Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin

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Chronische Instabilität des oberen Sprunggelenkes – objektives Testverfahren für Jedermann? | PM Mai 23

Ob im Fußball, beim Eishockey oder einfach auch nur mal beim Wandern, ein Reingrätschen, ein Wegrutschen oder ein falscher Tritt kann den Fuß so stark umknicken lassen, dass Bänder am Sprunggelenk anreißen oder gar ganz durchreißen. Ist der Heilungsverlauf hinterher nicht optimal, kann es passieren, dass man bei bestimmten Bewegungen immer wieder umknickt oder auch fortwährend eine Instabilität empfindet. Wie die Ärzte herausfinden, woran es hakt, was dann zu tun ist und wie bestimmte Tests für jeden betroffenen Sportler Anwendung finden müssen, darüber referiert PD Dr. med. Jochen Paul, Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie und Experte der GOTS auf dem 38. Jahreskongress in Luxemburg. Am häufigsten ziehen sich junge Männer in Kontakt- und schnellen Stopp-and-Go-Sportarten entsprechende Bänderverletzungen zu. Um die Verletzungen zu bewerten, werden längst nicht mehr nur bildgebende Verfahren, wie Röntgen oder MRT zu Rate gezogen. „Ein Hauptaugenmerk“, so der Sportmediziner, „liegt vor allem auch auf den funktionellen Tests.“ Die Patienten werden dafür auf eine „Wackel-Platte“ gestellt. Moderne Geräte messen genauestens, wie stabil das Sprunggelenk ist. Diese objektiven Untersuchungswerte sind wichtig, wenn es um die Entscheidung für eine Therapie geht. Zusätzlich kann eine Laufanalyse auf einem speziellen Laufband durchgeführt werden. Drucksensoren messen hier, wie der Sportler/Patient belastet und abdrückt. Bislang sind diese Arten der funktionellen Tests jedoch spezialisierten Zentren vorbehalten. Die Herausforderung ist nun, dass auch orthopädische Praxen den Betroffenen solche Verfahren anbieten können, so Paul. Denn die objektiven Testwerte ergeben einen Algorithmus, der entscheidend dafür ist, wie der Patient am besten behandelt wird. Die meisten Sprunggelenk-Instabilitäten können mit einer speziellen Physiotherapie sehr gut behandelt werden. Nur wenige bedürfen einer operativen Versorgung. ¡ PD Dr. Jochen Paul betreut als Verbandsarzt den Schweizer Landhockeyverband. Er ist Spezialist für Knorpelverletzungen am Knie- und Sprunggelenk und leitender Arzt an der Rennbahnklinik Basel. Die klinischen Schwerpunkte liegen in der Behandlung von Freizeit – und Leitungssportlern aller Niveaustufen, national und international. ¡ Die GOTS ist der größte Zusammenschluss von Sportorthopäden in Europa. Sie ist Garant für Seriosität, Kompetenz, Erfahrung sowie Beratungsstärke und Qualität in der Versorgung von Sportverletzungen.

Schmerz als Symbol für Disziplin und Hingabe? Tanzen bei Kindern und Jugendlichen: Knallhart, mit vielen chronischen Verletzungen und bleibenden Schäden | PM Mai 2023

