Prof. Dr. med. Kurt Steuer (Deutschland) ist GOTS-Sportarzt des Jahres 2026 | PM Juni 2026
Prof. Dr. Kurt Steuer – Orthopäde, Unfallchirurg, Sportmediziner aus Bad Honnef – erhält in diesem Jahr die Auszeichnung „GOTS Sportarzt des Jahres. Die Auszeichnung wird jährlich von den Verbandsärzten Deutschland e.V. und der GOTS auf dem Jahreskongress der GOTS verliehen. Um den begehrten Titel zu erhalten, muss der „Sportarzt des Jahres” wichtige Voraussetzungen erfüllen: unter anderem die kontinuierliche Betreuung einer Nationalmannschaft einer olympischen Sportart als Verbandsarzt, die strikte Einhaltung einer ethisch sauberen Medizin, einen aktiven Einsatz im betreuenden Verband zur Erhöhung der Sicherheitsstandards sowie zur Optimierung von Gerät und Wettkampfstätte zur Vermeidung von Sportverletzungen und Sportschäden, sowie überdurchschnittliche Kenntnisse und Fähigkeiten auf dem Gebiet der praktischen Sportmedizin. Immer dem Patienten verpflichtet Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann begann Kurt Steuer sein Studium der Humanmedizin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Studienbegleitend arbeitete er im Pflegedienst, 1986 erhielt er die Approbation als Arzt, 1987 schloss er die Promotion mit der Note „sehr gut“ ab. Von 1987 bis 1999 folgten Tätigkeiten als Assistenzarzt in chirurgischen Abteilungen am Dreifaltigkeitskrankenhaus Wesseling, dem St. Elisabeth Krankenhaus Bonn und in der Unfallchirurgie der Universitätsklinik Bonn. Währenddessen erfolgte die Anerkennung zum Facharzt für Chirurgie und für den Schwerpunkt Unfallchirurgie. Ab 1999 übernahm Prof. Dr. Kurt Steuer als Chefarzt die Abteilung für Unfall- und Gelenkchirurgie am Bürgerhospital zum Heiligen Johannes dem Täufer in Bonn, ehe er dann 2002 unfallchirurgischer Belegarzt im Johanniter Krankenhaus (heute: Evangelische Kliniken) Bonn wurde. Im Oktober 2004 über nahm er als Chefarzt die Abteilung für Orthopäde und Unfallchirurgie des Waldkrankenhauses Bonn Bad Godesberg. 2022 verabschiedete er sich in den Ruhestand. Prof. Dr. Kurt Steuer prägte die Sportmedizin in der Handball-Welt Aus Leidenschaft zum Handball, übernahm Kurt Steuer 1986 – schon früh in seiner Laufbahn – die sportmedizinische Betreuung des Westdeutschen Handballbundes. Ab 1988 folgte dann zusätzlich eine langjährige Tätigkeit als Mannschaftsarzt im Senioren- und Junioren-Bereich des Deutschen Handballbundes (DHB). 2016 freute er sich mit Dagur Sigurdson über den Europameister-Titel und er war dabei, als es die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio gab. 2021 war er bei den Olympischen Spielen in Tokio, 2026 in China dabei. Das Wissen an die nächste Generation weitergegeben Als Lehrbeauftragter an der Deutschen Sporthochschule Köln gab Kurt Steuer am Institut für Sportorthopädie und Traumatologie sein Wissen gern an die jüngere Generation weiter. Aber auch am Institut für Sportwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ließen sich viele junge Ärzte und Sportmediziner mit Begeisterung sein Wissen in spannenden, durchdachten Vorträgen vermitteln und gern in ihrer Arbeit betreuen Vom Arzt zum Landwirt – ein aktiver Mensch kann nicht „Nichtstun“ Seit etwa acht Jahren lebt Kurt Steuer mit seiner Frau 10 von 12 Monaten in Koroni, südliche Peloponnes, in Griechenland. Dort hat sich der rührige und sympathische Sportarzt der Landwirtschaft – speziell der Produktion von Olivenöl – verschrieben. Mit altem Traktor und viel Handarbeit pflegt er die Bäume und erntet die Oliven. Zusätzlich widmet er sich seiner Leidenschaft: dem An- und Ausbau des Shiraz-Weines. ¡ Das unmittelbare Vorschlagsrecht zum „Sportarzt des Jahres“ steht dem Vorsitzenden der Verbandsärzte, dem Präsidenten und den drei Vizepräsidenten der GOTS zu. Vorschläge können jedoch auch Sportärzte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie das Präsidium der „Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention” einreichen. Über die Auszeichnung als „Sportarzt des Jahres” entscheidet der Vorstand der GOTS mit einfacher Mehrheit.
