Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin

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Herausragende Kollegin und Fußgelenk-Spezialistin: GOTS trauert um Prof. Dr. Christina Stukenborg

Sie war eine Pionierin in der Fuß- und Sprunggelenkchirurgie. Ihr herausragender Ruf als Operateurin, Wissenschaftlerin und Spezialistin reichte weit über Deutschland hinaus. Viel zu früh – mit nur 57 Jahren – verstarb vor wenigen Tagen Prof. Dr. Christina Stukenborg-Colsman, Chefärztin am Annastift der DIAKOVERE gGmbH in Hannover. Die außergewöhnliche Medizinerin mit unermüdlichem Engagement, fachlicher Brillanz und leidenschaftlichem Einsatz war nicht nur in den Fachgesellschaften hochgeschätzt, sondern auch in Patientenverbänden aktiv und eine gefragte Expertin in den Medien. Gerade erst war sie nach drei Jahren zur Präsidentin der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e.V. wiedergewählt worden. Als aktives Mitglied der European Foot and Ankle Society und in deren Wissenschaftlichen Komitee waren Christinas Einsicht, Nachdenklichkeit und ihr ruhiger, kooperativer Geist ausschlaggebend für den Erfolg der Kongresse, fortgeschrittenen Symposien und Bildungsprogramme der EFAS sowie für die Gestaltung der EFORT Fuß- und Knöchelsitzungen. Ihre Entschlossenheit, die Versorgungsstandards für alle zu verbessern, war für manche unbequem. Christina war mutig und ließ sich nie leicht einschüchtern. Ihre Eloquenz, ihr scharfer Verstand und ihr schlagfertiger Witz machten sie zu einer beeindruckenden Gegnerin in Debatten. Doch Arroganz und Wichtigtuerei waren ihr fremd und sie konnte immer über sich selbst lachen, wenn sich die Gelegenheit bot. Sie engagierte sich unermüdlich für die Förderung und den Wissensaustausch in der orthopädischen Gemeinschaft und war die treibende Kraft hinter einer Vielzahl internationaler wissenschaftlicher und pädagogischer Projekte. Ihre Abteilung an der Universität Hannover leitete sie mit Wärme und Weitsicht. Sie begleitete die nächste Generation orthopädischer Fuß- und Sprunggelenkschirurgen mit grenzenloser Energie und viel Großzügigkeit. Ihr Einfühlungsvermögen, ihre Einsicht und ihre Weisheit bereicherten jedes Projekt, das sie begleitete, und machten sie zu einer wertvollen Kollegin und Freundin. Sie hatte die angeborene Gabe, Menschen zusammenzubringen, und ihre stille Stärke und unerschütterliche Anmut inspirierten sie, das Beste aus sich selbst und aus einander herauszuholen. Viele Weggefährten beschreiben sie als einen Menschen mit Herz und Humor. Auch Mitglieder der GOTS kannten die engagierte Chirurgin und souveräne Führungspersönlichkeit mit visionärer Kraft über Jahrzehnte persönlich. Viele waren beruflich mit ihr verbandelt oder gar befreundet. In enger Zusammenarbeit zwischen DAF und GOTS plante sie die OP-Kurse mit uns zusammen. Sie hat alle stets mit ihrer Energie, Professionalität und Menschlichkeit inspiriert. Der Tod von Christina Stukenborg-Colsman reißt eine sehr große Lücke in die Reihen der Orthopäden, Chirurgen und Wissenschaftler. Ihr Vermächtnis aber wird weiterleben – in den Menschen, die sie gefördert hat, und in der Medizin, die sie mit so viel Leidenschaft vorangebracht hat. Unser tiefstes Mitgefühl gilt ihrem Ehemann, ihren Kindern und ihrer Familie.   Thomas Tischer                                    Martin Engelhardt – Präsident der GOTS –                       – Schriftführer der GOTS –

GOTS Young Academy: Sportsymposium Regensburg 14.03.-15.03.2025

