Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin

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Stellenausschreibungen für W2-Professuren an der Charité

Folgende Stellen sind neu am Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC) der Charité – Universitätsmedizin Berlin ausgeschrieben: W2-Professur auf Zeit für Implantat-assoziierte Infektionen (Kennziffer: 573/2020) W2-Professur auf Zeit für Sporttraumatologie (Kennziffer: 574/2020) W2-Professur auf Zeit für Traumatologie (Kennziffer: 575/2020) Unter https://career.charite.de finden Sie die vollständige Stellenanzeige. Bewerbungsschluss ist der 29. Januar 2020.

App auf Rezept- So können Patienten ihre Gesundheit selbst “in die Hand nehmen“

Weltweit bislang einmalig können in Deutschland seit Oktober 2020 ausgewählte Apps vom Arzt auf Rezept verordnet werden. Davon profitieren zuerst einmal die 74 Millionen gesetzlich versicherten Patienten. Grundlage dafür ist das „Digitale Versorgung Gesetz“ aus dem Jahr 2019, das die Entwicklung verschreibungsfähiger digitaler Gesundheitsanwendungen, kurz DiGa, ermöglicht. Die ersten zugelassenen Apps behandeln die Themen Tinnitus, Angststörungen, Rücken-, Hüft- und Knieschmerzen. Weitere Anwendungen für die Behandlung eines erhöhten Blutdrucks, Diabetes, und Schlafstörungen befinden sich im Prozess der Zulassung. Um verordnet werden zu können muss eine App einen komplexen Prüfprozess beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn absolvieren. Der gesundheitliche Nutzen der App für den Patienten muss wissenschaftlich nachgewiesen werden. Das erfordert aussagekräftige Studien. Selbstverständlich müssen auch die Anforderungen des Datenschutz erfüllt sein. Zusätzlich wird verlangt, dass sich die Therapieempfehlungen der Apps mit dem Wissensfortschritt aktualisieren. In regelmäßigen Abständen muss deshalb ein Abgleich mit den aktuellen und für die App relevanten Leitlinien erfolgen. Mit diesen hohen Auflagen soll der inzwischen nicht mehr zu überblickende Markt der Gesundheits-Apps für die Patienten gefiltert werden. Bei insgesamt über 100.000 Apps rund um die Themen Gesundheit und Training ist das sicherlich ein sinnvolles Vorgehen. Vorteile für Patient und Arzt Die Vorteile für den Patienten sind vielfältig. Er erhält eine medizinische Leistung im Gegenwert von einigen hundert Euro kostenfrei. Auf diese kann er unabhängig von Zeit und Ort 24/7 zurückgreifen. Es gibt Terminschwierigkeiten und keine Wartezeit. Unser Mobiltelefon haben wir beinahe immer zur Hand. Mit motivierenden und spielerischen Elementen können je nach App die Rituale und Verhaltensweisen des Patienten positiv beeinflusst werden. Der Begriff Gamification beschreibt diese Möglichkeit den Patienten vom „Müssen zum Wollen“ zu bewegen. Die Nutzung der App wird automatisch und ohne Mühen für den Patienten dokumentiert und diese Daten kann er dem behandelnden Arzt zur Steuerung der Therapie vorlegen. Die Hoheit über diese Daten hat der Patient. Auch für den Arzt sind digitale Gesundheitsanwendungen interessant. Im Allgemeinen ist der Kassenarzt bei gesetzlich versicherten Patienten durch Budgets in seinem Verschreibungsverhalten limitiert. Verschrieben werden soll, was medizinisch „ausreichend“ und wirtschaftlich notwendig ist – also keineswegs das was für ein optimales Behandlungsergebnis „möglich“ ist. Überschreitet der Arzt sein Budget, zum Beispiel indem er überdurchschnittlich viel Physiotherapie verschreibt, droht ihm der Regress. Das bedeutet, dass die Krankenkasse ihn für die aus ihrer Sicht zu häufigen Verschreibungen