Bedeutung von Prävention und Sport für die Gesellschaft | PM Juni 2026
Die Gesundheitsversorgung in Deutschland steht an einem Wendepunkt. Immer höhere Ausgaben zwingen zu immer rigideren Sparmaßnahmen. Gleichzeitig wird die Gesellschaft immer kränker. Es ist an der Zeit von einer „Verwaltung der Erkrankungen“ zu einer Prävention zu kommen. Welche Rolle dabei Sport und Bewegung spielen und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um Deutschland wieder fit zu machen – darüber referiert Prof. Dr. Martin Engelhardt, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Osnabrück auf dem 41. Jahreskongress der GOTS vom 11. bis 13. Juni in Osnabrück. Zahlen und Fakten sprechen für sich: Die Gesundheitsausgaben in Deutschland betragen inzwischen über 500 Milliarden Euro pro Jahr (>12% BIP). Die Kosten durch Tabakkonsum 97 Milliarden Euro, für Adipositas 63 Milliarden Euro. 80 Prozent der Krankheiten sind Zivilisationserkrankungen. Bewegungsmangel und körperliche Inaktivität sind vierthäufigster Risikofaktor für globale Mortalität. Übergewicht und Bewegungsmangel Im Public Health Index 2025 (vergleicht Umsetzungsgrad wissenschaftlich empfohlener Präventionsprogramme) belegt Deutschland Rang 17 von 18 Ländern Nord- und Zentral-Europas. Nur 26-29 % der Erwachsenen erfüllen die WHO-Empfehlungen von 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche. Beim UNICEF „Kinderwohl-Index“ belegt Deutschland Platz 25 von 43 OECD- und EU-Ländern. Der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher zwischen 11 und 17 Jahren liegt bei rund 38 Prozent, wovon rund 20 Prozent sogar adipös sind. Bei Erwachsenen leiden 50 Prozent an Übergewicht, 19 Prozent sind adipös „Dies ist ein zentraler Risikofaktor für chronische Erkrankungen (Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartige Tumore) und schwererer Infektionsverläufe“, so Prof. Martin Engelhardt. Und weiter: „Deutschland wird zukünftig die Kosten für das Gesundheitssystem in Höhe von 500 Milliarden Euro nicht mehr ausgeben können. Die Profiteure des bisherigen Systems werden weiter versuchen an kranken Menschen zu verdienen. Die sogenannte „Krankenhausstrukturreform“ wird bei gleichbleibender Ausrichtung des Systems als Sozialabbau für den Bürger zu Leistungseinbußen führen.“ Vision „Deutschland wieder fit machen“ Die GOTS plädiert daher für eine Änderung der Ausrichtung von einer rein kurativen zu einer präventiven Medizin. Sinnvolle Maßnahmen dafür sind: Schaffung von Gesundheitskompetenz in der Schule durch Einführung des Faches „Gesundheit“ (Gesundheits-Aufklärung, gesunde Ernährung, Motivation zum lebenslangen Sporttreiben). Schaffung einer Umgebung, die das Gehen, Radfahren und aktives Unterwegssein im Alltag einfach und selbstverständlich macht. Steuern auf Nikotin und Alkohol erhöhen und bei Zucker einführen. Umfassende Werbebeschränkungen bei Alkohol, Tabak und zuckerhaltigen Getränken Politische Maßnahmen, für eine Chancengleichheit alle Kinder. 60 Minuten qualifizierter Sportunterricht pro Tag, verbindlich durch gesetzliche Festlegung. Die GOTS fordert eine Aufnahme von sportlichen Leistungsanforderungen in die Schulpläne, die Vorhaltung und Weiterentwicklung von Sportstätten und ungehinderten Zugang zu diesen, eine kompetente Ausbildung und adäquate Bezahlung von Sportlehrern und Trainern. Weiterhin braucht es eine Akzeptanz des Leistungssports und Unterstützung für Sportler(innen) außerhalb der Eliteschulen des Sports und an den Universitäten. Damit dies erreicht werden kann, ist ein politischer Wille parteiübergreifend erforderlich. Mehr spannende Themen vom 41. GOTS-Kongress
Hochleistung bei Musikern und Tänzern: Sensorbasierte Funktionsdiagnostik hilft Verletzungen aufzuspüren und vorzubeugen | PM Mai 2026
Wir alle kennen die Bilder von stürzenden Profi-Fußballern auf dem Spielfeld und halten in diesen Minuten den Atem an, angesichts der Verletzungen, die sich Athleten immer wieder zuziehen. Doch es gibt auch Hochleistung jenseits des Sports. Profis auf der Bühne, die täglich stundenlang hart trainieren oder Auftritte haben. Auch sie ziehen sich Verletzungen, häufig durch enorme Überlastungen zu. Um diese zu erkennen, wurde die Diagnostik immer weiter verfeinert. Was es mit der sensorbasierten Bewegungsanalyse auf sich hat und wer davon profitiert – darüber referiert Prof. Dr. Dirk Möller, Schwerpunkt angewandte Bewegungsanalyse und Clinical Reasoning, Hochschule Osnabrück, auf dem 41. Jahreskongress der GOTS in Osnabrück. Darstellende Berufs-Künstler, wie Musiker, Instrumentalisten, Sänger, Berufssprecher oder Tänzer trainieren oft vier bis sieben Stunden am Tag in unphysiologischen Körper-Haltungen. Dazu haben sie dann noch Vorstellungen. Viele beginnen im frühesten Kindesalter, mit 18/19 haben diese Künstler bereits Zehntausende Übungsstunden hinter sich und müssen oft bis 60/70 durchhalten, da ihr Verdienst bei Weitem nicht so hoch ist, wie im Leistungssport. Geht man zu einem Konzert, sieht man lächelnde Musiker in schicken Anzügen im Orchester, die perfekt Musik spielen. Doch es steckt nicht nur viel Arbeit dahinter, sondern auch ein ständiger Kampf mit Muskeln, Sehnen, Bändern, mit Wirbelsäule und Gelenken. Dazu kommt der berufliche Druck, Leistung und den perfekten Klang bringen zu müssen. „Diese Künstler sind extrem hohen Belastungen ausgesetzt, an Verletzungen denkt in diesem Bereich jedoch niemand“, sagt Prof. Möller. Und weiter: „Am Orchestergraben sieht man keinen Mediziner oder Physiotherapeuten, wie am Spielfeldrand. In der Künstler-Branche ist es immer noch nicht ´normal´, verletzt zu sein. Ein Solist darf schon gar nicht ausfallen, aber auch alle anderen bangen um die Karriere, die Aufträge, den Job. Länger krank sein, bedeutet bei hoher Konkurrenz schneller raus zu sein.