Tanzen – egal ob als Freizeit- oder Profisport – wird oft als reine Kunstform betrachtet: schön aussehen, gelenkig sein und auf der Bühne/am Parkett eine gute Figur abgeben. Doch die Tanzmedizin spricht andere Bände. Tanzen ist ein knallharter Hochleistungssport, bei dem das Risiko von Verletzungen sehr hoch ist. Wie hoch wirklich, welche Risiken es gibt und warum diese physisch und psychisch immer noch oft zu bleibenden Schäden im Leben führen – darüber referiert Judith-Elisa Kaufmann, Tanzwissenschaftlerin und internationale Universitäts-Dozentin, auf dem 38. Jahreskongress der GOTS in Luxemburg. Kaufmann hat umfangreiches Datenmaterial aus Studien zu muskuloskelettalen Verletzungen von Kindern und Jugendlichen im Tanz ausgewertet. Zum einen im Bühnentanz, wie zum Beispiel Ballett, Jazztanz, Stepptanz. Zum anderen im Tanzsport wie Standard oder Latein. Inkludiert waren sowohl Freizeit- als auch Profitänzer. Bei Jugendlichen zwischen 9 und 18 Jahren in der Berufsausbildung finden sich Verletzungsraten zwischen 0.77 und 4.71 Verletzungen pro 1000 Trainingsstunden. Mit 1,38 Verletzungen auf 1000 Stunden Training dokumentiert eine prospektive Studie zur Berufsausbildung im klassischen Ballett ein Verletzungsrisiko von 76 Prozent während eines Schuljahres. Eine weitere beschreibt bei Knaben 5,5 Verletzungen pro 1000 Stunden Training, bei Mädchen 2,6 Verletzungen Alter von 15 Jahren. Im Freizeitsport Tanz sieht es nicht besser aus. Von 1336 ärztlich untersuchten Kindern im Alter zwischen 8 und 16 Jahren, die Ballett, Jazz und Modernen Tanz trainierten, wiesen 42,6 Prozent Verletzungen auf. Bei den Jüngeren (8–10-Jährige) sind es vor allem Tendopathien (chronisch/Überlastungsverletzung) am hinteren Knöchel, Gelenksverletzungen, Entzündungen, Schmerzen im unteren Rücken und Verletzungen an der Wirbelsäule. Bei den älteren Kindern ab 14 Jahren verschieben sich die Verletzungsschwerpunkte vom Fuß auch zum Knie und zur Wirbelsäule. Erschreckend hierbei ist, dass die chronischen Verletzungen und Überlastungen mit 60-90 Prozent auch bei Jugendlichen dominieren. „Dies müsste nicht sein, wenn es nicht das alte Klischee gäbe, durch die Verletzung durcharbeiten zu müssen. Noch gibt es in der Tanzwelt eine Art Athletenidentität: Schmerzen und Verletzungen gehören dazu. Je mehr du trotz Verletzung und Überlastung schaffst, desto besser bist du angesehen“, so Kaufmann. Schmerz ist über Jahrzehnte in der Tanzwelt zum Symbol für Disziplin und Hingabe geworden, sagt sie. Jedoch ist keine Änderung in Sicht, wenn „Tänzer schon als Kinder lernen, weiterzumachen – trotz Verletzung“. Sogar im Freizeitsport hat sich dieser Ansatz vielerorts etabliert: Weitermachen, Zähne zusammenbeißen, Schmerz als Motivation und Maßstab für Leistung sehen. Dieses traditonsverankerte Denken von Trainern, Lehrern, der Gesellschaft und den Tänzern selbst gilt es zu durchbrechen, nicht nur um Verletzungen vorzubeugen, sondern auch um Leistung und Wohlbefinden zu steigern. Intuitiv würde jedes Kind sagen: „Aua, bitte Stopp, da tut was weh“. Normalerweise sucht jeder die Heilung. „Wenn dieser intuitiv-gesunde Weg jedoch Konsequenzen nach sich zieht – vom Schief-Angesehen werden bis zum Rauswurf aus Schulen oder Vereinen – läuft hier was falsch“, mahnt die Wissenschaftlerin. „Das macht im Gehirn was mit den Tänzern, es erzieht zu falschem Umgang mit Schmerz, falscher, kontraintuitiver Schmerzwahrnehmung und somit gefährlicher Interpretation von tänzerischer Disziplin und Zielsetzung.“ Viele Profi-Tänzer trauen sich nicht einmal, anonym an Studien zu Schmerz und Verletzung teilzunehmen aus Angst, ihre Antworten könnten von Arbeitgebern und Lehrern eingesehen werden. Kaufmann betont die Wichtigkeit, Tänzer nicht nur als Künstler, sondern auch als Athleten anzusehen. „Es geht nicht darum, schön dünn und hübsch zu sein, sondern mit ausgewogener Ernährung die notwendige Fitness und Kraft für die zu erbringende künstlerische Hochleistung zu haben.  Nur über evidenz-basierte gezielte Trainingsplanung kann die richtige Art von Leistungssteigerung und eine umfangreiche Verletzungsprävention etabliert werden. Neben den bleibenden körperlichen Schäden durch Verletzungen und Verschleiß wirkt die psychische Komponente so stark, dass viele ehemalige Tänzer zeitlebens übermäßig auf Gewicht und Aussehen achten, sich vergleichen müssen und es immer wieder anderen Menschen recht machen wollen, um Leistung zu zeigen, nicht anzuecken, geliebt zu werden. Am Herzen liegt Judith-Elisa Kaufmann deshalb auch die Aufklärung des Publikums, der Medien und der Politik: „Will man da wirklich ganz dünne Tänzer sehen, von denen einige gerade unter Schmerzen und mit niedrigem Selbstkonzept einen Kunstgenuss darbieten? Oder sollen es in Zukunft  junge Sportler sein, die fit und voller Selbstvertrauen sind, Verletzungen vorbeugen oder auch die Zeit bekommen und sich nehmen, diese gewissenhaft auszukurieren?“

