Golf hat in den letzten Jahren deutlich an Mitgliederzahlen zugenommen, insbesondere nach der Coronapandemie. Der Grund ist zum einen die Bewegung in der Natur an den schönsten Plätzen der Welt, die Möglichkeit des Wettkampfs, das Spielen bis ins hohe Alter auch bei gesundheitlichen Problemen und die Pflege der sozialen Kontakte.
Das hinterlässt Spuren. Volleyball ist zwar keine klassische Kontaktsportart, aber die Kombination aus hoher Sprungbelastung, engem Raum unter dem Netz und den zahlreichen Bewegungen über Kopf führt zu einem sehr charakteristischen Verletzungsmuster. Die häufigsten Probleme betreffen das Sprunggelenk, das Knie, die Schulter und die Wirbelsäule. Dazu kommen die typischen Fingerverletzungen beim Block. Für den betreuenden Sportarzt ist dabei oft neben der Diagnose und Therapie einer akuten Verletzung eine zusätzliche Frage entscheidend: Wie konnte es dazu kommen – und warum gerade jetzt?
Ebenso hat sich die Aufmerksamkeit auf diese Randsportart durch die höhere Fernsehpräsenz enorm entwickelt, sodass man sich an praktisch 300 Tagen im Jahr live Golf anschauen kann.
Golf ist zwar nicht hochdynamisch im Sinne von Laufen oder Springen, aber die komplexen Rotationsbewegungen bedeuten relevante Belastungen, v.a. an der Lendenwirbelsäule sowie an Hand und Handgelenk. Golf bietet bei entsprechender Anpassung einen Sport, den man auch bei gesundheitlichen Problemen bis ins hohe Alter aktiv betreiben kann. Inzwischen ist fast klassisch der Wechsel vom Sportler zum Golf, wenn sie aufgrund von Gelenk-Sehnen-Muskelproblemen ihren ursprünglichen Sport nicht mehr ausüben können. Im Golf sind die Möglichkeiten, bestimmte Überbelastungen durch Material und Technik auszuschalten, sehr hoch und bieten dadurch die Möglichkeit, weiter erfolgreich Sport zu betreiben.
Die Bewegung in der freien Natur? Der Wettkampf mit anderen oder eher mit sich selbst? Golf ist technisch eine anspruchsvolle, überwiegend niedrig- bis moderat intensive Sportart mit einer Kombination aus Rotation, hoher Beschleunigung, asymmetrischer Belastung und vielen Wiederholungen. Der Golfschwung folgt einer kinetischen Kette, bei der Kräfte vom Boden über Fuß, Kniegelenk auf Rumpf, Schultern, Arme, Handgelenk und Schläger übertragen werden. Häufig sind überlastungsbedingte Beschwerden und weniger akute Traumata. Die neuere Literatur zeigt, dass mehr als die Hälfte der Golfspieler im Laufe ihres Lebens eine muskuloskelettale Verletzung erleidet.
Die Ausdauerbelastung wird in der Regel unterschätzt, sie liegt zwischen 10 und 12 km bei gespielten 18 Loch. Treten Gelenk- und Wirbelsäulenprobleme beim Golfen auf oder bestehen sie bereits vor dem Golfen, gilt es neben einer profunden medizinischen Behandlung unbedingt, die Ursache der Probleme beim Golfspiel zu finden. Eine alleinige medizinische Therapie ohne Abstellung der Ursache oder Reduktion der auslösenden Belastung ist nicht sinnvoll.
Bei den Profis stehen Probleme der LWS im Vordergrund durch relevante Kompressions- und Scherkräfte bei Rotation und Beugung; gefolgt von der HWS. Auch die Schulter ist häufig betroffen, gefolgt von Ellenbogen und Handgelenk. Bei Amateurspielern liegen Ellenbogen, Schulter und Lendenwirbelsäule im Vordergrund. Die Analyse und Lösung von Problemen im Golf folgen immer einem gleichen Algorithmus:
Der falsche Schläger für den nicht passenden Schwung und orthopädische Probleme können der Ausgangspunkt einer längeren Leidensgeschichte werden.