“ Exaktes Messen der Belastungen in der „Musiker-Sprechstunde“ Einseitige lange Belastungen, viel Stress und wenig Schlaf führen zu spielbedingten Schmerzen. Prof. Möller: „Violinisten beispielsweise haben starke Probleme mit Nacken, Schulter, Unterarmen, Schlagzeuger eher Probleme in den Händen und der Lendenwirbelsäule. Pianisten haben häufig schmerzende Handgelenke, Nacken und Schultern. Tänzer plagen sich wiederum mit Schmerzen in den Sprunggelenken, Hüften, Knien, der LWS.“ Das Forscherteam aus Osnabrück und Hannover erforscht im DFG-geförderten Projekt „PA.H|LIFETIME.ai – Gesundheit darstellender Künstler – Entwicklung und Analyse von Risikoprofilen und prädiktiven Modellen durch künstliche Intelligenz“ u.a. die Überlastungen von Künstlern nun systematisch. Verletzungen und die Ursachen für das Auftreten von Schmerzen sollen besser verstanden werden. Dafür sind bestimmte Untersuchungsreihen, Step bei Step aufgebaut worden. „Die sensorbasierte Funktionsdiagnostik bietet hier die Möglichkeit, das Therapiemanagement gezielt zu unterstützen und Dysfunktionen zu identifizieren. Kinetische, kinematische und elektromyographische Assessmentverfahren liefern zusätzliche Informationen zur zielgerichteten Entscheidungshilfe“, so Möller. Physiotherapeutische, ärztliche und sportwissenschaftliche Bewegungsanalysen können dabei helfen, klare und potentielle Risiko-Faktoren zu analysieren. Darauf basierend und mit Hilfe der KI werden diesbezüglich Vorhersagemodelle abgeleitet. Neben der schon lange bestehenden „Musiker-Sprechstunde“ im INAPO an der Hochschule Osnabrück gibt es diese nun auch in Hannover am Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin der Hochschule für Musik, Theater und Medien. Die Künstler kommen aus ganz Deutschland hier ins Labor und unterziehen sich umfassenden physiotherapeutischen Untersuchungen und biomechanischen Messungen. Alle biomechanischen Messreihen sind sensor-basiert und sehr exakt. Aus der sensorbasierten Bewegungsanalyse sollen nicht nur Therapie-Empfehlungen entwickelt werden, sondern auch Leitlinien, Präventions- und Trainingsanleitungen. Parallel dazu wurde in Osnabrück die weltweit erste Professur für „Performing Arts Physiotherapy“ etabliert. Demnächst wird es den ersten Master-Studiengang „Performing Arts Physiotherapy“ dazu geben. Mehr spannende Themen vom 41. GOTS-Kongress
MOVE! Weil Bewegung Leben heißt 41. Jahreskongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS)| PM Dezember 2025
Unter dem Motto „MOVE“ wird die GOTS ihren 41. Jahreskongress mit Beteiligung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranstalten – zu diesem Highlight werden Hunderte Ärzte, Sportwissenschaftler, Physiotherapeuten, Trainer, Athleten und viele andere Experten vom 13. Bis 15. Juni 2026 in der „Friedensstadt“ Osnabrück erwartet! In der hochmodernen OsnabrückHalle wird es drei Tage lang ein abwechslungsreiches wissenschaftliches Programm auf höchstem Niveau geben. Schwerpunkte sind die Körperliche Aktivität, der Vergleich Internationaler Sportsysteme, der Kinder und Jugendsport, neueste OP-Techniken, Return-to-Sport & Funktionsdiagnostik, sowie Künstliche Intelligenz & Wearables. Bei den Sportarten steht unter anderem der Wassersport – Surfen, Wellenreiten – im Fokus. Neben Vorträgen und Panel-Diskussionen werden zahlreiche Workshops immer mit Blick auf die Gesundheit, für einen regen Austausch unter allen Berufsgruppen zwischen Medizinern, Sportwissenschaftlern, Physiotherapeuten und der Industrie sorgen. Die europaweite Prävalenz von Bewegungsmangel lässt aufhorchen. In einer Studie zu 28 EU-Ländern lag der Anteil der körperlich Inaktiven 18- bis 64-Jährigen bei rund 36,2 Prozent. Nur etwa 28 % der Frauen und 36 % der Männer erreichen die WHO-Empfehlung von mind. 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche. Laut WHO-Empfehlung sollten sich Erwachsene mindestens 150 Minuten pro Woche mit moderater körperlicher Aktivität oder 75 Minuten intensiver Aktivität bewegen (plus Krafttraining an ≥2 Tagen) – um gesundheitsfördernde Effekte zu erzielen. Als größter Zusammenschluss von Sportorthopäden in Europa, hat es sich die GOTS auf die Fahnen geschrieben, die Menschen – vom Freizeitsport über den Vereinssport bis zum Leistungssport – gesund in der Bewegung zu halten. Dazu zählen verschiedenste Programme zur Prävention vor Überlastungen, Verletzungen, Unfällen. Während es bei professionellen Athleten darum geht, den Beruf solange es geht, beständig und ohne lange Ausfälle ausüben zu können, gilt es im Breitensport, das Aktivitätslevel nicht zu verlieren, sich das ganze Leben lang aktiv bewegen zu können und Spaß daran zu haben.