Laufen Sie mit! GOTS Charity-Run – 3 km – für die Sherpa Nepalhilfe | 38. GOTS Kongress, 15.-17. Juni 23, in Luxemburg

Laufen Sie mit! Am Samstagmorgen, den 17.06.2023 um 07:00 Uhr startet ab dem Parc Hotel Alvisse der GOTS Charity-Run mit einer 3 km langen Strecke. Der Charity-Run sammelt eine Startgebühr von 10,-€ für alle Läufer ein und spendet diese einem wohltätigen-regionalen Projekt. In Luxemburg gehen die Startgebühr und die Spenden an die Organisation Sherpa Nepalhilfe. Run with us! On Saturday morning, 17.06.2023 at 07:00, the GOTS Charity-Run will start from Parc Hotel Alvisse with a 3 km route. The Charity-Run collects a fee of 10,-€ for all runners and donates it to a charitable regional project. In Luxembourg, the donations go to the Sherpa Nepalhilfe organisation.

Triathlet Jan Frodeno auf dem 38. Jahreskongress der GOTS | 15. bis 17. Juni in Luxemburg

Freuen Sie sich auf Jan Frodeno! Zu unserem Kongress im Juni dürfen wir Triathlet Jan Frodeno begrüßen! Als Erster gewann er sowohl die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen als auch den Titel beim Ironman Hawaii. Wir freuen uns auf spannende Gespräche mit ihm! Treffen Sie ihn am Freitag, 16.06.2023 in der Sitzung: Internationale Top-Athlet*innen.

„Mount Everest – Faszination, Tragödie, Freude“

Auf dem 38. Kongress der GOTS wird Dr. med. Matthias Baumann einen Sondervortrag halten. Der Chefarzt der Unfallchirurgie, Orthopädie und Sporttraumatologie an der SRH-Klinik Sigmaringen (Lehrkrankenhaus Universität Tübingen) ist Leitender Verbandsarzt des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Präsident der Medizinischen Kommission der Radweltverbandes (UCI) und war betreuender Arzt der deutschen Olympiamannschaft bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 und Tokio 2021. Seit 9 Jahren setzt er sich aktiv und mit viel Aufwand für die Sherpa-Hilfe und die medizinische Versorgung im Himalaya ein. Baumann hat viele Expeditionen als Arzt begleitet und berichtet auf dem GOTS-Kongress von seinen Erfahrungen als Bergsteiger und Expeditionsarzt am Mount Everest. Dort wurde er Augenzeuge der Lawinenkatastrophe 2014. Er organisierte die medizinische Versorgung der Verletzten und besuchte anschließend alle Frauen und Kinder der verstorbenen Sherpas. Im April 2015 reiste Baumann direkt nach dem Erdbeben nach Nepal und leistete als Unfallchirurg Katastrophenhilfe. Zur Unterstützung der Bergbevölkerung Nepals gründete er die „Sherpa Nepalhilfe.“ Die Sherpa Nepalhilfe hat bereits 3 Schulen und ein Gemeindehaus in Nepal erbaut. Im Jahre 2022 wurde das „Himalayan Sherpa Hospital“ im Everestgebiet eröffnet.