Am 14. und 15.März 2025 fand am Universitätsklinikum Regensburg das erste sportmedizinische Symposium der GOTS Young Academy statt. Die Veranstaltung widmete sich dem Thema „Return to Sports“ und beleuchtete die medizinische Betreuung von Sportlerinnen und Sportlern nach Verletzungen. Ein abwechslungsreiches Programm aus Vorträgen und Workshops bot neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und praxisnahe Strategien zur Rehabilitation und Rückkehr in den Sport. Nach einer Begrüßung und Vorstellung der GOTS Young Academy eröffnete Anja Ragette mit einem Vortrag zur Rolle des neuromuskulären Systems bei Sportverletzungen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der medizinischen Betreuung im professionellen Fußball, da die Universitätsmedizin Regensburg als FIFA Medical Center of Excellence fungiert. Dr. Dominik Szymski stellte Kriterien für eine sichere Rückkehr in den Sport nach Kopfverletzungen vor und diskutierte aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema. Aus physiotherapeutischer Sicht erläuterte Kevin Litwitz individuelle Rehabilitationspläne, mögliche Herausforderungen in der Therapie und evidenzbasierte Entscheidungshilfen anhand eigener Fallbeispiele. PD Dr. Clemens Memmel befasste sich mit der Kindertraumatologie und stellte die Frage, ob Kinder als „kleine Erwachsene“ betrachtet werden können oder eine eigenständige medizinische Gruppe darstellen. Er zeigte auf, inwieweit der Körper Wachstumsprozesse zur Korrektur von Fehlstellungen nutzen kann und wo die Grenzen dieser Anpassungsmechanismen liegen. Frühzeitiges Erkennen von Fehlbelastungen und asymmetrischen Wachstumsprozessen ist entscheidend, um langfristige Probleme zu vermeiden. Neben den theoretischen Inhalten spielte die praktische Anwendung eine wichtige Rolle. In einem Ultraschall-Workshop konnten die Teilnehmenden die sonografische Diagnostik von Schulter-, Sprung- und Kniegelenk intensiv üben. Ergänzend wurde die radiologische Bildgebung sportspezifischer Verletzungen mittels MRT behandelt, wobei die Teilnehmenden mit Gerardo Napodano sowohl die Basics der Bildgebung auffrischten, als auch komplexe Fälle diskutierten. Ein weiterer Themenblock befasste sich mit orthomolekularer Medizin. Dr. Marco Hartl erläuterte den Einfluss des Mikrobioms und kurzkettiger Fettsäuren auf sportliche Leistungsfähigkeit und Regeneration. Seine Erfahrungen aus der Betreuung der U17-Nationalmannschaft, die innerhalb eines Jahres sowohl die Europa- als auch die Weltmeisterschaft gewann, verdeutlichten die Relevanz dieser Strategien. Przemyslaw Warminski und Simon Hecht vom SSV Jahn Regensburg gaben Einblicke in das Athletiktraining und die Belastungssteuerung im Profifußball. Besondere Aufmerksamkeit galt Faktoren wie Ernährung, Schlaf, Regeneration und mentaler Stärke, die mittlerweile fester Bestandteil der Trainingsplanung im Leistungssport sind. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Rehabilitation wurde von Sportpsychologin Anna Schneider beleuchtet. Sie stellte dar, dass nicht nur der körperliche Heilungsprozess, sondern auch die mentale Bereitschaft für eine Rückkehr in den Sport entscheidend ist. Praxisbeispiele aus der Athletenbetreuung zeigten, wie gezieltes Training der mentalen Stärke den Rehabilitationsprozess unterstützen kann. Am zweiten Tag wurden im OTC Therapiezentrum verschiedene sportmedizinische Diagnostikmethoden praktisch erprobt. Bewegungsanalysen mit dem Diers MotionLab, Kraftmessungen und Sprungtests standen ebenso auf dem Programm wie die isokinetische Testauswertung mit dem Biodex-System, das wertvolle Erkenntnisse über Muskelkraft und Dysbalancen liefert. Das Symposium bot eine gelungene Kombination aus wissenschaftlicher Theorie und praktischer Anwendung sowie die Möglichkeit zum interdisziplinären Austausch. Ein besonderer Dank gilt allen Referenten, Organisatoren, Teilnehmenden und den Sponsoren Bauerfeind und Norsan, die diese Veranstaltung unterstützt haben. Besonders hervorzuheben ist zudem die engagierte Organisation durch Julia Deinlein von der GOTS Young Academy, die mit viel Eigeninitiative und Unterstützung von Dr. Dominik Szymski zur erfolgreichen Umsetzung beigetragen hat.