zur Kasse bittet. Faktisch bezahlt dann der Arzt einen Teil der Therapien, die er seinen Patienten selbst verordnet hat. Die App auf Rezept ist vorerst nicht limitiert. Der Arzt kann also endlich einmal medizinisch entscheiden, was und wieviel er verordnen möchte. Wie läuft das ab? Ein Patient kann eine App auf zwei Wegen erhalten. Entweder per Rezept von seinem Arzt direkt, also genauso wie bei jedem anderen Rezept, oder direkt über seine Krankenkasse. Ist eine der zugelassenen Diagnosen an Rücken, Hüfte und Knie schon gestellt, ist auch ein Bezug der notwendigen Zugangsdaten für die relevante App direkt beim Versicherer möglich. Den detaillierten Ablauf erklärt die Seite www.DiGa.de . Gefährden Apps die Arbeit von Trainern oder Therapeuten? Nein! Apps können eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Ob es um erhöhten Blutdruck, Angststörungen oder eben Rückenschmerzen geht, eine Therapie oder Prävention ist Erkrankungen ist eine dauerhafte Aufgabe. Die seit Jahrzehnten bekannte Budgetierung im Gesundheitssystem verhindert bislang eine solche Weitsicht. Deshalb ist es gut, dass jetzt die digitalen Gesundheitsanwendungen ergänzend eingesetzt werden können. Ersetzen können und sollen sie weder Trainer, noch Therapeuten. Man kann nicht managen, was man nicht mißt Die notwendigen Massnahmen bei Volkskrankheiten wie hohem Blutdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Rückenschmerzen erfordern meistens eine Veränderung im Lebensstil der Betroffenen. Dazu ist es wichtig sich diesen zu visualisieren – als Therapeut und vor allem als Patient. Apps können hervorragend dazu beitragen, sich seinen eigenen Lebensstil zu verdeutlichen und ihn dann bei Bedarf aktiv zu verändern. So können wir uns „unbewußt“ ungünstige Verhaltensmuster im ersten Schritt „bewußt“ machen. Im nächsten Schritt werden günstige Verhaltensweisen „bewußt“ eingeübt, bevor sie im besten Fall „unbewußt“ fortgesetzt werden. Am Beispiel von Vivira haben wir in den letzten Jahren über 50.000 Nutzerdaten auswerten können. Wir konnten feststellen, dass sich die Schmerzen der Patienten verringert haben, sie weniger Schmerzmittel einnehmen mussten, weniger Tage arbeitsunfähig waren und sich zumindest zum Teil wieder mehr im Alltag bewegten. Die Daten der Nutzer haben mir als wissenschaftlichem Leiter sehr geholfen das Trainingskonzept von Vivira zu optimieren. Im Praxis- oder Klinikalltag ist es unmöglich solche Datenmengen binnen kurzer Zeit zu erfassen und auszuwerten. Mit Hilfe der Daten aber kann ich sehr schnell erkennen, was im Alltag genutzt und umgesetzt wird und was nicht. Jeder Trainer weiß, dass ein vermeintlich perfektes Trainingsprogramm rein gar nichts bringt, wenn der Patient oder Sportler es nicht umsetzt. In diesem können Apps dem Patienten helfen und Trainer, Therapeuten und Ärzte in ihrer Arbeit unterstützen. Weitere Infos www.diga.de www.vivira.de Autor Dr. med. Markus Klingenberg ist Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie, Sportmedizin, Manuelle Medizin, Notfallmedizin. Er ist in einer Gemeinschaftspraxis in Bonn niedergelassen. Seit 2016 ist er Leiter des wissenschaftlichen Beirats von Vivira Health Lab. Vivira ist die erste verschreibungsfähige App zur Therapie bei Schmerzen des Rückens, Knie- und Hüftgelenk. Dr. med. Klingenberg hat das zugrunde liegende Trainings- und Therapiekonzept entwickelt. Dr. Klingenberg schreibt als Experte regelmäßig Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Er ist auch Autor des Buches „Return to Sport -Funktionelles Training nach Sportverletzungen“.

