Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin

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Short-Track: Actiongeladene Eissportart auf der kurzen Bahn | Überlastungen, Veretzungen, Prävention

Short-Track ist seit dem Jahre 1992 eine olympische Eis-Sportart, bei der 4-8 Läufer gegeneinander auf einer 111,2 Meter langen, ovalen Bahn, ohne Abtrennung, gegeneinander um die Platzierung konkurrieren. Hierbei werden Geschwindigkeiten von über 50 km/h erreicht. Mittels eines K.O. Systems wird der Sieger über die Vorläufe bis hin zum Finale ermittelt. Gelaufen werden bei internationalen Wettkämpfen zumeist drei Einzelstrecken (500, 1000 und 1500 m), zudem finden Staffelwettbewerbe, männlich, weiblich, sowie eine Mixed-Staffel statt.

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Die Laufbahn ist im Vergleich zum Eisschnelllauf durch kürzere Geraden und engere Kurven charakterisiert. Die hohen, in den Kurven wirkenden Fliehkräfte bedingen, dass sich der Läufer mit dem gesamten Körper in Richtung Kurveninnenseite lehnen muss und somit eine starke Körperneigung erreicht, die zum Teil das Abstützen mit dem Arm erforderlich macht. Ein vorderer Läufer darf jederzeit überholt werden, wobei Körperkontakt oder eine Behinderung des anderen Läufers während des Überholens nicht erlaubt und mit einer Disqualifikation (Penalty) bestraft wird.

Das Einstiegsalter für die Sportart findet sich zumeist zwischen 8-12 Jahren. In Abhängigkeit von Alter und Leistungslevel trainieren die Athleten 5-35 h/ Woche.  Neben dem Eistraining absolvieren die Athleten Imitationsübungen, darunter ist eine an Land, langsame, oft unter zu Hilfename von Bändern, durchgeführte Nachstellung des Bewegungsablaufes auf dem Eis zu verstehen, Rad- und Krafttraining.

Das Anforderungsprofil

Zu den leistungsbestimmenden Faktoren gehören neben einer guten Technik und Renntaktik, die Kraftfähigkeit der Kniestrecker, die anaerobe laktazide Kapazität, Beschleunigungsfähigkeit, Rumpfkraft, Stand-Stabilität und eine aerobe Leistungsfähigkeit. (Bruhn, S. & Felser, S.; 2009). Da in der Sportart oftmals sehr hohe Laktatspiegel von mehr als 20 mmol/l erreicht werden und bei Wettkämpfen oftmals viele Rennen in kurzer Zeit bestritten werden müssen, ist ein schneller Laktatabbau entscheidend, der durch aktive Erholung, Regenrationstechniken oder trainingsmethodische Maßnahmen erreicht werden kann.

Für den sportlichen Erfolg sind Geschwindigkeit, technische Fähigkeiten und taktisches Verhalten als gleichwertig zu betrachten. (Sun et al.; 2021) Die Sportart verlangt hohe mentale Anforderungen. Neben Risikobereitschaft und Mut, ist es erforderlich, fokussiert und konzentriert blitzschnell auf unerwartete Ereignisse im Rennverlauf, zum Beispiel Stürze, zu reagieren.

Verletzungen und Überlastungsreaktionen

Von der Internationalen Skating Union (ISU) ist eine Schutzausrüstung vorgeschrieben, um die Athleten vor Verletzungen zu schützen. Diese umfasst einen standardisierten Helm, einen langen Rennanzug, schnittfeste lange Unterwäsche, einen schnittsicheren Nacken- Schienbein- und Knöchelschutz, Handschuhe sowie Schlittschuhe mit abgerundeten Kufen-Enden. Die meisten Skater nutzen eine Brille zum Schutze der Augen. Zudem werden spezielle Mattensysteme, insbesondere in den Kurven, gefordert, wobei in der Regel mobile Mattensysteme den besten Schutz bei Stürzen bieten.

Verletzungen und Überlastungsreaktionen kommen in der Sportart trotzdem regelmäßig vor. In der Literatur finden sich wenige Studien, die Inzidenzen und Mechanismen von Traumata untersuchen. Brownlow ermittelte 4,4 Verletzungen auf 1000 Trainingsstunden. (Brownlow et al.; 2021) Quinn konnte nachweisen, dass sich 64,2% der Athleten mindestens einmal pro Saison verletzen. (Quinn et al.; 2003)

Ziegler et al. analysierten über einen Zeitraum von 4 Jahren (2019-2023) die Verletzungen von 69 deutschen Bundeskader-Athleten (30 weiblich, 39 männlich).  Sie fanden heraus, dass sich 45 % der Verletzungen beim Eis- sowie 30 % beim Landtraining ereigneten, 25 % waren Verletzungen im Rahmen eines Wettkampfes. Mit einer Häufigkeit von 69,8 % dominierten die Verletzungen der unteren Extremität, insbesondere Knie- und Sprunggelenks-Verletzungen. Des Weiteren konnten Verletzungen der oberen und unteren Wirbelsäule, der Schulter, insbesondere Schulterluxationen, sowie Kopfverletzungen dokumentiert werden. Bei der Betrachtung der verletzten Strukturen überwogen knöcherne Verletzungen mit 29,9 %. Ligamentäre Gelenkverletzungen konnten mit einer Inzidenz von 0,86 per 10.000 h beschrieben werden. (Ziegler et al. 2025)

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Schnittverletzungen, durch die scharfen Kufen, die mit teils erheblichen Blutungen oder strukturellen Schäden einhergehen können, sind durch die protektiven Maßnahmen in den letzten Jahren seltener geworden, es muss aber immer noch mit ihnen gerechnet werden.

An Überlastungsproblematiken finden sich in der Praxis immer wieder Tendinopathien, insbesondere ein vorderer Knieschmerz, Beschwerden im unteren Rücken, auf Grund der Vorbeugehaltung, oder auch Bursitiden an den Füßen. Gehäuft ist eine femoroazetabuläre Impingement-Problematik zu beobachten, die vermutlich ihre Ursache in der hohen Belastung der Hüftgelenke bereits im Adoleszentenalter und in der sportartspezifischen übermäßigen Flexion in den Hüftgelenken hat.

Prävention

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer professionellen sportmedizinischen und physiotherapeutischen Betreuung in Abstimmung mit Athleten und Trainer, um Sportschäden vorzubeugen, Pathologien rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern und Verletzungen kompetent zu behandeln.

Präventive physiotherapeutische Maßnahmen umfassen kompensatorische Übungen zum Ausgleich muskulärer Dysbalancen, hierbei liegt oftmals der Fokus auf einer Kräftigung der hinteren Kette und der kleinen Gesäßmuskulatur. Eine sehr gute sensomotorische Kompetenz und eine optimal ausgeprägte Rumpfmuskulatur sind ebenso wichtige Säulen in der Verletzungsprävention.

Nach schwerwiegenderen Verletzungen ist eine strukturierte schrittweise Wiedereingliederung in Anlehnung an ein „Return to Competition“-Programm sinnvoll, wobei auch die Wiedererlangung der mentalen Fähigkeiten Berücksichtigung finden sollte.


Die Autorin

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Dr. med. Heidrun Beck ist Teamärztin im Short-Track in der Deutschen Eisschelllaufgesellschaft (DESG). Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Sportmedizin. Heidrun Beck leitet den Bereich Sportmedizin am UniversitätsCentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Dresden.

Die Autorin ist Referentin auf dem 41. GOTS Kongress in Osnabrück mit dem Thema: „Analyse von Verletzungen im Nachwuchseishockeysport“.