Die Grenze zwischen Druck und Missbrauch: Wie können Kinder und Jugendliche im Sport geschützt werden? | PM September 2025
Die Grenze zwischen Druck im Training und einem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Nachwuchs-Leistungssport ist fließend. Aber nicht nur dort. Auch im normalen Vereins-Freizeitsport wird bisweilen psychischer und physischer Druck auf die Jüngsten aufgebaut. Zusammenfalten vor versammelter Mannschaft, Gruppenzwang, ein Drängen zu gemeinsamen Sauna-Gängen oder Massagen, Medikamentengaben. In seltenen Fällen sogar bis hin zum sexuellen Missbrauch als Spitze des Eisberges. Dies alles sind durch die Medien bekannt gewordene Beispiele, die es zu verhindern gilt. Wie kann man die jungen Sportler davor schützen? Mediziner und Sportwissenschaftler der GOTS fordern ein Vereins-System der kompletten Transparenz und den systematischen Aufbau von kontrollierbaren Regelwerken für einen sicheren Sport. Darüber hinaus bearbeitet die GOTS das Thema in entsprechenden Fortbildungen auf Kongressen, in Workshops, Webinaren und Publikationen, um die Sportärzteschaft dafür zu sensibilisieren und Kompetenz für Reaktionen zu schaffen. Die GOTS steht für einen humanistischen Sport ein. Im Zielkonflikt zwischen hohen Leistungsanforderungen und der gesunden Kindesentwicklung ist eine Sensibilisierung aller Betreuer, der Eltern und der Athleten für neue Maßstäbe nötig. Über 70 Prozent der jungen Freizeitsportler und 84 Prozent der Nachwuchs-Leistungssportler unter 18 Jahren haben laut Befragungen im Rahmen von Studien schon einmal unangemessenes Verhalten ihrer Trainer oder sogar Gewalt (physisch, psychisch, oder auch sexualisiert) im Sport erlebt. Noch muss beispielsweise in etlichen Sportarten gehungert werden, um das Gewicht zu halten. Gruppenzwang sorgt dafür, dass Abführmittel oder Appetitzügler von vielen im Sportinternat oder im Verein genommen werden. Leicht bekleidet und öffentlich erfolgt dann der Gang zum Wiegen. Über die Trainingsmethode wiederum wird zusätzlich physischer Druck aufgebaut, wenn etwa der Fuß des Trainers im Rücken der jungen Mädchen beim Spagat noch einmal „nachdrückt“. Dazu kommt die nicht seltene Einnahme von Schmerzmitteln zum Erreichen höherer Trainingseinheiten. Solche Praktiken müssen ein Ende haben, fordern die Ärzte und Sportwissenschaftler der GOTS. Dr. Gregor Berrsche, Vorstandsmitglied der GOTS: „Das Abhängigkeitsverhältnis eines jungen Sportlers von Trainern, Betreuern, Ärzten lässt den Schutzbefohlenen wenig Möglichkeiten der Autonomie.“ Oft wollen Kinder auch mit Erfolgen im Sport ihre Trainer und Eltern glücklich machen. Dafür nehmen sie viel in Kauf, geben ihren eigenen Bedürfnissen keinen Raum. „Im Nachwuchsleistungssport ist der jugendliche Körper einer Doppelbelastung ausgesetzt aus Wachstum einerseits und sportart-spezifischer Belastung andererseits. Es ist die immanente Aufgabe der Kindersportorthopädie, die Gesunderhaltung in dieser Phase zu gewährleisten und dabei den jungen Sportlern auch in etwaigen Zielkonflikten zwischen ihren Interessen und denen des Umfeldes beizustehen.“ In eigenen wissenschaftlichen Erhebungen im Nachwuchsleistungssport durch die Play-Study konnten Dr. Berrsche und sein Team belegen, das gerade in diesen Phasen der Schmerzmittel-Konsum im Nachwuchsbereich analog dem des Erwachsenen im Leistungssport erfolgt. Gravierende Defizite in der Ausbildung für medizinische Fachkräfte Neuen Studien zufolge fühlen sich viele Sportmediziner bei der Bewältigung dieser Probleme überfordert. Rund 26 % der befragten Ärzte wissen nicht, wo Fälle von Missbrauch und Belästigung zu melden sind, und 58 % kennen den zuständigen Verantwortlichen in ihrem Sportverband nicht. Diese Unkenntnis ist besorgniserregend, da sie auf ein mangelndes institutionelles Bewusstsein für die verfügbaren Schutzvorkehrungen hinweist. Darüber hinaus geben 58 % der Ärzte an, keine adäquate Ausbildung zur Erkennung und Behandlung von Missbrauchs- und Belästigungsfällen erhalten zu haben. „Wir brauchen klar definierte Protokolle mit rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen zur Aufhebung der Schweigepflicht bei Verdacht auf Missbrauch“, so Prof. Romain Seil, Vorstandmitglied der GOTS. In diesem Fall könnten Ärzte ohne Angst vor rechtlichen oder beruflichen Konsequenzen handeln. Ein weiteres Hindernis besteht in der mangelnden Klarheit über die Abläufe. Viele Ärzte wissen nicht, wie sie einen Verdachtsfall handhaben sollen und befürchten die Situation falsch einzuschätzen. Die institutionelle Intransparenz fördert eine „Praxis des Schweigens“, die das Wohlbefinden und die Sicherheit der Athleten gefährdet. Eine gewisse Distanz und Würde im Umgang mit den jungen Sportlern ist eine der Forderungen, die die GOTS in einem Expertenmeeting zum Kindersport erarbeitet hat. PD Dr. Lisa Bode, med. Leiterin des Freiburger Nachwuchsleistungszentrums und Mitglied der GOTS, hat zusammengetragen, wie das Safeguarding von Kindern und Jugendlichen organsiert werden kann. Sie sagt: „Wir müssen eine Kultur des Hinsehens schaffen.“ Dies sei keine Frage des Geldes in den Vereinen. Kinder und ihre Eltern sollten darüber informiert und zusätzlich regelmäßig geschult werden, was ein Trainer darf und was nicht. Seit März 2024 erkennt die Europäische Union den Titel des Sportmediziners offiziell als eigenständige Fachrichtung an. Diese Anerkennung stellt einen wichtigen Schritt in der Professionalisierung der Sportmedizin dar und ebnet den Weg für eine bessere Definition der Verantwortlichkeiten und spezifischen Kompetenzen in diesem Bereich. Prof. Martin Engelhardt, Schriftführer der GOTS: „Dazu gehört auch die Fähigkeit, Missbrauchsfälle zu erkennen und in Übereinstimmung mit internationalen Protokollen zu handeln, wobei sensibel mit dem Thema umgegangen und unterschiedliche kulturelle Kontexte berücksichtigt werden müssen“. Damit dies konkrete Auswirkungen hat, erfolgen seit einiger Zeit praktische Maßnahmen. Dies umfasst den Aufbau eines Netzwerks zertifizierter Sportmediziner auf europäischer Ebene, die Behandlung unangemessenen Verhaltens bis hin zu Gewalttaten in den Lehrinhalten und die systematische Integration von Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung in der Prävention in die Ausbildungsprogramme. Dazu kommt die Entwicklung klarer Richtlinien zur Meldung von Missbrauchsfällen. So werden immer mehr Ärzte und Sportmediziner in die Lage versetzt, kompetent auf diesem Feld zu agieren und zu reagieren. Ebenso fordert die GOTS internationale Gesetzgebungen und spezifische Verhaltenskodizes für die Sportmedizin und ist bereit, an deren Entwicklung mitzuarbeiten. Solche Gesetze und verbindlichen Regelwerke, sind unerlässlich, um die Sicherheit und das Wohlbefinden der jungen Athleten zu gewährleisten. Hier ist auch die Politik gefragt.