GOTS – Kurzer Jahresrückblick 2020

Liebe Mitglieder   COVID-19 hat uns in diesem Jahr das Leben schwerer gemacht. Aber: wir haben es gemeistert. Trotz stark veränderter Lebensumstände haben wir die Aktivitäten der GOTS fortgesetzt, wo notwendig modifiziert und uns der digitalen Herausforderung gestellt! Der GOTS kommt eine wichtige Funktion bei der Schaffung einer besseren Lebensqualität für die Menschen zu. Sie ist die einzige Fachgesellschaft, die Sportverletzungen und -schäden des Bewegungssystems in ihrer Gesamtheit behandelt – vom Entstehungsmechanismus über Prävention, Rehabilitation, Wiederaufnahme der sportlichen Aktivität für alle Sportarten, Alters- und Leistungsklassen und alle Gelenke. Gemeinsam haben wir Ziele und Strategien für die aktuelle Arbeit der GOTS erarbeitet. Ein Fokus liegt auf der Verbesserung der Aus- und Weiterbildung. Das Zertifikat GOTS-Sportarzt hat sich etabliert, es läuft der nunmehr 6. Kurzyklus. Der Universitätslehrgang Master of Science Sportmedizin ist 2018 erfolgreich angelaufen. Der modular (8 Module) aufgebaute Studiengang läuft über 5 Semester und wird berufsbegleitend angeboten. Die Teilnehmer des ersten Lehrgangs haben erst vor wenigen Wochen den Lehrgang mit einer erfolgreichen Prüfung abgeschlossen. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der GOTS liegt in der Stärkung des akademischen Profils der Sportorthopädie. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Ausbildungsinhalte in dem Fach Orthopädie verschoben. Obwohl die Sportverletzungen zunehmen, sind unser Fachgebiet und die gesamte konservative Orthopädie an den Universitäten unterrepräsentiert. Um dies zu ändern, haben wir 2020 neben zahlreichen Maßnahmen eine ʺstrategische Partnerschaftʺ mit dem Bundesinnungsverband Orthopädietechnik geschlossen, um gemeinsam den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer Fachgebiete zu sichern. Nur mit einer hochwertigen Aus- und Fortbildung sowohl im wissenschaftlichen wie im praktischen Bereich werden wir unser Fach weiterentwickeln können, dabei ist der gemeinsame Dialog ʺfächerübergreifendʺ wichtig. Er wird den Teamgedanken fördern, der für eine optimale Patientenversorgung unerlässlich ist. Vom 20.bis 22.09.2019 fand in Luxemburg das 6. GOTS-Expertenmeeting zum Thema Primärprävention von Sportverletzungen statt. Die Arbeits- und Forschungsergebnisse liegen in Form der aktuellen GOTS-Publikation „Primärprävention von Sportverletzungen“ vor, die Sie mit dieser Aufgabe der SOT kostenfrei erhalten. Der 35. GOTS-Jahreskongress konnte nicht wie geplant vom 18. Bis 19.06.2020 in Berlin stattfinden. Unter Leitung von Kongresspräsident W. Petersen wurde vom 16. bis 18.06.2020 jedoch alternativ ein Online-Kongress organisiert, dessen Programm von Berlin aus als Livestream gesendet wurde. Die Vergabe der Preise sowie der Forschungsförderung und die Ehrung des Sportarztes des Jahres, die an Dr. Gunter Frenzel ging, wurden ebenfalls in diesem Format vorgenommen. Der 36. GOTS-Jahreskongress findet vom 01. bis 03. Juli 2021 in Basel statt. Kongresspräsident ist Dr. Lukas Weisskopf. Wir hoffen, dass wir Sie dort begrüßen können und Sie sich aktiv an dem Programm beteiligen. Corona hat uns aber auch verdeutlicht: Der Mensch ist ein soziales Wesen und benötigt den direkten Kontakt und Austausch. Kein noch so perfektes und ausgeklügeltes digitales Format kann das ersetzen. Die digitalen Formate werden jedoch den bisherigen Charakter unseres Kongresses ergänzen. Die GOTS mit ihren über 1500 Mitgliedern und den 200 Mitgliedern der Young Academy ist eine lebendige Gesellschaft, die sich positiv weiterentwickeln wird.   Ihnen und Ihren Familien wünschen wir ein schönes Weihnachtsfest und alles erdenklich Gute für das Jahr 2021!   Herzlichst Ihre   Prof. Dr. Roman Seil                                              Prof. Dr. Martin Engelhardt Präsident der GOTS                                               Editor der SOT  

Verletzungen von Kindern im Sport – der Unterschied zum Erwachsenen | PM November 2020