Sportsymposium Wien – Frauen und Nachwuchsfußball

September 2024 Am Freitag, den 20.September fanden sich alle Studierenden bei traumhaftem Wetter im Sportcenter im Schatten der UNO City ein. Los ging es mit einem fesselnden Impulsvortrag, der das Thema, welches uns die kommenden zwei Tage beschäftigen würde, wunderbar einleitete. Alexander Widhalm, operativer Leiter der Frauen des First Vienna FC 1894, gab uns einen Überblick, was sich in jüngster Vergangenheit im österreichischen Frauenfußball – zum Positiven – verändert hat und wo es im internationalen Vergleich noch erheblichen Aufholbedarf gibt. Die First Vienna Frauen, welche sich vor wenigen Jahren in die 1. Bundesliga gekämpft hatten, durften als amtierender Vizemeister heuer erstmals Champions-League-Luft schnuppern und sich mit den ganz großen Teams aus Europa messen. Danach folgte bereits ein Highlight des ersten Tages, denn Florian Altenburger und Laurin Kratochwil durften ÖFB-Teamarzt OA Dr. Markus Winnisch und die ehemalige Team- und FC Bayern Rekordspielerin Carina Wenninger begrüßen. Auf einen spannenden Vortrag über Teambetreuung im Mannschaftsport mit vielen hilfreichen Tipps an junge angehende Sportmediziner folgte ein Athlete Talk der Sondersorte, bei dem vor allem die Themen wie Vertrauen und Beziehungsaufbau zwischen Teamarzt und Sportlerin, gegenseitige Erwartungen und No-Go’s sowie der Umgang mit Verletzungen diskutiert wurden. Im Namen der Young Academy nochmals ein herzliches Dankeschön, dass dieses Treffen zustande kommen konnte und dass auf alle Fragen der Studierenden ausführlich eingegangen wurde. Bereits in dieser ersten Session ist mehrmals die Thematik von Kreuzbandverletzungen bei Athlet:innen aufgekommen. „Eine Fußballkarriere als Frau ohne Kreuzbandriss zu erleben, ist fast unmöglich.“, wurde zwischendurch sogar behauptet. Umso passender war daher der nächste Vortrag von Physiotherapeut Julian Ulberth, MSc, der sehr übersichtlich ein 6 Phasenmodell in der Kreuzband-Reha vorstellte und dabei auf die wichtigsten Kriterien und Scores einging. Dr. Robert Breuer und Dr. Rainer Fiala, die selbst bereits viel Erfahrung in der Mannschaftsbetreuung – von American Football Spielern – haben, referierten über das große Thema von „Muskel- und Sehnenverletzungen“ und „Concussion – Einfluss des Kopfballspiels im Nachwuchsfußball“. Kurz vor dem Mittagessen schloss diese diskussionsreiche Session mit einem wichtigen Vortrag über den Einfluss des weiblichen Menstruationszyklus auf die körperliche Leistungsfähigkeit. Lena Lauxtermann, MSc. stellte dabei ihr Forschungsprojekt (Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft – Deutsche Sporthochschule Köln) vor, in dem akute Reaktionen und langfristige Effekte von zyklusgesteuertem Training ausgewertet und verglichen wurden, um Rückschlüsse auf die Bedeutsamkeit für die Praxis und Anpassung ziehen zu können. Nach dem Mittagessen folgte, um der postprandialen Müdigkeit entgegenzuwirken, ein sehr greifbarer Vortrag