Kopfverletzungen / Schädel-Hirn-Traumen im Sport und die möglichen Spätfolgen | PM August 2025
In Deutschland erleiden im Schnitt 44.000 Menschen jährlich eine Kopfverletzung im Sport. Trotz ärztlicher Checklisten werden beispielsweise Gehirnerschütterungen häufig übersehen. So gibt es unter anderem viele Beispiele von Fußballern, die nach Zusammenstößen im Kopfball-Duell im Spiel blieben, sich gut fühlten und hinterher keine Erinnerung mehr an das Spiel hatten. Ob Gehirnerschütterung, Schädelprellung oder schwerere Schädel-Hirn-Traumen (SHT) – es gilt unverzüglich eine adäquate Behandlung einzuleiten, da mögliche Spätfolgen gravierend sein können. Welche Folgen das sind, darüber referiert Neurologin und Sportmedizinerin Prof. Dr. Iris Reuter, Oberärztin am Universitätsklinikum Gießen, auf dem 16. Zeulenrodaer Kongress für Orthopädie und Sportorthopädie (ZKOS). Verletzungen am Kopf sind besonders häufig in den Kontaktsportarten, wie zum Beispiel Fußball, Handball, Volleyball, aber auch im American Football und beim Reiten. Bei Letzterem vor allem im Cross-Country, wenn der Reiter über den Pferdehals stürzen runtergeht. Rund 17 Prozent der Eishockey-Spieler erleiden einmal in ihrer Sport-Karriere eine Kopfverletzung und immerhin noch rund 9 Prozent der Basketballer und 6 Prozent der Sportler im Fuß- und Handball. „Schädel-Hirn-Traumen werden heute in 3 Schweregrade eingeteilt“, so Prof. Iris Reuter, „Grad eins entspricht der Gehirnerschütterung, Grad 2 wurde früher Gehirnprellung genannt und Grad 3 wird auch als Gehirnquetschung bezeichnet.“ Die Einteilung erfolgt nach dem „Glasgow Coma Score“, einem klinischem Bewertungsschema für Bewusstseins- und Hirnfunktionsstörungen. „Hiermit wird die Bedeutung der klinischen Untersuchung des Verletzten in den Vordergrund gestellt. Beim Schädel-Hirn-Trauma 1. Grades muss entgegen der landläufigen Meinung keine Bewusstlosigkeit vorliegen. Auch der Athlet, der nicht bewusstlos war, kann eine Schädigung des Gehirns erlitten haben. Tritt eine Bewusstlosigkeit ein, so hält sie maximal ca. 5 min an. Bei einem schwereren Schädel-Hirn-Trauma ist die initiale Bewusstlosigkeit länger und auch die strukturelle Schädigung des Gehirns ausgeprägter bis hin zu Gewebszerreißungen, Blutungen und Hirnödem“, so Reuter. Was geschieht im Gehirn bei einem leichten SHT? Auch bei einem leichten SHT kommt es zur Wasseransammlung, zu Entzündungsprozessen, einer Störung der Ionenkanäle und der Energiegewinnung der Zellen. All dies führt zu einer Funktionsstörung der Nervenzellen. Diese Störungen halten bis zu 10 Tage an. Aus diesem Grund sollte man 10 Tage nach einer Schädel-Verletzung zum Beispiel auch keine Prüfung schreiben. Und auch Sportler – selbst, wenn sie sagen, es sei alles in Ordnung – sollten pausieren. Denn durch das erkrankte Gehirn ist auch die Koordination gestört, wodurch sich Sportler bei schnellem Wiedereinstieg häufiger an Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken verletzen. Beim Bergsteigen sorgen immer wieder Steinschläge für schwere Gehirn-Verletzungen. Selbst kleine Steine entwickeln eine riesige Wucht, wenn sie aus mehreren Hundert Metern Höhe herabfallen. Sehr oft endet ein Steinschlag gegen den Kopf – selbst mit Helm – tödlich, wie zuletzt bei der weltbekannten Biathletin und erfahrenen Bergkletterin Laura Dahlmeier. Von den meisten typischen Schädel-Hirn-Traumen (75% leichte SHT) erholen sich Betroffene innerhalb von 2-3 Wochen. 10 bis 16 Prozent der Patienten jedoch entwickeln das sogenannte „Post-Concussion Syndrom“ und haben noch über 4 Wochen hinaus mit Übelkeit, Schwindel, Schlaf-Beeinträchtigungen und Kopfschmerzen zu tun. Das Syndrom äußert sich zusätzlich in herabgesetzter Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit, Betroffene können Dinge nicht genau genug oder nicht in der richtigen Reihenfolge ausführen. Einige Patienten haben auch 1 Jahr nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma noch Symptome. Bei schweren Schädel-Hirn-Traumen sind Rehabilitationsprozesse über mehrere Monate eher die Regel, teilweise kommt es zu irreversiblen Funktionsausfällen. Kognitiv schneiden diese Personen im Schnitt schlechter ab als Vergleichsgruppen. Geringere Belastbarkeit und Konzentration, Ängste und Depressionen, Schlafstörungen Bei wiederholten Kopfverletzungen, wie sie beispielsweise bei Kontaktsportarten auftreten können, kann es zur chronisch traumatischen Enzephalopathie kommen. Sie geht mit einer Schädigung und fortschreitender Degeneration von Nervenzellen einher. Zusätzlich können sich Tau-Proteine im Gehirn einlagern. Im MRT sind auch geringe Veränderungen des Gehirns nach einem SHT meistens eindeutig zu sehen. „Auch bei leichten Schädel-Hirn-Traumen kann man im MRT mit einer speziellen Aufnahmetechnik, der Tensor Imaging Technik, feine Veränderungen der Nervenzellausläufer sichtbar machen“, sagt die Expertin. Durch diese Technik können die sogenannten diffusen axonalen Verletzungen, die auch beim leichten Schädel-Hirn-Trauma vorkommen und für den Verlauf entscheidend sind, diagnostiziert werden. Die Veränderungen im MRT zeigen sich häufig länger, als klinisch vermutet und zeigen noch eine gewisse Vulnerabilität an. Reuter: „Angehörige, Freunde und Arbeitskollegen bemerken bei Patienten mit verzögerter Erholung nach einem Schädel-Hirn-Trauma häufig emotionale Veränderungen, eine verminderte Belastbarkeit, Ängste und Depressionen, Schlafstörungen und ein Sich-nicht-konzentrieren-können. Einst starke Menschen werden mitunter weinerlich, sind völlig aus dem Leben gerissen.