Studie zur Prävention von Missbrauch im Sport

Dear sports medicine physician, In recent years, harassment and abuse in sports have become more widely recognized. Various organizations in sports, such as the International Olympic Committee (IOC), are introducing strategies to safeguard athletes from harassment and abuse. Sports medicine physicians are uniquely situated to prevent harassment and abuse due to their close relationship with athletes. However, no published studies examine their knowledge, training or competence. The #WhatWouldYouDo? research study targets this knowledge gap to better understand the role of the sports and exercise medicine physician in preventing harassment and abuse in sports and ultimately to equip clinicians with the necessary knowledge and skills to enhance athlete health, well-being and safety. How can you help? Sports and exercise physicians (e.g., orthopaedic surgeon, internal medicine, family physician, pediatrician, emergency medicine, sports medicine physician who works with individuals who identify as athletes) looking after one or more athletes at the National, elite/ International and/or World Class levels are asked to answer a short, online, anonymized survey about their knowledge and experience in identifying and managing harassment and abuse in sport. Study Objectives and Outcomes  This research study aims to gain insight into the knowledge, attitudes, beliefs, level of training and clinical competence of sports medicine physicians in managing athletes who have experienced harassment and abuse in sports. This data will be used to create strategies to prevent harassment and abuse in sports, such as identifying gaps in knowledge among the sports medicine physician community and creating targeted education. Ultimately, improving the responses of sport medicine physicians to harassment and abuse has numerous benefits to athlete health by decreasing injury and illnesses and improving mental health during their sports career and following retirement. Beyond athlete health benefits, we believe there may also be improved performance, athlete satisfaction/pleasure, participation rates and lowered early retirement from the sport. Confidentiality   Please be assured that all the information provided in this anonymized survey will be kept confidential. Data collected in this study will be stored securely and will not be accessible to anyone outside the research team. Your responses will remain anonymous. You are free to withdraw from the study at any time during the survey without penalty, even after your consent has been given and the project has commenced. Possible Risks  There is no anticipated risk to you for completing this survey. Should you have concerns about the survey content or are triggered by the content, please find a local helpline in your country via  https://findahelpline.com/ Ethical Approval  This study has been reviewed by the Hamilton Integrated Research Ethics Board, Canada (HiREB#15894). The HIREB is responsible for ensuring that participants are informed of the risks associated with the research, and that participants are free to decide if participation is right for them. If you have any questions about your rights as a research participant, please call the Office of the Chair, Hamilton Integrated Research Ethics Board at 905.521.2100 x 42013.   Completion of the survey will imply informed consent.   Access the survey at the following link and tell us,  #WhatWouldYouDo: https://thomasmore.questionpro.eu/WWYD   Please reach out to me if you have any questions. Thanks for your willingness to participate in this important project.   Respectfully,     Tine Vertommen, PhDCriminologist Thomas More  | University of Applied SciencesPrevention and Empowerment Research Unit Campus Sanderus  | Molenstraat 8  | 2018 Antwerp  | Belgium + 32 494 12 95 45www.thomasmore.be/en/welcome