von Tamara Knezevic, BSc. über Sporternährung inkl. praxisnahen Tipps für die optimale Energieversorgung am Spieltag. Mit Dr. Christoph Stotter, MSc, PhD und seinem Vortrag zu kindlichen Kreuzbandverletzungen und Katharina Lohse, welche uns die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Verletzungen im Fußball näherbrachte, wurde die interdisziplinäre Vortragsserie geschlossen. Lohse war erst vor wenigen Tagen aus Kolumbien zurückgekehrt, wo sie das österreichische U20 Frauennationalteam erstmals bei einer WM-Teilnahme begleiten durfte. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Vortragenden für ihre informativen Präsentationen und das Engagement, die Young Academy bei Veranstaltungen wie dieser zu unterstützen. Ein besonderes Dankeschön gilt Josh Prikasky, BSc. welcher neben einem sehr kurzweiligen interaktiven Vortrag zur physiotherapeutischen Betreuung im Nachwuchsfußball am Beispiel der Akademie des FAK Austria Wien auch den anschließenden Taping Workshop abgehalten hat. Parallel dazu fand mit der Fa. OPED ein zweiter spannender Workshop statt, bei dem die Studierenden Einblick in die neuesten Entwicklungen und innovativen Produkte erhielten und wo man sehen konnte, welches Potential künstliche Intelligenz schon jetzt in der postoperativen Reha und im Return to Sport hat. Der zweite Tag stand dann voll im Fokus der Young Academy mit noch mehr Workshops und v.a. Hands-On. Nach drei Vorträgen zur Anatomie von Knie und Sprunggelenk sowie über die Einteilung von Sprunggelenksfrakturen, gab es auch am Samstag einen Athlete Talk: diesmal mit ehemaligem Bundesligaspieler Lukas Parger, welcher auch in Kroatien bei Dynamo Zagreb in der Jugend Spielerfahrung sammeln durfte, und Sarah Mattner, Spielerin bei Fußballgroßmacht SKN St. Pölten und nebenbei Medizinstudentin. Wie sie Sport und Studium unter einen Hut bringt und wie Lukas vom Dorfverein in Tirol den Sprung in die UEFA Youth League mit Zagreb schaffte, waren Gegenstand des Interviews. Danach ging es fließend über in den nächsten Workshop: klinische Untersuchung von Knie und Sprunggelenk ehe wieder das gemeinsame Mittagessen anstand. Die Stichworte des Nachmittags waren „Arthroskopie“ und „Osteosynthese“. Herzlichen Dank an die Fa. Arthrex und die Fa. AAP, die uns die Workshops ermöglichten und außerdem jeweils einen einführenden Vortrag hielten. Darin wurden das Prinzip der Osteosynthese bzw. die Geschichte und der allgemeine Aufbau des Arthroskops erklärt. In guten drei Stunden hatten die Studierenden dann jede Menge Zeit, um sich an den Modellen auszutoben, Meniskusrisse zu nähen, Schienbeinbrüche zu verplatten, Fragen zu stellen und viel zu üben. Mit diesen Eindrücken endete das Sportsymposium in Wien zum Thema Frauen- und Nachfuchsfußball. Wir möchten uns hiermit nochmals ausdrücklich bei den Sponsoren OPED und OFA bedanken, aber auch bei allen Referent:innen für die qualitativ hochwertigen Vorträge und allen Teilnehmer:innen, ohne die das Event nicht so gelungen wäre.