“ In diesem Falle sollte wiederholt eine Diagnostik mit dem MRT erfolgen, die Person muss komplett aus der Belastung genommen werden oder auch psychologisch betreut werden. Bei Vorschädigungen wirken Kopfverletzungen umso schlimmer. Hierbei sind bei rund 30 Prozent der Betroffenen nach vier Monaten immer noch Auffälligkeiten im MRT zu sehen. Es muss aber nicht immer nur der aktive Sport sein, der zu Schädel-Hirn-Traumen führt. Besonders häufig sehen Frau Prof. Reuter und ihre Kollegen Kopfverletzungen bei Radfahrern. Da ist es egal, ob sportlich mit dem Rennrad oder einfach nur mit dem Holland-Rad zur Arbeit: wer kopfüber über den Lenker fällt, hat hohe Risiken für eine Gehirnverletzung. Diese muss, um Folgeschäden zu vermeiden, IMMER genügend Zeit haben, auszuheilen.
Outdoor-Sport: Das ist wichtig bei starker Hitze und hoher UV-Belastung | PM August 2025
Bewegung und Sport sind auch bei Hitze wichtig. Doch was müssen Sportler bei Extrem-Temperaturen und hoher UV-Belastung beachten? Darüber referiert Prof. Dr. Swen Malte John, Leiter der Abteilung Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitswissenschaften der Universität Osnabrück, auf dem 16. Zeulenrodaer Kongress für Orthopädie und Sportorthopädie (ZKOS). „Grundsätzlich ist die UV-Belastung in unseren Breiten mit 85 Prozent zwischen 11 und 16 Uhr am höchsten. An manchen Tagen gilt für die Hitze-Ausbreitung Ähnliches, wenngleich die Infrarotstrahlung insgesamt durchaus anders über den Tag verteilt ist. Dieser Zeitraum ist für eine sportliche Betätigung tunlichst zu vermeiden“, sagt Prof. John. Selbst im Schatten gibt es noch einen gewissen Grad an UV-Streustrahlung. Besser ist es, den Sport früh morgens oder am Abend in den Tagesablauf zu integrieren. An Extremtagen (ab 25 Grad und ab einem UV-Index von 3) ist ein Lichtschutz unabdingbar. Unter dünner, atmungsaktiver Kleidung sollten sich Sportler mit einem Sonnenschutz von 50+ einreiben. Wichtig ist auch eine Kopfbedeckung mit Nacken- und Ohrenschutz. Zusätzlich gilt es, sehr viel zu trinken. Selbst bei einer Walking- oder Joggingrunde von einer bis anderthalb Stunden sollte dann die Wasserflasche dabei sein. Außerdem müssen hinterher gezielt die Elektrolytverluste ausgeglichen werden. Jeder muss selbst auch auf seine Vorerkrankungen und individuellen Probleme mehr als sonst achten. Besonders betroffen sind lange Ausdauersportarten, wie Laufen, Radfahren, Triathlon. Aber auch im Tennis und beim Fußball ist die Hitze-Prävention unerlässlich. Beim Schwimmen ist zu beachten, dass die UV-Strahlung auch durch die Wasseroberfläche dringt. Bei starkem Schwitzen und einer Dusche nach dem Sport, sollte sich jeder anschließend eincremen und seine Haut auf diese Weise rückfetten. Dies ist wichtig, um eine gesunde Hautbarriere zu erhalten und Infektionskrankheiten zu vermeiden. Haut-Infektionen, wie verschiedene Pilzarten und bakterielle Infektionen sind bei Sportlern in der warmen Jahreszeit nach starkem Schwitzen nicht selten. Jedes Jahr 10 Prozent mehr Hautkrebserkrankungen – Es gibt keine gesunde Bräune Nicht zuletzt beugen diese Maßnahmen auch dem Hautkrebs vor. Jedes Jahr gibt es in Deutschland einen Zuwachs von rund 10 Prozent an Hautkrebserkrankungen. Die UV-Strahlung in Deutschland wird messbar höher und hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt. John: „Während in den 90er Jahren in Deutschland noch 130 Standard Erythem Dosen (SED; 1SED=100 J/m²) pro Jahr auf einen Menschen wirkten, sind es jetzt 260 SED“. Selbst bei voller Bewölkung kommen im Schnitt noch 70 Prozent der UV-Strahlen durch. Erste Rötungen sind dringende Vorboten. Es gibt keine gesunde Bräune, so der Experte, wenn der Körper braun wird, signalisiert er damit, dass er mit gefährlicher Strahlung beschossen wird. Und John geht sogar noch einen Schritt weiter: „Die braun gebrannte Schönheitskönigin von heute ist die Backpflaume von morgen.“ Denn kollagene und elastische Fasern der Lederhaut werden zunehmend zerstört, eine schnellere Faltenbildung setzt ein. Langfristig droht insbesondere heller Hautkrebs bei chronischer UV-Exposition: das Plattenepithel- und Basalzell-Karzinom. Schulsport auf vor 11 Uhr verlagern Prof. John plädiert dringend dafür, den Schulsport bei solchen Extrem-Wetter-Lagen in die Morgenstunden zu verlagern. Und auch Manager und Verantwortliche von Sportveranstaltungen sollten für ihr Event die fünf Stunden zwischen 11 und 16 Uhr bei solchen Bedingungen meiden.