Kinder müssen sich ausreichend bewegen und Sport treiben. Neben einer Verbesserung von Kraft und Koordination, kommen mehr Beweglichkeit, Schnelligkeit und Ausdauer, sowie eine höhere Leistungsfähigkeit hinzu. Regelmäßiger Sport verbessert Herz und Kreislauf, stärkt das Immunsystem und kann chronischen Erkrankungen vorbeugen. Allerdings passieren jedes Jahr in Deutschland rund 300.000 Unfälle bei Kindern und Jugendlichen im Sport. Bei jedem Achten wird eine stationäre Aufnahme für mindestens 1 Nacht erforderlich. Die GOTS erklärt, welche Probleme dabei im Vordergrund stehen. Grundsätzlich muss zwischen akuten Verletzungen und Überlastungsschäden unterschieden werden. Je nach Sport gibt es unterschiedliche sportartspezifische Verletzungsmuster. Je nach Beanspruchung in der ausgeübten Sportart lässt sich ein höheres oder niedrigeres Verletzungsrisiko abschätzen. Grundsätzlich ist das Verletzungsrisiko in Sportarten mit Gegnerkontakt (die meisten Ballsportarten und Kampfsportarten) erhöht, ebenso in Sportarten, die mit hohem Tempo ausgeübt werden (z.B. alpiner Skilauf). Im Schulsport passieren mehr als 50 Prozent der Verletzungen bei Ballsportarten. Gehäuft finden sich Hand- und Fingerverletzungen beim Basketball, Handball und Volleyball sowie Fuß bzw. Sprunggelenkverletzungen beim Fußball. Der Unterschied zum Erwachsenen Gegenüber Verletzungsstatistiken im Erwachsenenalter ereignen sich bei Kindern deutlich weniger Muskel-, Sehnen- und Bandverletzungen. Bei Kindern kommt es in rund einem Drittel der Fälle zu Frakturen, zwei Drittel betreffen die obere Extremität. Auch, wenn der kindliche Bewegungsapparat – je jünger er ist – ein erhebliches Korrekturpotential aufweist und es nach Frakturen häufig zu Spontankorrekturen kommt, ist darauf zu achten, dass der Körper eine O-Beinstellung besser korrigiert als eine X-Beinstellung. Schwachstelle Wachstumsfuge „Der Bewegungsapparat weist durch die noch offenen Wachstumsfugen, insbesondere im Bereich der Apophysen, eine Schwachstelle auf, die entweder akut oder auch durch chronische Belastung geschädigt werden kann. Auch die gelenknahen Epiphysen sind verletzungsanfällig und können je nach Schädigung zu dauerhaften Problemen führen. Wird eine Wachstumsfuge direkt durch ein Trauma verletzt, kann es zu einem frühzeitigen Verschließen von Teilen der Wachstumsfuge kommen, woraus sich ein Fehlwachstum mit Achsabweichung ergeben kann. Eine engmaschige Kontrolle einer verletzten Wachstumsfuge ist erforderlich, um möglichst frühzeitig ein Fehlwachstum zu diagnostizieren“, erklärt Prof. Dr. Holger Schmitt, Vorsitzender des GOTS- Komitees Kindersportorthopädie. Auch gerade im Leistungssport auftretende immer wiederkehrende gleichförmige Impulse auf Wachstumsfugen durch intensives Training können Einfluss auf deren Wachstumsverhalten haben. Stauchende Belastungen scheinen einen eher hemmenden Einfluss zu haben, exzentrische Belastungen eher einen stimulierenden. So wird bei Turnern eher ein frühzeitiger Verschleiß der körperfernen Wachstumsfuge der Speiche mit Verkürzung des Unterarmes beobachtet, bei Tennisspielern eher eine Stimulierung mit Verlängerung des Schlagarmes. Auch die Wirbelsäule des Kindes kann auf intensive sportliche Belastungen reagieren. Neben isolierten Wirbelkörperaufbaustörungen werden stärkere Kyphosewinkel bei sportlich aktiven beobachtet, auch wenn keine pathologischen Winkel resultieren.