Mit Alkohol und Schmerzmitteln zum Golfen auf den Platz | PM Mai 2023

Nahrungsergänzungsmittel, Schmerzmittel und Alkohol – deutsche Amateurgolfer greifen recht häufig zu Substanzen, die ihnen im Sport eher schaden als nutzen können. Welche das sind und warum die Sportler das tun, darüber referiert Bianca Werdelmann, Master of Sc. Sportphysiotherapie und Doktorandin an der Deutschen Sporthochschule Köln auf dem 38. GOTS-Jahreskongress in Luxemburg. Beim Thema Doping gab es bislang eine große Forschungslücke im Golfsport. Bianca Werdelmann, die in ihrer Freizeit selbst aktiv Golf spielt, hat im Rahmen ihrer Masterarbeit eine bundesweite online Umfrage durchgeführt. Die Erhebung ergab insgesamt 877 vollständig beantwortete Fragebögen. Das Handicap (Spielpotential) der Teilnehmer lag zwischen 0 (sehr guter Amateurspieler) und 54 (Anfängereinstufung) und betrug durchschnittlich 23,3. Die Auswertung zeigt, dass 40,1 % der Befragten beim Golfen Nahrungsergänzungsmittel konsumieren. Unter den Teilnehmern an Golfturnieren waren es sogar 43,0 %. Die Mehrheit der Golfer (75 %) konsumiert Vitamine, gefolgt von Proteinen (32,95 %). Einnahmegründe sind: 1. Gesunderhaltung, 2. Unterstützung der Regeneration, 3.  Vorbeugen von Verletzungen und Krankheiten,  4. Kompensation von unausgewogener Ernährung, 5.  Leistungssteigerung sowie 6. Behandlung von Krankheit. Richtig erschreckend wurde es beim Thema Schmerzmittel. „Ein Drittel der Befragten gab an, diese rein prophylaktisch einzunehmen“, berichtet Werdelmann. Es konnte festgestellt werden, dass 46,6 % der Golfer Schmerzmittel konsumieren. Im Zusammenhang mit der Teilnahme an Golfturnieren steigt der Konsum von Schmerzmitteln (52,1 %) deutlich an. Die Mehrheit der Golfer (95,60 %) greifen zu Schmerzmitteln wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure und Ibuprofen. Einnahmegründe sind dabei die Behandlung von akuten Schmerzen, die Verbesserung der Beweglichkeit, die Schmerzprävention, Unterstützung der Regeneration und Leistungssteigerung. „Die beobachtete Konsumhäufigkeit von Schmerzmitteln der befragten Golfer ist alarmierend, da dies zu gesundheitlichen Langzeitschäden führen kann“, berichtet Werdelmann. Bei Alkohol zeigt die Auswertung, dass 40,4 % der Teilnehmer im Golfsport Alkohol konsumieren. Bei der Teilnahme an Turnieren steigt der Konsum von Alkohol (47,2 %) sogar an. Am meisten konsumiert wird Bier, gefolgt von Sekt. Danach rangieren schon die Spirituosen. Getrunken wird aber nicht etwa erst hinterher, sondern meist direkt, während der Ausübung des Sports. Die Mehrheit der Golfer gab Geselligkeit als Grund für den Alkoholkonsum an. Am zweithäufigsten wurde „Lockerheit“ genannt. Zum Vergleich: in der Sportart Bogenschießen ist Alkohol strikt verboten. Bogenschießen unter Alkoholeinfluss erhöht das Sicherheitsrisiko. Der Konsum „verunreinigter“ Nahrungsergänzungsmittel kann zu einem unbeabsichtigten Dopingbefund führen. Schmerzmittelkonsum kann bei Sportlern zu Überbelastungen sowie gesundheitlichen Langzeitschäden führen. Beschwerden und Schmerzen sollten stets von medizinischer Seite abgeklärt und keinesfalls in Eigenregie therapiert werden. Neben gesundheitlichen Risiken birgt der Alkoholkonsum auf dem Golfplatz ein erhöhtes Risiko für Unfälle und Verletzungen. Schwere Schädelverletzungen, Augenverletzungen oder Knochenbrüche können durch Golfschläger beim Rückschwung oder durch fehlgeschlagene und querfliegende Golfbälle entstehen. Ein geschlagener Golfball entwickelt hohe Geschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometern (im Schnitt 180 km/h). Dies ist auch der Grund, warum Werdelmann unter der Betreuung ihres Mentors Prof. Dr. Dr. Patrick Diel (Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Mitglied im Zentrum für präventive Dopingforschung) nun im Rahmen ihrer Promotion zu „‚Doping im Golf“ weiterforscht.