Wie hängt die „stille Entzündung“ mit dem Sport, der Darm-Flora und Mikronährstoffen zusammen? | PM Juli 2025
Durch eine gestörte Mikroflora im Darm kann es zu vermehrtem Auftreten von Allergien und anderen Reaktionen des Immunsystems kommen. Ebenso sieht man eine Korrelation zu höherem Aufkommen von Autoimmunerkrankungen. All dies und die gestörte Darmschleimhautbarriere können die Resorption von Nährstoffen beeinträchtigen und zu Leistungsschwäche beitragen. Deshalb ist es wichtig, im Sport im Kontext der Gesundheitsförderung auf den Darm und die Ernährung zu achten. Wie stille Entzündungen mit dem Sport, der Darm-Flora und der Ernährung zusammenhängen, darüber referiert Gast-Prof. Dr. Werner Seebauer, Dozent für Präventionsmedizin mit Focus auf Sporternährung, auf dem 16. Zeulenrodaer Kongress für Orthopädie und Sportorthopädie (ZKOS). „Im Sport hat man einen höheren Sauerstoff-Umsatz und ein Teil davon wird zu Sauerstoff-Radikalen. Können diese nicht kompensiert werden, entsteht oxidativer Stress. Dieser kann Schäden an den Zellen begünstigen, und es können ‚stille Entzündungen‘ entstehen – wie beispielsweise am Arterien-Endothel und in der Darmschleimhaut. Von diesen Prozessen bemerkt man zunächst nichts, weshalb sie ‚silent inflammation‘ genannt werden. Zwischen Entzündungen und ‚oxidativem Stress‘ gibt es sich gegenseitig fördernde Prozesse“, so Dr. Seebauer. Manche Defizite und Erkrankungen entwickeln sich langsam Die Mikroflora im Darm hat nun aber auch ihrerseits Einfluss auf die Integrität der Darmschleimhaut. Wenn die Darmschleimhaut als natürliche Schutzbarriere gestört ist, können einige Nährstoffe schlechter aufgenommen oder manche Nahrungsbestandteile wie Laktose, Fruktose, etc. schlechter toleriert werden. In bestimmten Bereichen kann die Versorgung schlechter werden, wie beispielsweise bei natürlichen Antioxidantien wie Vitaminen und Sekundären Pflanzenstoffen (z. B. Flavonoiden und Karotinoiden), oder auch bei wichtigen Amino- oder Fettsäuren. „Epidemiologische Studien zeigen in Verbindung mit der gestörten Darmflora eine höhere Prävalenz von Allergien und auch Autoimmunerkrankungen. Einige ursächlich beteiligte Faktoren diesbezüglich sind gut erforscht.“ Präventiv sollte jeder, insbesondere Sportler, die höherem oxidativen Stress unterliegen, auf eine äußerst ausgewogene Ernährung achten. Für die „Symbiose der Darmflora und die Vermeidung einer Dysbiose“ ist es wichtig auf die sogenannten Ballaststoffe (lösliche und nicht lösliche ~) zu achten. „Salate und fermentierte Lebensmittel, die eine Milchsäuregärung durchlaufen haben, tragen besonders zur Förderung einer gesunden Darmflora bei. Allerdings spielen viele weitere Faktoren eine entscheidende Rolle. Die Zusammenhänge sind komplexer, als oft angenommen wird“, erklärt Dr. Seebauer. Er weist darauf hin, dass wir bei der Optimierung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit die Interaktionen des gesamten biologischen Systems berücksichtigen sollten, da ein einseitiger Fokus auf ein einzelnes System nicht ausreicht. In der Ernährungswissenschaft und Präventionsmedizin werden diese Themen daher in umfassenden Studiengängen behandelt. In Seminaren wie dem ZKOS-Kongress bietet Seebauer jedoch bereits wertvolle Einblicke.