Ethik, Psyche, Orthopädie in der Kindersportmedizin: 25. Jahrestagung der trinationalen Gesellschaft für Pädiatrische Sportmedizin in Luxembourg

Von Dr. Christian Nührenbörger Die GOTS-Mitglieder zusammen mit dem GPS-Präsidenten Prof. Jannos Siaplaouras und dem GPS-Tagungs-Präsidenten Tobias Stadtfeld   Vom 14. Bis 16. März 2025 fand in Luxemburg die 25. Jahrestagung der Gesellschaft für pädiatrische Sportmedizin (www.kindersportmedizin.org) statt. Zum 25-jährigen Jubiläum kamen mehr als 80 Teilnehmer*innen ins Museum für zeitgenössische Kunst MUDAM nach Luxemburg. Der Tagungs-Präsident Tobias Stadtfeld, Pädiater und Sportmediziner aus Luxemburg, hatte ein sehr interessantes und hochkarätiges Programm mit insgesamt 30 Vorträgen und zwei Hands-on Workshops zum thematischen Schwerpunkt „Nachwuchsleistungssport“ zusammengestellt. Die Tagung wurde gemeinsam eröffnet von der Luxemburger Ministerin für Gesundheit und soziale Sicherheit Martine Deprez sowie vom Luxemburger Sportminister Georges Mischo. Das Thema des ersten Tages waren Ethik und Psyche sowie Safeguarding im Kindes- und Jugendsport. Es wurden sowohl nationale und internationale Konzepte im Bereich des Kinderschutzes im Sport vorgestellt und diskutiert sowie im Anschluss das Thema Nahrungsergänzungsmittel und Dopingprävention erläutert. Der zweite Tag startete mit einem praktischen Workshop zur Fraktursonographie im Wachstumsalter. Darauf folgten zwei Sitzungen, die vom GOTS-Komitee Kindersportorthopädie organisiert wurden, unter anderem mit den GOTS-Mitgliedern Dr. Christian Nührenbörger, Prof. Romain Seil, Prof. Holger Schmitt, PD Dr. Gregor Berrsche und Dr. Felix Hoffmann. In der ersten Sitzung gab es ein Update zu sportorthopädischen Pathologien des Kniegelenkes im Kindes- und Jugendalter. Die zweite GOTS-Session begann mit einem Vortrag zur Prävention im Nachwuchssport, danach wurden der aktuelle Stand zur Behandlung von Concussions sowie spezielle sportorthopädische Fälle im Kindesalter vorgestellt. Am Samstagnachmittag folgten sportwissenschaftliche Beiträge aus dem Bereich des Rad- und Ausdauersports und abschließend der Festvortrag von Prof. Helge Hebestreit zur 25jährigen Geschichte der GPS. Der dritte Konferenztag wurde wieder aktiv mit einem Workshop zu Return-to-Competition nach vorderer Kreuzbandverletzung eröffnet. Im zweiten thematischen Block der Sportwissenschaften wurden die Themen Übertraining, der Umgang mit Hitze und psychiatrische Aspekte in der Adoleszenz diskutiert. Zum Abschluss der 25. Jahrestagung stellten Vertreter der AG Kindersportkardiologie der DGPK spannende Einblicke in die physiologischen Reaktionen von Kindern mit Herzfehlern in der Höhe und unter Wasser vor. Der GPS-Vorstand mit Vortragenden und Teilnehmern der Jahrestagung Unter dem Motto „25 Jahre GPS – 25 Jahre bewegte Zukunft“ konnten alle Teilnehmer ein sehr interessantes und inspirierendes Wochenende in der außergewöhnlichen Atmosphäre des MUDAM genießen und in vielen offenen und wertschätzenden Gesprächen neue Eindrücke gewinnen und Netzwerke für die kommenden Jahre aufbauen, wie auch das GOTS-Komitee Kindersportorthopädie mit der GPS.   Fotos: ©Tobias Stadtfeld

Wenn Sport zur Gefahr wird – Herausforderungen der Mediziner bei schwersten Verletzungen | PM April 2025

