifahrer benutzt Bindungen, die nicht optimal eingestellt sind oder sogar außerhalb der Toleranz liegen. Außerdem steigt die Frequenz und Geschwindigkeit auf den Skipisten ständig an. Viele wägen sich mit Schutzhelmen und Rückenprotektoren in einer scheinbaren Unverletzlichkeit. Die meisten Stürze passieren wegen zu hoher Fahrgeschwindigkeit, unkontrollierter Fahrweise in Rücklage oder durch Kollision zweier Skifahrer. Dazu kommen noch Drehstürze, die häufig aus einer extrem vorsichtigen Fahrweise mit sehr geringem Tempo entstehen. Hierbei löst die Bindung aufgrund fehlender äußerer Kräfte nicht aus. „Grundsätzlich sind Verletzungen des Kniegelenkes am häufigsten, bei Frauen zwischen 40 und 50 Prozent, bei Männern bei ca. 30 Prozent. Dafür haben die Männer im Vergleich zu Frauen häufiger Schulterverletzungen aufgrund eines rasanteren Fahrstils mit stärkerer Kurvenlage und dadurch bedingt häufigeren Stürzen“, erklärt PD Dr. med. Peter Brucker, Leitender DSV-Mannschaftsarzt der Deutschen Ski-Nationalmannschaft alpin. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in München ist Diplom-Sportlehrer, Staatlich geprüfter Skilehrer und spezialisiert auf Knieverletzungen. Die klassischen Knieverletzungen beim Ski alpin sind vordere Kreuzband- und Seitenbandrisse sowie Meniskusverletzungen. Eine Rekonvaleszenz kann hierbei sehr langwierig sein. Nicht selten kommt es zu Stürzen der Skifahrer, weil der Bewegungsapparat nicht ausreichend trainiert und überbeansprucht ist. „Insbesondere die Rumpf- und Beinmuskulatur ist nicht genügend auf die spezifische Belastung des alpinen Skifahrens vorbereitet. Viele merken nicht rechtzeitig, dass sie mit ihren Kräften am Ende sind und dann ist sprichwörtlich gesehen die „letzte Abfahrt“ die letzte Fahrt für eine lange Zeit.“ Brucker nennt drei Punkte, die für das Skifahren wichtig sind: „Erstens braucht es eine gute Vorbereitung mit Training der Grundlagen- und Kraftausdauer, konsequent über das ganze Jahr hindurch. Sollte man im Sommer hier nachlässig gewesen sein, so kann man jedoch zum nahenden Winter auch kurzfristig innerhalb weniger Wochen durch ein gezieltes und skisportspezifisches Krafttraining noch viel herausholen und damit zumindest nicht vollkommen untrainiert in den Skiurlaub starten. Zweitens ist eine unmittelbare Vorbereitung auf den Skitag, z.B. mit einem Aufwärmprogramm absolut sinnvoll, um nicht die kalte Muskulatur und die „eingerosteten“ Gelenke durch die äußeren Kräfte, die beim Skisport auftreten, zu gefährden. Dies muss nicht zwingend als typisches Aufwärmprogramm auf der Piste ohne Ski sein. Ein bewusstes, tempokontrolliertes Warmfahren mit verschiedenen Übungsformen und Anspannen der für das Skifahren wichtigen Muskelgruppen erfüllt hier das gleiche Ziel. Und drittens ist eine saubere Skitechnik, insbesondere das Vermeiden einer unkontrollierten Rücklage, unabdingbar.“ Zur Vorbereitung zum Skifahren gilt es vor allem zwei wichtige Aspekte zu berücksichtigen. „Vor allem die vordere, aber auch die hintere Oberschenkelmuskulatur sollte trainiert werden, zum Beispiel durch Rad- oder Mountainbike fahren, Laufen, Treppen steigen oder auch Beinpresse bzw. andere funktionelle Bein-Trainingsformen, z.B. Nordic Hamstrings. Der zweite Schwerpunkt liegt im Bereich des Rumpfes. Für einen stabilen Rumpf müssen vor allem die gerade Rücken- und Bauchmuskulatur, zusätzlich auch die seitliche und schräge Muskulatur am Rumpf gezielt trainiert werden“, so der GOTS-Mediziner. Wenn dann noch zusätzlich die Skibindung jedes Jahr vor dem Skiurlaub auf ihre Funktion und Auslösewerte überprüft wird, dann hat der Ski-Freizeitsportler wesentliche Risikofaktoren für unnötige Skiverletzungen minimiert. Die allgemeinen Pisten-Tipps der GOTS: Vorbereitung auf die Skisaison in den Sommer-/Herbstmonaten und zu Beginn des jeweiligen Skitages Dem Leistungslevel angepasstes Fahrtempo und saubere Skitechnik Ausreichend Pausen, damit die beim Skifahren stark beanspruchte Muskulatur sich wieder erholen kann Genügende Flüssigkeitsaufnahme während des Skitages Bei auftretender Ermüdung mit schweren und „brennenden“ Beinen (Oberschenkel) rechtzeitige Beendigung des Skitages Kein Fahren mit Alkohol („Aprés-Ski“ heißt NACH ! dem Skifahren)
Experten warnen vor Überlastungsschäden an kindlichen Gelenken und Knochen
Pressemitteilung zum DKOU 2019 /Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
Unfall, Sport, Alter, Diabetes – Die Ursachen für Schulterschmerz sind vielfältig
Pressemitteilung zum DKOU 2019 / Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie / 22. bis 25. Oktober 2019, Messegelände Süd, Berlin
GOTS fordert Prävention dringend in den Schul- und Vereinssport zu integrieren
Pressemitteilung der Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin (GOTS) e.V., 23. Oktober 2019
GOTS fordert Schulfach „Gesundheit“ mit besonderem Augenmerk auf Sport und Bewegung
Pressemitteilung der Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin (GOTS) e.V., 16. September 2019