Wirbelsäulen-Verletzungen und Rückenschmerz: können Bandagen und Orthesen helfen? | PM Juli 2025
Bei konservativ zu behandelnden Verletzungen und Brüchen an der Wirbelsäule gibt es bislang wenig Evidenz für Hilfsmittel wie Bandagen und Orthesen. Warum trotzdem ein sehr großes Potenzial in ihnen liegt und was dabei differenziert zu betrachten ist, darüber referiert Prof. Dr. med. Bernd Greitemann, Orthopäde und Sportmediziner (Bad Rothenfelde) auf dem 16. Zeulenrodaer Kongress für Orthopädie und Sportorthopädie (ZKOS). Eine Hauptgruppe Betroffener, denen bestimmte Orthesen gut helfen, sind Menschen ab 60/65 Jahren mit Osteoporose-Brüchen (Sinterungsfrakturen). „Zwar heilt der Bruch durch die Orthese nicht schneller, aber den Patienten wird besser der Schmerz genommen“, so Prof. Greitemann. Durch eine spezielle Drei-Punkt-Abstützung erfolgt eine Haltungsaufrichtung und damit eine Entlastung der Strukturen. Die Betroffenen können sich besser bewegen und fallen durch das aufrechte Gehen nicht in fehlerhafte Haltungs-Muster. Alle zwei Wochen sollte hierbei der Heilungsfortschritt vom Arzt kontrolliert werden. Wird es schlimmer, muss doch noch eine Stabilisierungs-OP erfolgen. Wenn nicht, können die Patienten meist nach drei Monaten die Orthese wieder zur Seite legen. Eine weitere Gruppe, denen Bandagen und Orthesen helfen, sind ältere Menschen, die beim Laufen nach vorn fallen. Sie neigen häufiger zu Stürzen, was wiederum Frakturen mit sich bringt. Auch hier kann häufig mit aufrichtenden Orthesen konservativ sehr gut behandelt werden. Eine dritte Gruppe sind Menschen aus allen Altersgruppen, die sich mit chronischen Rückenschmerzen in der unteren Lendenwirbelsäule plagen. Dass es hier für die Hilfsmittel keine ausreichende Evidenz gibt, liegt daran, dass sich immer noch zu wenige Mediziner mit Orthesen auskennen und deren biomechanische Wirkprinzipien nicht kennen. So gibt es häufig falsche Verordnungen, zum Beispiel einfach Rückengürtel, wo eigentlich entlordosierende Orthesen benötigt würden. Oder auch Orthesen, wo die Stützpelotten an völlig falschen Punkten sitzen. Greitemann betont, wie wichtig die Genauigkeit der Verordnung bei dem großen Portfolio an modernen Bandagen und Orthesen ist. Seit Fazit: das große Potenzial dieser Hilfsmittel ist lange nicht ausgeschöpft. Die konservative Ausbildung der Orthopäden muss dringend intensiviert werden. Je nach Ursache die spezielle Orthese Ob Orthesen oder Bandagen, rein flexible, mit Rückenpelotte oder Seitenstützen. Grundsätzlich gilt: je mehr die Ursache im Muskel zu finden ist, desto weicher und flexibler muss die Unterstützung sein. Im Gegensatz zu knöchernen Ursachen, wo Festigkeit gefragt ist. Laien, die sich selbst für ihren Sport oder für den Alltag eine Bandage oder Orthese anschaffen wollen, rät er, dies nicht sofort und ohne Beratung im Internet zu tun. Man braucht einen guten Orthopäden, der nach dem Wirkprinzip des Heilmittels und nach dem Ziel, welches erreicht werden soll, gefragt werden muss. Das Gleiche gilt für Sanitätshäuser, deren Mitarbeiter exakt die spezielle Wirkung erklären können müssen.
Verletzungen und Überlastungsschäden im Volleyball und Beachvolleyball | PM Juli 2025
Rund 437.000 Menschen spielen in Deutschland im Verein aktiv Volleyball. Und: in kaum einer anderen Sportart ist das Gleichgewicht zwischen Frauen und Männern so ausgeglichen wie hier. Trotz Prävention kommt es häufig zu Verletzungen und Überlastungen von Bändern, Sehnen, Gelenken. Welche jeweils besonders typisch für Volley- oder Beachvolleyball sind, darüber referiert Dr. Reinhard Schmidt, Orthopäde und Sportmediziner, Ordination Baden bei Wien, auf dem 16. Zeulenrodaer Kongress für Orthopädie und Sportorthopädie (ZKOS). „Wegen der engen Interaktion am Netz ist beim Hallen-Volleyball am häufigsten das Sprunggelenk betroffen. Die Spieler knicken oft um, die Folge sind Bandverletzungen wie Zerrungen oder gar Bänder-Risse“, so Dr. Schmidt. Außerdem kommt es im Hallenvolleyball zu relativ viele Fingerverletzungen. Vor allem beim Block aber auch bei der Verteidigung von oben besteht ein Risiko. Der harte Aufprall des Balles oder der Gegnerkontakt hinterlässt Kapselbandverletzungen bis hin zu Frakturen. Im Beach-Volleyball hingegen, wo nur zwei gegen zwei Spieler antreten, gibt es weniger Kontakte am Netz. „Hier sehen wir dafür anteilsmäßig mehr Knieverletzungen und Knieüberlastungen“, sagt der Experte. Oft sind es das vordere Kreuzband oder die Seitenbänder bei akuten Verletzungen und das sogenannte ‚Jumpers Knee‘ als Überlastung des Knies. Ein Grund dafür kann unter anderem der weichere Untergrund (Sand) sein, in welchem das Knie „stehenbleibt“, während der Körper weiter rotiert. Eine zweite Baustelle im Beachvolleyball sind Überlastungen der Schultern. Der Bizepssehnen-Anker kann wegen der hohen Intensität an Angriffsschlägen beim Beachen durch Überlastung einreißen. Davon sind alle Altersgruppen bei den Athleten gleichmäßig betroffen. Während die Verletzungen im Hallen-Volleyball an Sprunggelenk und Fingern meist konservativ behandelt werden können, muss bei Knie- und Schulterverletzungen im Beachvolleyball oft operiert werden, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Insgesamt ist die Literatur leider uneinheitlich, aber pauschal und aus Erfahrung betrachtet treten wohl die meisten Verletzungen nicht bei Anfängern und auch nicht die Profi-Spieler auf, sondern, so Schmidt, bei „eher übermotivierten Halbprofis“. Eine Prävention in Form von Tapes, Bandagen und speziellen Übungen wirkt für Sprunggelenk, Knie und Finger hervorragend. Schulterüberlastungen hingegen kann man kaum vermeiden. Reinhard Schmidt: „Die Schulter ist für diese Belastung eben nicht gemacht.“ Zum Kongress