 Skifahren, Mountainbiking, Bergsteigen: Sport als Ursache für Polytraumata „Es ist nur ein kurzer Moment beim Skifahren oder Mountainbiking, der aber das Leben für immer verändern kann“, sagt Dr. Moritz Katzensteiner, Assistenzarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an den Ordenskliniken der Barmherzigen Schwestern, Linz. Über 18 Monate arbeitete er jüngst an der Klinik Diakonissen in Schladming, einem Berg- und Freizeitsport-Gebiet, dass es – unfallträchtig gesehen – in sich hat.  Auf dem 40. GOTS-Kongress, in diesem Jahr an der Donauuniversität Krems, stellt er schwerste Verletzungen und Polytraumen vor, ordnet deren Entstehung und die Therapien ein. Fest steht: obwohl die meisten Freizeitsportler noch jung und fit sind, ist eine Widerherstellung der Strukturen exakt wie vor dem Unfall nur in Ausnahmefällen vollumfänglich möglich – wenn auch immer das Ziel. Gerade beim Skifahren sind oft die Strukturen um das Kniegelenk betroffen. „Hier sehen wir teils katastrophale Verletzungen“, so Katzensteiner. Am schwerwiegendsten sind hier unter anderem Tibiakopf-Frakturen einzuordnen – ein komplexer Gelenkbruch, der häufig durch hohe mechanische Einwirkung im und um das Kniegelenk entsteht. Anatomisch „original“ sind solch schweren Gelenkbrüche nicht wiederherstellbar. Der Chirurg: „Wir haben dann hier zum Teil 35-jährige fitte Patienten, die unter Umständen in ein paar Jahren trotz optimaler perioperativer Verfahren eine sekundär traumatische Arthrose entwickeln und eine Knie-Prothese benötigen.“ Ebenso häufig, wenn auch selten mit langfristigen Konsequenzen, sind Oberschenkel-Schaftbrüche, die meist auf der gesteigerten Risikobereitschaft der Skifahrer beruhen. Trotz fehlender Gelenksbeteiligung sollte gerade in diesen Situationen ein schnelles Handeln forciert werden, da gerade bei Brüchen im Bereich der großen Röhrenknochen zum Teil kreislaufwirksame Mengen an Blut verloren werden können. An der Wirbelsäule sind es meist die Lendenwirbelregion sowie der thorakolumbale (Übergang Brust- zu Lendenwirbelsäule) Bereich. Hierbei reichen die Schweregrade von „einfachen“ Kompressionsbrüchen bis hin zu instabilen Verrenkungsbrüchen mit und ohne neurologischer Ausfallssymptomatik. Die Therapien für diese teils schwersten Sportverletzungen sind individuell. Mit modernsten operativen Verfahren versuchen Orthopäden und Unfallchirurgen den Schaden möglichst gering zu halten und bei der Wiederherstellung nahe an der Anatomie zu bleiben – häufig jedoch reicht die alleinige Wiederherstellung der knöchernen Strukturen nicht, da viele Brüche mit Begleitverletzungen im Weichteil assoziiert sind. In den Sommermonaten stellt vor allem das Downhill-Fahren mit Mountainbikes ein großes Verletzungspotential dar. Häufig ziehen sich die Sportler schwerste Verrenkungsbrüche der Schulter oder Trümmerbrüche des Handgelenkes zu – auch hier sind mit wenigen Ausnahmefällen junge Erwachsene oder Jugendliche betroffen.  Tischler oder Elektriker beispielsweise können dann zum Teil nur mehr eingeschränkt in ihrem eigentlichen Beruf eingesetzt werden. Ebenso zunehmend sind Mountainbiker mittleren Alters betroffen, die auf eBikes plötzlich in Regionen vorstoßen, für die sie – ohne Motorisierung – gar keine Konditionierung haben. Sie überschätzen sich sowohl psychisch als auch körperlich und stoßen dann an ihre individuellen Grenzen oder überschreiten diese gar. „Sie haben zwar oft nicht so schwere Verletzungsmuster, dafür aber Herz-Kreislauf-Probleme, Übergewicht oder relevante Begleiterkrankungen und Medikamente, die eine notwendige operative Versorgung sowie das postoperative Prozedere erschweren“, so Katzensteiner. Ein bisschen Urlaub, ein bisschen Wandern, Bergsteigen und Klettern – denkt sich mancher Freizeitathlet. Doch so einfach ist die Sache nicht. Ohne ausreichende Kondition, Konstitution und Koordination rutschen immer mehr Menschen ab, stürzen und müssen vor Ort in den Kliniken versorgt werden.