Schmerzmittel im Sport – bei Missbrauch wird’s gefährlich | PM Oktober 2020

Immer häufiger greifen Sportler zu schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten. Ob Muskeln oder Gelenke – NSAR (z.B. Ibuprofen) sind dabei die am häufigsten eingesetzte Wirkstoffgruppe. Profi- und Freizeitsportler erhoffen sich davon, Beschwerden oder Schmerzen zu lindern oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Doch gerade der „prophylaktische“ Gebrauch ist gefährlich, seine Verbreitung unter Nachwuchsathleten inzwischen besorgniserregend, warnt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin. Während Erwachsene und Senioren oft wegen Beschwerden des muskuloskelettalen Apparates NSAR einnehmen, ist die Motivation im Nachwuchssport die verbreitete Annahme, mit Schmerzmitteln einen unspezifischen „Belastungsschmerz“ in Wettkampfsituationen lindern bzw. vorbeugen zu können. In einer aktuellen, sportartenübergreifenden Studie unter Einbezug von 313 Nachwuchsathleten (NCAA College; Alter ca. 18-20 Jahre) gab jede vierte weibliche Athletin und jeder fünfte männliche Athlet an, zum Stichtag der Umfrage NSAR einzunehmen. Bei Umfragen auf Marathon-Veranstaltungen gab sogar die Hälfte der Freizeitsportler an, Schmerzmittel einzunehmen. Problematisch ist, dass viele Präparate zum Teil rezeptfrei im Handel erhältlich sind und durch die Einnahme mehrerer Tabletten eine rezeptpflichtige und damit wesentlich höhere Dosis erreicht werden kann. Durch falsche Vorbildfunktion, fehlende Aufklärung und Gewohnheit kann eine gefährliche Selbstmedikation entstehen – und das in Unkenntnis über das erhebliche Nebenwirkungspotential! Die erwünschten Wirkungen der NSAR beruhen auf der verminderten Synthese von Prostaglandinen. Je nach Stoffgruppe und Dosis werden den NSAR somit analgetische (schmerzhemmende), antipyretische (fiebersenkende) und antiphlogistische (entzündungshemmende) Eigenschaften zugesprochen. NSAR greifen aufgrund der vielfältigen Funktionen der Prostaglandine in relevante Stoffwechsel-Prozesse des gesamten Organismus ein. Unter sportlicher Belastung (erhöhte Herz-Kreislaufbelastung, Umverteilung des Blutvolumens zugunsten der Skelettmuskulatur) können die Auswirkungen sogar noch verstärkt werden. Bei intensiver körperlicher Belastung (z.B. Flüssigkeitsverlust mit Dehydrierung, Elektrolytverschiebungen) drohen bei NSAR-Gebrauch erhebliche gesundheitliche Risiken. Zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden bis hin zur Ulkus-Entstehung mit gastro-intestinaler Blutung, Erhöhung des Risikos arterieller thrombotischer Ereignisse (z.B. akuter Myokardinfarkt), Minderung der Nierenperfusion, Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen. Weiterhinkönnen mit der Einnahme eine negative Beeinflussung des Knochenstoffwechsels mit der Gefahr von Stressfrakturen, oder eine schlechtere Sehnen- und Knochenheilung nach Überlastungen einhergehen. Aufklärung unzureichend Eine wichtige Rolle für die Aufklärungsarbeit spielt das direkte Betreuungsumfeld der Sportler. Die begleitende Aufklärung des Trainerteams zu Schmerzmitteln/NSAR ist absolut wichtig. In der Praxis des Leistungssports hat es sich bewährt, vor der Einnahme jeglicher pharmakologischen Substanzen, Rücksprache mit dem betreuenden Sportarzt zu halten. Im Breitensport fehlen solche Ansprechpartner häufig ganz.  Fest steht: „Beschwerden und Schmerzen während des Sports müssen professionell von medizinischer Seite abgeklärt und keinesfalls mit Medikamenten in Eigenregie therapiert werden. NSAR-Präparate weisen ein erhebliches Nebenwirkungs- und Gefahrenpotential auf“, warnt PD Dr. Thilo Hotfiel, Orthopäde, Unfallchirurg und Vorstandsmitglied der GOTS.  Grundsätzlich bekämpft der Einsatz von Schmerzmitteln nicht die Ursachen der akuten oder überlastungsbedingten Beschwerden im Sport. Insbesondere die, je nach Sportart und Anforderungsprofil, überlastungsbedingten Verletzungen entstehen oftmals durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und der individuellen Belastungsfähigkeit. Die Anpassung und Steuerung der Trainingsbelastung und die individuelle Erfassung von Risikofaktoren sind die wichtigsten Eckpfeiler in der Prävention und Therapie. Sind Medikamente während des Sports medizinisch notwendig, so sollten sie unter strenger Indikationsstellung, Abklärung des individuellen Risikoprofils und möglichst nur kurzfristig eingesetzt werden!