Ist die Prävention von Arthrose möglich? | PM Mai 2023

Arthrose ist ein hochgradiger Gelenkverschleiß – häufig im Knie – der normalerweise über das Lebensalter führt, aber gerade bei Sportlern kann dies durch Vorschädigungen früher auftreten. Die Erkrankung bringt deutliche Einschränkungen der Mobilität mit sich. Manchmal wird ein neues, ein künstliches Gelenk nötig. Dies gilt es jedoch, wenn irgend möglich, zu vermeiden. Zu den Ursachen der Arthrose und ob man ihr vorbeugen kann – darüber referiert Prof. Dr. Werner Krutsch, Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie und Experte der GOTS auf dem 38. Jahreskongress in Luxemburg. An erster Stelle der Ursachen für eine spätere Arthrose, stehen bei Sportlern die Verletzungen. Profi-Fußballer beispielsweise, die sich 2- bis 3-mal pro Saison und besonders häufig am Knie verletzen, haben eine sehr hohe Arthrose-Rate schon in jungen Jahren mit 30 bis 35 Jahren – die sogenannte Früharthrose. Doch solche Verletzungen gibt es in allen Spielklassen und in vielen Sportarten, auch im Freizeitsport. Besonders verletzungsträchtig sind hierbei Kontaktsportarten und alle klassischen Richtungswechsel-Sportarten. Aber auch Läufer oder Triathleten können sich durch entsprechende Unfälle Verletzungen am Knie zuziehen. Eine entsprechende Verletzungsprävention durch gezielte Übungsprogramme ist deshalb essenziell und durch wissenschaftliche Studien bereits untersucht. Ist die Verletzung dann trotzdem da, muss sie rechtzeitig und richtig behandelt werden, sonst führt dies später in den meisten Fällen zu einer Arthrose. „Am Knie“, so Krutsch, „lässt sich prinzipiell sehr viel sehr gut reparieren. Für Knorpel, Meniskus, Bänder gibt es sehr gute OP-Verfahren.“ Bei einem Meniskusriss ist es in jungen Jahren sinnvoller, ihn zu nähen und damit zur vollständigen Heilung zu bringen. Ohne diesen Schritt und bei schlechter Heilung muss der Meniskus teilweise, in seltenen Fällen sogar vollständig entfernt werden, was unweigerlich zu verfrühter Arthrose führt. Auch ein Knorpelschaden ist die Vorstufe zu einer Arthrose. Knorpel ist ein nicht heilendes Gewebe. Deshalb kommen hier Ersatzknorpel oder eine Transplantation infrage – alles aus körpereigenem Material und durch eine OP gut zu erreichen Bänder wiederum müssen stabil sein. Wird eine Instabilität nach einer Verletzung nicht behandelt, werden Knorpel und Meniskus geschädigt, was wieder zu Arthrose führen kann. Die Wiederherstellung des Kreuzbandes zum Beispiel, senkt die Arthrose-Rate nachweislich. Besteht später dann doch ein Anfangsstadium der Arthrose, bleiben noch viele Tricks und Kniffe aus der konservativen Therapie, um erst so spät wie möglich zu einem Kunstgelenk zu greifen. Viele dieser Maßnahmen sind im Profi-Sport bewährt und können auch für alle Freizeitsportler angeboten werden.   ¡Prof. Dr. med. Werner Krutsch ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie . Er ist Gesellschafter  der SportDocsFranken in Nürnberg sowie am Universitätsklinikum Regensburg tätig. Außerdem ist Professor Krutsch Mitglied der Medizinischen Kommission des DFB, der AG Medizin der DFL, Vereinsarzt 1. FC Nürnberg und Gründer des „Kreuzbandregister im Deutschen Sport“. ¡ Die GOTS ist der größte Zusammenschluss von Sportorthopäden in Europa. Sie ist Garant für Seriosität, Kompetenz, Erfahrung sowie Beratungsstärke und Qualität in der Versorgung von Sportverletzungen.