Höhenmedizin und Sport im Grenzbereich | Sozialisierte Angst – Warum uns rationales Denken in extremen Situationen so schwerfällt | PM März 2025

„Die Erkenntnis, dass man so winzig ist in dieser unaufhörlichen Felswand, macht einiges leichter“, sagt Profikletterer Rudolf Hauser aus Salzburg. Wie die Psyche am Berg unter Belastung reagiert, was sie mit unserer körperlichen Fähigkeit macht und warum uns rationales Denken in extremen Situationen so schwerfällt, darüber spricht der Sportler, Filmemacher und Referent auf dem 40. Jahreskongress der GOTS in der Donauuniversität Krems. Wenn man beobachtet, wie angstfrei Babys und Kinder eigentlich sind, bis sie auf die Mimik der Eltern stoßen und diese verstehen, kann man ahnen, was mentale Freiheit bedeutet. Eine Unbedarftheit kann beim Klettern am Berg niemand gebrauchen. Jedoch: „Trotz aller Sportlichkeit kommt unser Körper dort oben irgendwann ans Limit. Zum Großteil übernimmt dann der Kopf“, so Hauser. Viele sehr junge Kletterer strotzen vor Kraft und Ausdauer, haben teils ein Gefühl der Unsterblichkeit und trauen sich Dinge, die weit über ihre Möglichkeiten hinaus gehen. Häufig ist dann auch ein Quantum Glück dabei. Hauser´s Mentor prägte den Satz: „Wenn´s soweit ist, dass man sich vor seinem eigenen Mut fürchten muss, fehlt die Vorbereitung.“ Etwas älter geworden, mit Verantwortung im Leben, vielleicht auch mit Familie, werden viele Extremsportler rationaler, planen besser und handeln bewusster.  Nicht umsonst sind alle großen namhaften Bergsteiger, die noch leben, rationale, clevere Typen. Sie wissen, wann man umkehren muss, so Hauser. Zum Extrem-Klettersport gehören hartes Training und eine perfekte Vorbereitung. Zu den ganz freien kurzen Genuss-Momenten, der höchsten Kletterleistung am Berg, tastet man sich Schritt für Schritt hin. Das Credo, so Hauser, ist hier: Work ethik eliminate fear. Heißt: Die Arbeit, die du gezielt in eine Sache investierst, eliminiert deine Ängste. Hauser: „Das ist wie mit einem Vortrag vor Hunderten Leuten. Hast du ihn nicht ordentlich vorbereitet, wirst du schlecht schlafen davor, weil du weißt, das wird nichts. Ist alles gut vorbereitet, kann ich körperlich und mental ganz andere Limits erreichen.“ Das mentale Training wird heute noch überwiegend dem Sportler individuell überlassen. Hauser: „Hier liegt – auch in den Kletterschulen und Vereinen – noch viel Potential brach.“ Denn körperlich seien viele Athleten gleich gut und hochtrainiert. Einige haben jedoch eine mentale Überlegenheit. „Nicht die Stärksten sind in diesem Sport die Besten, sondern die Ausgeglichensten“, sagt der Kletterer. Am Berg gingen die Gedanken häufig Richtung Endgültigkeit, man müsse immer auch den Respekt vor dem Berg behalten. Übersetzt heißt das, du musst deine Hausaufgaben gemacht haben. Bin ich gut vorbereitet? Wo muss ich schnell sein, in welcher Passage kann ich mich vielleicht ein bisschen ausruhen, von woher können Steine herabfallen? Von der Tour-Planung bis zum Wetter, von der körperlichen Verfassung bis zur Psyche – die Checkliste ist lang. Und dann kommt da noch die Tagesverfassung. Ein Extrem-Kletterer muss aufwachen und spüren, ok. es passt heute. Ich hab´s tausendmal gemacht, ich bin flüssig. Ich hab keinen Kraftverlust wegen Problemen in meiner psychischen Verfassung. Am Ende steht die Konsequenz der Entscheidung. „Ein Restrisiko bleibt immer“, sagt Hauser, „dann musst du dich fragen, was ist es mir wert? Unser Gehirn ist wie ein Schutzschalter – es schaltet dir den Saft ganz schnell ab. Wenn du in der Nacht davor Ängste bekommst oder dich unzureichend vorbereitet fühlst, muss du morgens dann doch absagen.“   Video zu PM und Vortrag