Schlägerfitting: Die individuelle Materialwahl des Schaftes ob Graphit, Stahl oder eine Kombination verschiedener Materialien hilft technische Defizite und orthopädisches Handicap zu reduzieren. Die altersentsprechende Zusammensetzung des Golfschlägersets auf der Golfrunde ist ein weiterer Punkt, der durch einen erfahrenen Pro und / oder Fittingcenter ausgeführt werden sollte.
Bei orthopädischen Problemen spielen die Belastungen, die der Schläger auf den Körper beim Schlag überträgt die zentrale Rolle. Insbesondere hohe Schlägerkopfgeschwindigkeiten führen bei nicht ausgefeilter Technik zu einer Überbelastung der Wirbelsäule. Der sichere Griff, der die Kontrolle über den Schläger verleiht und gleichzeitig möglichst wenig Spannung in der Muskulatur aufbaut, ist das Ziel.
Kein Tragen des Golfbags, insbesondere bei Wirbelsäulenproblemen kann hilfreich sein. Ziehtrolleys können zu einer vermehrten Drehung und Belastung insbesondere im unteren Bereich der Wirbelsäule führen und bestehende Probleme der unteren LWS negativ beeinflussen. Pushtrolleys und Elekrotrolleys bieten sich hier an. Der Golfcart kann bei ausgeprägter Arthrose in Hüfte, Knie und Sprunggelenk eine willkommene Entlastung sein.
Golf ist eine sehr technisch fokussierte Sportart. Bei vielen Überlastungsschäden steht der Schwung im Vordergrund. Die Analyse der Spitzenspieler zeigt, wie viele Ausprägungen und Interpretationsmöglichkeiten des idealen Schwungs existieren. Mehr als 20 verschieden Schwungformen werden beschrieben. Noch vielfältiger wird es, wenn auf der Driving-Range und auf dem Platz Mitglieder des Golfclubs den Golfschwung ausführen. Neben Versionen des Schwungs, die einfach auf fehlendem Techniktraining basieren, werden auch Techniken zu beobachten sein, denen ein Gelenkproblem zugrunde liegt.
(Modifiziert nach Hochmuth 2015)
1. Ansprechposition / Set up
2. Rückschwung
3. Ende des Rückschwungs (Top of Backswing)
4. Treffmoment (Impact)
5. Durchschwung
6. Finish
Wichtig für die Ursachenanalyse im Sport ist eine Analyse des Golfschwungs aus medizinischer Sicht. Bei der Analyse des Golfschwungs aus medizinischer Sicht steht primär das Gelenk bzw. ein Körperabschnitt im Vordergrund und wird mit den auf sie wirkenden Kräften beurteilt.
Die Vorbereitung des Körpers insgesamt und des Gelenks im Speziellen auf die sportliche Belastung ist eine wichtige Grundvoraussetzung für schmerzfreies späteres Golfen. Es hilft wesentlich, unser Gelenk-Muskel-Faszien-Sehnensystem auf die Belastung vorzubereiten. Ein kleines tägliches Trainingsprogramm kann kleine Wunder vollbringen!
Das Programm kann sowohl als allgemeines Grundprogramm eingesetzt werden als auch zum Aufwärmen auf der Range gedacht, bevor das golfspezifische Aufwärmen und anschließend das Schlagtraining beginnt. So werden Muskeln, Sehnen und Gelenke in eine gute Grundkonstellation gebracht. Bereits den Weg zur Range kann man zum kardiovaskulären Aufwärmen nutzen. Ein flotter Schritt vom Auto zur Range kann hierbei genügen.
Das Grundprinzip beim Aufwärmen ist dynamisch: Möglichst viele Muskelgruppen müssen gemeinsam bewegt werden. Um auch bei Gelenk-, Muskel- oder Sehnenproblemen golfen zu können, bedarf es einer Kombination aus ganzheitlicher Vorbeugung, kontinuierlichem Aufbautraining und letzten Endes aber auch Umstellung der Technik.
Fotos: Dr. med. Ina Sell (privat)