Optimieren bis zum Irrsinn? Ethik in der Sportmedizin | PM Mai 2023

Überlastungen, Verletzungen, Unfälle -fast jeden Sportler erwischt es einmal. Während kleine Bagatellen schnell vorüber gehen, steht für die größeren Dinge die Sportmedizin in den Startlöchern. Immer moderner und vielversprechender werden Therapien und OP-Methoden. Doch, so fragen sich auch die Mediziner, was ist ethisch zu vertreten, was nicht? Welche „Versprechungen“ oder Empfehlungen sollte ein Arzt seinem Patienten machen und wann sollte er abraten? Darüber referiert Dr. Philippe Tscholl, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, Traumatologie und Sportmediziner am Uni-Klinikum Genf, Experte der GOTS, auf dem 38. Jahreskongress in Luxemburg. Es geht dabei um die chirurgische und nicht-chirurgische Ethik. Wie weit darf die Chirurgie gehen, damit ein Fußballer möglicherweise noch mitspielen kann. Was nutzt es ihm, wenn er hinterher in seinen 30ern schon eine Hüftprothese braucht, die vielleicht schon vor 50 erstmals ausgewechselt werden muss? Dies kann zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen. „Wir müssen Patienten realitätsnah aufklären“, fordert Tscholl. Nach Kreuzbandrissen beispielsweise schaffen es höchstens 75 Prozent wieder in ihren Sport auf dasselbe Niveau. Auch ein Einsatz künstlicher Gelenke mit 30 oder 40, nur um weiter Tennis spielen zu können, muss abgelehnt werden. Und auch mit chronischen Schmerzen oder Entzündungen zu spielen, kann das „Leben danach“ stark beeinflussen. Das muss den Betroffenen klar vermittelt werden. Doch Athleten stehen oft unter Druck: Verträge, Sponsoren, Berater haben indirekten Einfluss. Im Freizeitsport fordert ebenso vieles seinen Tribut. Wenn einem Jugendlichen mit 18 schon zum zweiten Mal das Kreuzband reißt, geht es nicht nur um die Möglichkeiten, was operationstechnisch machbar ist. Sondern, darum, dass er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit 30 seinen Sport aufgrund von Verschleisserscheinungen an seinem Gelenk nicht mehr ausführen kann. Hier müssen Sportmediziner auch von anderen Zielsetzungen reden oder das Wechseln der Sportart empfehlen. Tscholl: „Der Traum ist nicht geplatzt in dem Moment, wo ich es als Arzt dem Sportler sage, sondern vorher – in dem Moment, wo er sich verletzt hat.“ Das muss man immer vor Augen haben, so der Mediziner. Aber nicht nur das chirurgische Ermöglichen der Leistungsfähigkeit muss hinterfragt werden, sondern auch Medikamenteneinnahmen, Infusionen, Vitamine, Substanzen. „Einige Sportler haben gewisse Formen des Optimierens, die stark fragwürdig sind und denen die Ärzte mit ihrem Fachwissen begegnen müssen – im Interesse der Gesundheit.“ ¡ Die GOTS ist der größte Zusammenschluss von Sportorthopäden in Europa. Sie ist Garant für Seriosität, Kompetenz, Erfahrung sowie Beratungsstärke und Qualität in der Versorgung von Sportverletzungen.